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03.04.1992 - 

Keyboardlose Computer nicht zu unterschätzen

Pen-Computing: Auch für Einsätze ohne einen handschriftlichen Input

Die Ära der Pen-Computer begann vor über zwei Jahren mit der Einführung des Grid Pad der Grid Systems Corp., eines Rechners von der Größe eines Notebooks auf der Basis des NEC-V.20-Prozessors - mit einem Stift anstelle des Keyboards. Vor einigen Monaten erst brachte NCR Augsburg mit ihrem Notepad den ersten Vertreter einer neuen Generation von Pen-Computern, die mit dem Intel-386-Chip ausgerüstet sind, heraus. Inzwischen folgten und folgen eine ganze Reihe weiterer Hersteller wie Momenta, Microslate, Samsung Computers, PI Systems und Tusk mit ähnlichen Geräten.

Die bisher entwickelten Pen-Computer stimmen in wesentlichen Merkmalen überein: Sie besitzen einen Flüssig-Kristall-Bildschirm (LCD), zumeist mit VGA-Auflösung, der fast die gesamte Fläche des Rechners einnimmt. Ein Stift löst das Keyboard als Haupteingabemedium ab. Hinter der transparenten Glas- oder Kunststoffplatte verbirgt sich außerdem ein Digitizer, der die Stiftbewegungen auf dem Bildschirm registriert. Dabei wird je nach Gerät eine aktive Stifttechnik (keiner Stromfluß), ein passiver Stift (Induktion) oder ein Touch-Screen verwendet. Einige Modelle lassen sich selbst durch Berühren mit einem Finger bedienen. Die Informationen des Digitizers (Koordinaten einer Berührung oder Bewegung) werden an Module des zugrundeliegenden Betriebssystems weitergeleitet und können von Applikationsprogrammen abgerufen sowie ausgewertet werden. So kann zum Beispiel das Tippen auf eine abgebildete Tasten eine Aktion starten oder das Zeichnen in einem Eingabefeld mit "elektronischer Tinte" sichtbar gemacht werden.

Für die Portabilität der Rechner, die etwa zwei bis drei Kilo schwer sind (Leichtgewichte lassen sich auch problemlos im Stehen bedienen) sorgen stromsparende Hardwarekomponenten in Verbindung mit aufladbaren Batterien, denen derzeit im Schnitt vier Stunden Netzunabhängigkeit zugeschrieben wird.

Eine Fähigkeit vieler Applikationen auf Pen-Computern, die bereits im Vorfeld zu teilweise vernichtenden Verrissen in Artikeln einiger Publikationen führte und damit auf ungerechtfertigte Weise ein zwiespältiges Licht auf die Einsatzmöglichkeiten warf, ist die Handschrifterkennung. Darunter wird die Umsetzung, handschriftlich eingegebener Blockbuchstaben in einen für den Rechner verständlichen Code verstanden. Zusätzlich besteht die Möglichkeit der Eingabe sogenannter Gestures, zu zeichnender Gesten, mit deren Hilfe eine für den Benutzer intuitiv erfaßbare Steuerung oder Korrektur der Eingabe ermöglicht werden soll, so zum Beispiel das Löschen von Textteilen durch einfaches Durchstreichen (siehe Abbildung 1). Die eigentliche Erkennung wird softwaretechnisch gelöst. Die meisten dieser Programme, die häufig aus dem Hause Communications Intelligence Corp. (CIC) stammen, können vom Benutzer "trainiert" werden, indem er die Zeichen in seinem Schreibstil eingibt und sich die Software darauf einstellt.

Um eine hohe Erkennungsrate zu erreichen, wird man jedoch auch in nächster Zukunft trotz sich verbessernder SW-Module nicht um eine deutliche Handschrift herumkommen. Für längere Texteingaben bleibt zweifellos das Keyboard unschlagbar. Auf Podiumsdiskussionen machten allerdings einige Teilnehmer der Konferenz in San Jose deutlich, daß die Handschrifterkennung kein zentrales Thema für die Pen-Computer ist. Viele Einsatzgebiete werden über weite Strecken ohne handschriftliche Texteingabe auskommen.

