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26.02.1993

Pen-Computern fehlt zur Reife jetzt nur noch die Software

Die Goldgraeberstimmung der Hersteller ist zwar inzwischen verflogen, trotzdem ist von Resignation nichts zu verspueren: Es herrscht weiterhin Einigkeit darueber, dass stiftbasierten Systemen eine rosige Zukunft beschieden ist.

Fuer den zoegerlichen Marktstart der Stiftrechner sind verschiedene Faktoren verantwortlich. Zunaechst einmal ist die nicht gerade optimistisch einzuschaetzende wirtschaftliche Lage zu nennen, die bei Unternehmen die Bereitschaft zu Investitionen fuer die Einfuehrung neuer Technologien senkt, selbst wenn diese mittelfristig Kosten einsparen helfen.

Aber auch in der Natur der Geraete selbst lag ein Teil der ablehnenden Haltung potentieller Kaeufer begruendet. Die erste Generation von Notepads muss sich den Vergleich zum Urvater der Personal Computer, dem IBM-PC, gefallen lassen: eine interessante technologische Neuerung zwar, fuer den praktischen Einsatz aber zu gross, zu schwer und zu langsam.

Dies bekam der einstige Branchenprimus Momenta zu spueren, der mit seinem "Pentop" unbedingt als einer der ersten auf dem Markt praesent sein wollte. Etwas Abwarten haette den Kaliforniern gut angestanden, um der Oeffentlichkeit dafuer ein durchdachteres Produkt praesentieren zu koennen.

Bislang hat kaum einer mit Pentops Geld verdient

So war der Pentop mit einem Gewicht von 3,3 Kilogramm schlicht untragbar, das Display verfuegte ueber keine Hintergrundbeleuchtung, und die mitgelieferte Tastatur war nicht in das Geraet integriert, sondern musste extra mitgetragen werden. Weltweit wurden nur wenige Dutzend Pentops verkauft, und die Firma musste im letzten Sommer ihre Pforten schliessen.

Auch bei den Konkurrenten sah es nicht viel besser aus. Kaum ein Unternehmen duerfte bislang mit Stiftrechnern viel Geld verdient haben. Am erfolgreichsten war noch Pen-Pionier Grid, der von dem "Gridpad" zirka 40 000 Stueck absetzen konnte.

"Es ist bezeichnend, dass ein Geraet, das sich aufgrund seines V20- Prozessors gar nicht als echter Pen-Computer klassifizieren laesst (kein PenPoint, kein Pen-Windows), zu den erfolgreichsten Stiftrechnern fuer Applikationen des vertikalen Marktes gehoert", urteilt Branchenkenner Edward Zimmermann von der Muenchner bsn. In der Bundesrepublik belief sich die Gesamtzahl der verkauften Stiftrechner auf unter 2000, wobei die meisten an Entwickler ausgeliefert wurden.

Doch die Hardwarehersteller haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und viele Unzulaenglichkeiten der Notepads verbessert. Transflektive Bildschirme mit abschaltbarer Hintergrundbeleuchtung, die sowohl in dunklen Innenraeumen als auch unter sonnigem Himmel bei ausreichendem Kontrast gut lesbar sind, gehoeren inzwischen zur Standardausstattung.

Zudem haelt in den ersten Pen-Computern Farbe Einzug. Hier ist etwa der "Dauphin 5500" zu nennen, der ueber ein VGA-Display mit einer Darstellung von 256 Farben bei einer Aufloesung von 640 x 480 Pixeln verfuegt. Das Gewicht von ueber drei Kilogramm wie beim oben erwaehnten Momenta-Geraet oder einigen Microslate-Modellen ist inzwischen auf akzeptable Werte von deutlich unter 2 Kilogramm gerutscht, zum Beispiel bei Toshibas "Dynapad T100X" mit 1,5 Kilogramm, der auf der

CeBIT 1993 sein deutsches Debuet geben wird.

Ausserdem werden die Geraete zunehmend resistenter gegen Staub, Erschuetterungen und Feuchtigkeit. Die CPU-Leistung, entscheidend fuer verbesserte Algorithmen zur Handschrifterkennung in halbwegs akzeptabler Zeit, waechst analog zu den Desktops stetig an: 386- Rechenleistung ist mittlerweile Standard, einige Notepads haben Coprozessoren zur Beschleunigung von Fliesskomma-Berechnungen, fast alle weisen zumindest einen Sockel fuer solch einen Zusatzprozessor auf und erste Geraete wie NECs "Ultralite Autograph" koennen gar mit einer 486-CPU protzen.

