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22.11.2002 - 

Kritiker warnen vor nicht zu bewältigender Datenflut

Pentagon plant weltweite Überwachung des Internets

WASHINGTON (CW) - Die US-Regierung plant, das Internet mit Hilfe eines neuen Schnüffelsystems weltweit zu überwachen. Ziel sei es laut John Poindexter, Chef des Information Awareness Office (IAO) im Pentagon, Spuren von Terroristen im World Wide Web zu finden und zu verfolgen.

Mit dem neuen Total-Information-Awareness-(Tia-)Programm will sich das US-amerikanische Verteidigungsministerium Zugang zu Datenbanken in aller Welt verschaffen. So sollen beispielsweise verdächtige Kreditkartenabrechnungen oder Reisebuchungen aus den unzähligen Datenpaketen, die täglich durch die Netze der Welt geschickt werden, herausgefiltert werden. Auf Basis dieser Informationen sollen Analysen potenzieller Gefahrensituationen und schnelle Warnungen vor konkreten Bedrohungen möglich sein.

"Wir können die Terroristen nur finden und ihnen zuvorkommen, wenn wir ihre Spur verfolgen", erklärte Poindexter in einem Interview mit der US-amerikanischen Tageszeitung "Washington Post". Die Arbeiten an dem System liefen auf Hochtouren, bestätigte der frühere Sicherheitsberater des ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan. Poindexters Behörde verfügt über einen Jahresetat von 200 Millionen Dollar. Erste Aufträge für die Entwicklung der Schnüffelsoftware sollen bereits vergeben sein. Allerdings, so schränkt er ein, werde es Jahre dauern, bis die Technik einsatzbereit sei.

Kritiker warnen davor, dass die US-amerikanische Überwachungspolitik Orwellsche Dimensionen annehmen könnte. So hören die US-Geheimdienste bereits seit längerem mit ihrem Lauschsystem "Echolon" die weltweiten Kommunikationsnetze ab - auch in verbündeten Staaten. Zuletzt hatte das EU-Parlament im vergangenen Jahr scharf gegen diese Praxis protestiert, weil die mit Hilfe Echolons gewonnenen Informationen nachweislich zur Industriespionage missbraucht worden seien.

Für Poindexter zählen diese Bedenken nicht. Seine Mission sei es, die notwendige Technik zu entwickeln. Die Regeln festzulegen, wie diese angewandt werde, sei nicht seine Aufgabe. Der US-amerikanische Kongress müsse entscheiden, innerhalb welcher Grenzen das System eingesetzt werden dürfe.

Der Plan des Tia-Systems offenbart noch viele Lücken. So scheint es angesichts des Echolon-Skandals zweifelhaft, dass die USA ihre Verbündeten für das neue Schnüffelsystem gewinnen können. Auch innerhalb der US-Behörden sind Streitigkeiten programmiert. Bislang wachen die verschiedenen Polizei- und Geheimdienste wie FBI, CIA oder NSA eifersüchtig über das eigene Datenmaterial. Inwieweit das Pentagon künftig auf die Informationen anderer US-Behörden zugreifen darf, bleibt abzuwarten.

Problematische Auswertung der Daten

Neben den organisatorischen Schwierigkeiten müssen technische Probleme gelöst werden. Experten bezweifeln, dass sich ein derart umfangreiches Schnüffelsystem überhaupt realisieren lässt. Schon heute würden die US-amerikanischen Geheimdienste in einer Informationsflut versinken, die kaum zu bewältigen sei. Die notwendigen Filtertechnologien, die in der Lage wären, für die Terrorprophylaxe relevante Daten herauszusuchen, arbeiteten momentan noch sehr unzuverlässig, erklärte Paul Webros, Computerspezialist der National Science Foundation. Viele unschuldige Personen würden sich im Netz des Schnüffelsystems verfangen, und viele Terroristen könnten unbemerkt durchschlüpfen, fürchtet er. (ba)

Das Comeback

Mit John Poindexter als Chef des IAO meldet sich eine zwielichtige Gestalt auf der politischen US-Bühne zurück. 1990 wurde der Sicherheitsberater von Ronald Reagan festgenommen. Die Vertreter der US-amerikanischen Justiz warfen ihm vor, Mitte der 80er Jahre Waffen an das Ayatollah-Regime im Iran verkauft zu haben. Mit den Erlösen soll er ohne Wissen der US-Behörden die rechten Contra-Rebellen in Nicaragua unterstützt haben. Nachdem ihm die Richter Irreführung des Kongresses und Vernichtung von Beweismaterial nachgewiesen hatten, wurde Poindexter zu sechs Monaten Haft verurteilt, die er jedoch nicht absitzen musste, weil das Berufungsgericht seine vor dem Strafverfahren ausgehandelte Immunität für rechtens erklärte. Während der 90er Jahre arbeitete der Ex-Navy-General bei der Firma Syntek Technologies. Das Unternehmen entwickelte mit "Genoa" eine Software, die sich für das Durchsuchen von großen Datenbanken eignet.