So bemerkte etwa Jin H. Kim, Geschäftsfüher von PI Systems, daß "der Stift zum Kontrollinstrument wird, das wegen seiner Direktheit und einfachen, natürlichen Bedienung überzeugt. Er dient auch dazu, spezielle Kommandogesten, Gestures, auszuführen, Dinge zu markieren und Notizen an bestehende Texte hinzuzufügen".

Die ungekürte "Queen of the Pad" M. Kathy Vieth, Vizepräsidentin von IBM und zuständig für den Bereich Tablet Systems, sieht Einsatzmöglichkeiten des "Pen-Computers hauptsächlich im vertikalen Markt", (wo die Handschrifterkennung nach Auffassung von Kirk Cruikshank, Vizepräsident von Grid, eine geringe Rolle spielt), und verfolgt das Ziel, daß "die Leute den Wert einfach zu bedienender Oberflächen erkennen werden... Handschrifterkennung ist dabei nicht notwendig." Momenta-Vize John Rizzo gab jedoch zu bedenken, daß "Benutzer Computer ohne Keyboard unterschätzen - ähnlich wie die Maus bei der Einführung des Macintosh als Spielzeug betrachtet wurde". Daher wird der Momenta aus marktstrategischen Gesichtspunkten gleich mit einem Keyboard ausgeliefert.

Alle Pen-Computer mit Keyboard-Anschluß

Praktisch alle Pen-Computer sehen den Anschluß eines Keyboards vor. Einige Hersteller ließen durchblicken, daß sie aus der vermeintlichen Not eine Tugend machen werden und eine Art Kreuzung aus Pen-Computer und Notebook herauszubringen gedenken. Eine besonders praktische Variante bietet schon jetzt Tusk an. Das Gerät ist äußerlich ähnlich ausgestattet wie ein Notebook. Die Komponente mit dem Bildschirm, der bereits auf Super-VGA-Größe ausgelegt ist, kann mit einem Handgriff herausgenommen werden - und schon hält man einen voll einsatzfähigen Pen-Computer in Händen.

In der zumeist mit Intel-Prozessoren ausgestatteten Riege der leistungsstarken Geräte wird der Infolio von PI Systems mit einem Motorola-68331-Chip als Preisbrecher auftauchen. Bei der im März geplanten Markteinführung ist für den amerikanischen Markt ein Preis von etwa 2000 Dollar vorgesehen. Auch sein Gewicht von 1,5 Kilogramm und die angegebene Batteriekapazität von bis zu zwölf Stunden fallen deutlich aus dem Rahmen.

Die nächste Generation von Pen-Computern hat sich bereits angekündigt: Palmtops in Taschenrechner-Größe wie der Poqet Pad von der Poqet Computer Corp. Die Batterie des nur 560 Gramm leichten Rechners mit NEC-V.20HL-Prozessor soll eine Lebensdauer von 16 bis 48 Stunden haben.

Der Bereich Kommunikation soll bei Pen-Computern groß geschrieben sein. Ziel ist die drahtlose Interaktion von Pen-Computern mit anderen Systemen über Funk- und Infrarotkanäle, wie es beispielsweise der Vordenker Mark Weiser von Xerox Parc in Palo Alto in "Spektrum der Wissenschaft" (November 1991, Seite 92) ausmalte. Die Konferenz bot deshalb eine Podiumsdiskussion mit dem Thema "Connectivity Issues". Ericsson GE bietet ein drahtloses, antennenbestücktes, 470 Gramm schweres Modern an, das über die serielle Schnittstelle mit dem Rechner verbunden wird.

Mobitex, das dazugehörige Datennetzwerk, ist in den USA, Kanada und den skandinavischen Ländern bereits installiert. RAM Mobile Data, die Betreiberfirma des Netzwerks in den Staaten, deckt immerhin schon die 30 größten Städte für den drahtlosen Electronic-Mail-Versand ab.