Wie in der Desktop-Welt sind auch die Pfruende bei Prozessoren fuer Notepads verteilt: Intel und die Kontrahenten AMD und Cyrix koennen den Kuchen fast ganz unter sich aufteilen, Motorola & Co. muessen sich mit dem Rest zufriedengeben. Unter diesen Anbietern hat der Hobbit-Prozessor von AT&T gute Chancen, sich erfolgreich zu verkaufen. Er wird in die sogenannten Personal Communicator der kalifornischen Firma EO eingebaut und verrichtet dort mit einer Taktrate von 20 beziehungsweise 30 Megahertz den Dienst. Das entspricht in etwa der dreifachen Leistung eines 386SL-Chips oder einer 486SX-CPU - bei einem Bruchteil des Stromverbrauchs. Ausserdem konnte AT&T die drei japanischen Elektronikgiganten Matsushita, NEC und Toshiba davon ueberzeugen, fuer ihre zukuenftigen Palmtops ebenfalls den Hobbit-Prozessor zu verwenden, den NEC aller Voraussicht nach als Lizenznehmer fertigen wird.

Kopfzerbrechen bereitet den Pen-Herstellern die immer noch unzureichende Stromversorgung. Die Batterielebensdauer ist bei den massenhaft verkauften Notebooks zwar auch nicht hoeher als bei den Notepads. Doch die tragbaren Tastaturrechner werden vornehmlich stationaer in Hotelzimmern, Konferenzzentren oder Bibliotheken eingesetzt. In der Regel ist dort ein Netzanschluss vorhanden.

Die Staerke der Notepads hingegen liegt ja gerade darin, dass sie aufgrund ihrer Mobilitaet auch im Gehen und Stehen benutzt werden koennen. Ihre Einsatzgebiete umfassen daher Oertlichkeiten, die traditionellen tragbaren Rechnern bislang verwehrt blieben.

Die Angaben der Hersteller bezueglich der Arbeitsdauer der Akkus sind denn auch mit Vorsicht zu geniessen; bislang kommt jedenfalls kein Geraet ueber einen Acht-Stunden-Arbeitstag hinaus. Eine neue Batterie-Technologie auf Lithiumpolymer-Basis verspricht zwar eine dreimal so lange Laufzeit wie bei derzeitigen Stromspendern. Deren Marktreife wird jedoch wohl noch einige Zeit auf sich warten lassen.

Die Hardware-Voraussetzungen sind somit inzwischen im grossen und ganzen gegeben, um sich die Vorteile stiftbasierter Systeme zunutze machen zu koennen. Kritisch sieht die Situation hingegen bezueglich Software aus.

Zwar bieten Unternehmen wie etwa Slate ("Penapps"), GO ("Penpoint SDK"), Penmagic ("Numero"), Grid ("Penright", "Pen Pal") oder Microsoft ("Visual Basic" mit dem Professional Toolkit) Entwicklungsumgebungen an, mit denen auf die Belange von Pen- Computern zugeschnittene Applikationen erstellt werden koennen.

Doch ist das Angebot an Software fuer Pensysteme bislang nicht sehr ueppig. Zum Teil liegt dies daran, dass die Unterstuetzung amerikanischer Softwarehaeuser fuer den deutschen Markt mager ausfaellt - Penpoint beispielsweise ist immer noch nicht an den deutschen Zeichensatz angepasst. Die spaerliche Angebotssituation begruendet sich aber auch in der umstaendlicheren Programmentwicklung. Denn die Software wird in der Regel auf einem PC entwickelt und nicht auf dem Geraet, auf dem sie letztlich zum Einsatz kommen soll. Oft verwenden dabei Entwickler die Maus als Ersatz fuer den Stift. Dass dabei die Programme nicht adaequat getestet werden koennen, liegt auf der Hand: Aufgrund der voellig andersartigen Motorik ist es nahezu ein Ding der Unmoeglichkeit, mit der Maus Buchstaben oder gar eine Unterschrift einzugeben. Ausserdem reicht sowohl die zeitliche als auch die raeumliche Aufloesung der einzelnen Mauspixel nicht an die eines Digitizers heran.