Rotierende Speicher kontra Memory-Karten

Große Fortschritte konnten die Hersteller von Massenspeichern für tragbare Rechner vorweisen. Die Vertreter der Flash-Memory-Karten nach dem PCMCIA-Standard, die in Kreditkartengröße produziert werden, fanden sich unverhofft in Konkurrenz zu einem Hersteller rotierender Speicher mit ähnlichen Größenspezifikationen wieder. Jim Miller, Vizepräsident von Ministore, brachte mit seiner 64-MB-Festplatte und Preisen von etwa sechs Dollar pro MB seinen Gegenspieler John Reimer, Vize von Sundisk und Vorsitzender der PC Memory Card Manufacturers International Association (PCMCIA), arg in Verlegenheit. Die kürzlich erreichte Integration von 40 MB auf einer Sundisk-Karte muß derzeit noch mit nahezu dem zehnfachen Preis bezahlt werden (siehe Abbildung 2). Dennoch prophezeite Reimer,

der PCMCIA-Standard würde sich schnell durchsetzen und dazu führen, daß in wenigen Jahren 98 Prozent aller Pen-Computer mit PCMCIA-Slots ausgestattet seien.

Penpoint Kopf an Kopf mit Pen Windows

Im Mittelpunkt des Interesses stand auch auf diesem Kongreß wieder das Kopf-an-Kopf-Rennen der Betriebssysteme Pen Windows von Microsoft und Penpoint von GO. Microsofts Vizepräsident Jeff Raikes tat sich besonders durch die von seinem Chef Bill Gates ersonnene aggressive Vermarktungspolitik hervor. Mit den obligatorischen "Windows! Windows!" Hochrufen erfreut sich Microsoft der momentanen Hochkonjunktur seines Kassenschlagers Windows 3.0. Pen Windows, eine Erweiterung der kommenden Version Windows 3.1 um herstellerspezifische Module zur Stift-Eingabe, soll noch vor Penpoint freigegeben werden (siehe Abbildung 3). Robert Carr, Chef-Entwickler von GO, versprach in einem Interview die Auslieferung von Penpoint für spätestens April. Er kann sich der Unterstützung von IBM sicher sein, seitdem sich der Computer-Riese mit Microsoft entzweit hat. "Es sieht bislang so aus, als wären wir an Pen Windows von den Stückzahlen her vorbeigezogen", stellte Carr fest. "Das ist ein großer Erfolg, da Microsoft ein sehr mächtiges Unternehmen ist. Windows hat sehr viel Unterstützung am Markt. Pen-Computer-Anwender wissen, was sie benötigen. Windows selbst wurde nicht an den Stift angepaßt. Viele Kunden sehen dies als unbefriedigend an. Penpoint haben wir von Grund auf für den Einsatz in Pen-Computern konzipiert. Microsoft verkündete vor einem Jahr, mit Pen Windows laufen nicht-modifizierte Windows-Applikationen problemlos. Heute sagen sie das nicht mehr. In nicht allzuferner Zukunft werden sie einsehen, daß sie Windows selbst modifizieren müssen, damit die Applikationen auch mit dem Stift auskommen können."

Die meisten Hersteller bieten auf ihren Geräten neben proprietären Betriebssystemen, etwa Varianten der MS-DOS-Erweiterung sowohl Pen DOS von CIC oder Pen Right von Grid, die Option zur Installation von Pen Windows als auch von Penpoint. Unterdessen gesellte sich ein weiterer ernst zu nehmender Konkurrent in San Jose hinzu: Pen-Geos von Geo Works. Die windowsähnliche Benutzeroberfläche verspricht durch ihren sparsamen Umgang mit Rechnerressourcen und ihrer Lauffähigkeit auf allen Intel-Systemen ab dem 8086-Chip, den Einstieg in den Low-cost-Markt zu ermöglichen. Jeffrey Hawkins, ehemaliger Mitarbeiter bei Grid und jetziger Präsident der SW-Firma Palm Computing, sieht für die nächste Zukunft Palmtops unter 500 Dollar voraus.