Verschiedene Hersteller wie Wacom oder Summagraphics bieten daher Digitizer-Tabletts an, die an einen PC angeschlossen und wie ein Pen-Rechner mit dem Stift bedient werden koennen.

Vor allem kleinere Softwarehaeuser sehen in diesem Jahr noch die Chance, Nischen zu besetzen und sie mit branchenspezifischen Applikationen auszufuellen. Auch deutsche Firmen - beim Einsatz stiftbasierter Systeme bislang eher verhalten agierend - werden den auf der diesjaehrigen CeBIT erwarteten Schub an neuen Pen- Geraeten nutzen, um den Einsatz dieser Technologie im eigenen Unternehmen zu erproben.

*Fereydun Khanide ist geschaeftsfuehrender Gesellschafter der Penplan Consulting. Das Muenchener Beratungsunternehmen spezialisiert sich auf die Gebiete Pen-Computing und drahtlose Kommunikationstechnologien. Penplan Consulting ist Herausgeber von Penplan Report, des europaweit einzigen Newsletter zu diesem Thema und hat an der Ausarbeitung des Schwerpunktes mitgewirkt.

Wo Pen-Computer bereits heute erfolgreich eingesetzt werden

Bei vielen Unternehmen waechst die Erkenntnis, dass sich mit dem Einsatz von

Notepads eine Menge Geld sparen laesst. Vor allem in den USA setzen Firmen auf die Stiftrechner, deutsche Unternehmen sind noch sehr viel zurueckhaltender.

- Kellogg Co. aus Battle Creek im US-Bundesstaat Minnesota erprobte mit 300 Grid-Geraeten erfolgreich den Einsatz stiftbasierter Systeme im Aussendienst.

- Das Chiropractic Arts Center in Oklahoma verwendet im Rahmen eines mobilen Management-Systems zur Patientendaten-Erfassung Notepads von NCR.

- Bei der Detroit Edison Company amortisierte sich der Einsatz der Pen-Computer bereits nach einem Jahr. Grid-Geraete wurden dort fuer Verwaltungsarbeiten eingesetzt, um die beim Faellen von Baeumen zur Freihaltung der Stromtrassen auch anfallenden administrativen Arbeiten zu erledigen.

- Gilette stattet seine Mitarbeiter mit Notepads aus, die sie zur Erhebung von Statistiken ueber Verkaufsflaechen und Produktpositionierung verwenden.

- In New York kann die New York Transit Authority seit dem Einsatz von Stiftrechnern pro Tag doppelt so viele Bushaltestellen auf Schaeden ueberpruefen und deren Zustand der Zentrale uebermitteln.

Begriffe

Mittlerweile ist die Anzahl unterschiedlicher Geraetearten im Pen- Bereich so gross, dass die Begriffe leicht durcheinandergeraten. Zur Klaerung sei deshalb hier die allgemein gebraeuchliche Terminologie vorgestellt:

Pen-Computer (Stiftrechner) bezeichnet ein Geraet, unabhaengig von Groesse oder Technologie, bei dem die Eingabe mit einem Stift erfolgen kann.

Notepad wird ein DIN A5 bis DIN A4 grosser Pen-Computer genannt.

Tablett wird oft synonym zu Notepad verwendet. Der Begriff bezeichnet jedoch auch reine Eingabe-Digitizer, die ueber keinen Bildschirm verfuegen muessen.

Ein Pentop ist eine Kombination aus Notebook und Notepad, die sowohl ueber eine Tastatur als auch ueber die Moeglichkeit der Stifteingabe verfuegt. Erste Pentops sind Grids "Convertible" und NECs "Ultralite Versa".

Ein Palmtop wiederum ist ein Geraet, das bequem in einer Hand zu halten ist. Stiftunterstuetzung ist nicht zwangslaeufig notwendig.

Der Begriff Personal Digital Assistant (PDA) wurde gepraegt fuer kleine, hoechstens Videokassetten-grosse Stiftrechner wie Apples "Newton" oder AT&Ts "Eo". Sie zeichnen sich durch extensive Kommunikationsmoeglichkeiten und hohe Benutzungsfreundlichkeit aus.