Im Bereich der Applikationen für die verschiedenen Betriebssysteme wurden bereits einige Produkte gezeigt, die vornehmlich auf horizontale Marktsegmente abzielen. Slate stellte sechs umfangreiche Programme vom Day Timer Pen Scheduler, (einem Terminkalender mit Notizblock, der in Zusammenarbeit mit einem führenden Hersteller professioneller Terminplaner entwickelt wurde), bis zum Spreadsheet Slate At-Hand vor. Ebenfalls ein Terminkalender mit priorisierter täglicher Aufgabenliste wurde von Newquest Technologies angeboten. Hansen Software kann weltweit schon 650 Installationen von kundenspezifischen Anwendungsprogrammen für Behörden und Dienstleistungsunternehmen verschiedener Bereiche wie Gaswerke, Müll-Lagerfirmen und Kabel-TV verweisen. Mit ihrem Field Geographic Information System, das die Verwaltung beliebiger Grafiken erlaubt und für Informationssuche sowie Dateneingabe bei bestechend einfacher Bedienung eingesetzt werden kann, wollen sie ein größeres Anwenderpotential erreichen.

Nach den Prognosen des Informationsdienstes Dream Machine für den amerikanischen Markt sehen Pen-Computer rosigen Zeiten entgegen (siehe Abbildung 4).

*Alfred Jägel ist freier Journalist und Mitarbeiter von Penplan Consulting, München.

Neuheiten auf der Pen Computing '92

SAN JOSE (CW) - Mit über tausend Teilnehmern fand die bereits zum zweiten Mal abgehaltene Technologiekonferenz zum Thema Pen Computer und ihre Einsatzmöglichkeiten am 19. und 20. Februar 1992 in der "Hauptstadt des Silicon Valley" eine unerwartet große Resonanz. Unter den knapp hundert Ausstellern, die parallel dazu ihre zum Teil brandaktuellen Produkte rund um die tragbaren, mit einem elektronischen Stift zu bedienenden Rechner präsentierten, befanden sich auch viele aus der PC-Welt bekannte Firmen der Hard- und Softwarebranche. Hersteller und erste Anwender zeigten in Podiumsdiskussionen Übereinstimmung in der Einschätzung, daß Pen-Computer aufgrund ihres Potentials als einfach zu bedienende Eingabe-, Kontroll- und Kommunikationsmedien in den nächsten Jahren auf revolutionierende Weise Einzug in viele Bereiche des Arbeits- und Alltagslebens finden werden.

C-Anwendungen interaktiv mit "Data Designer"

HANNOVER (pi) - Software-Werkzeuge für C-Programmierer präsentierte die ESM Software GmbH aus Nürtingen in Hannover. Im Mittelpunkt der CeBIT-Ausstellung standen ein Applikationsgenerator und ein Datenbank-Entwicklungssystem.

Mit "Data Designer" lassen sich nach Herstellerangaben C-Applikationen interaktiv am Bildschirm erstellen, ohne Programmcode zu schreiben. Auf diese Weise müssen die Anwendungen beim Neu-Design, bei Tests oder bei Änderungen nicht erneut compiliert werden. Der Generator ist für die Betriebssysteme MS-DOS, Unix, QNX und VMS erhältlich.

Das objektorientierte Datenbank-Entwicklungssystem mit der Bezeichnung "DB Vista ++" enthält Strukturen und Methoden, die die Objekt-Relationen und die Navigation innerhalb der Datenbank vereinfachen sollen. Darüber hinaus zeigte der Anbieter eine Funktionssammlung zur Unterstützung mausorientierter Menü- und Maskenerstellungen sowie ein Versionsverwaltungs- und Kontrollsystem.