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Intel hat Probleme mit der Leistung und dem Bios

Pentium 4: Ein Chip stolpert in den Markt

01.12.2000
MÜNCHEN (CW) - Mit offenen Armen scheint der Markt Intels neues Flaggschiff Pentium 4 nicht zu empfangen. Analysten bezweifeln die Rentabilität des Chips im Business-Umfeld. Die ersten Testergebnisse platzieren die CPU hinter ihrem ärgsten Konkurrenten, den "Athlon" von AMD. Und auch eine Bios-Unstimmigkeit, die gerade noch rechtzeitig vor der Freigabe behoben werden konnte, wirkte dem Aufbau kollektiven Vertrauens in den Prozessor eher entgegen.

Neben den in der IT-Branche verbreiteten Zweifeln am unmittelbaren Durchsetzungsvermögen des Pentium 4 im Massenmarkt machen nun - pünktlich zum Zeitpunkt seines Marktdebüts - auch erste, eher unspektakuläre Testergebnisse Intel das Leben schwer. Dabei hatte sich der Halbleiterhersteller mit seiner auf 1,4 beziehungsweise 1,5 Gigahertz getakteten CPU im langjährigen Chiprennen mit Konkurrent AMD doch erstmals seit einem Jahr die Spitzenposition zurückerobert.

Die Pole-Position ist aber wohl eher theoretischer Natur. Aktuellen Benchmark-Tests zufolge hat sich der Pentium 4 jedenfalls nicht als überlegener Renner erwiesen. So konnte die CPU-Prominenz laut den Testingenieuren des "Tecchannel" ihre theoretische Leistungsfähigkeit bisher nur sehr punktuell beweisen und schnitt bei den meisten Tests schlechter ab als AMDs 1,2-Gigahertz-Athlon. Insbesondere bei typischen Office-Anwendungen wie Word oder Excel soll der AMD-Chip den Pentium-Rivalen abgehängt haben.

Selbst bei den meisten Spielen, einem der Bereiche, in denen der Intel-Chip glänzen soll, lag der Athlon in Front. Lediglich bei Spracherkennung und der Filmcodierung in der Videobearbeitung habe der Pentium 4 die Nase tatsächlich vorn. Dennoch sei das Leistungs- und Geschwindigkeitspotenzial des neuen Pentium unbestreitbar - von der aktuellen Software ließe sich dieses allerdings nur unzureichend nutzen, so die Einschätzung der Tester.

Man müsse den Hintergrund kennen, vor dem der Pentium 4 entwickelt wurde, lautet Intels Antwort auf die ersten Praxiserfahrungen. Für den Chipriesen sind die Testergebnisse keine Überraschung. "Wir haben nie öffentlich Benchmarks gehandelt, die dem widersprechen, was die Tests berichten", gibt sich Intel-Pressereferent Christian Anderka gelassen. Beim Pentium 4 handle es sich um eine neue Mikroarchitektur mit dem Ziel, die Taktfrequenz möglichst schnell hochzuskalieren. "Bei einem Vergleich zwischen einem Pentium III und seinem Nachfolger mit der gleichen Taktfrequenz ist es deshalb möglich, dass der neue Chip schlechter abschneidet", räumt Anderka ein. Entscheidend sei doch, dass man beim Pentium 4 deutlich höhere Taktraten anbieten könne. Eine seltsam anmutende Rechnung: Demnach bräuchte der neue Pentium für das Abarbeiten einer Aufgabe eine höhere Taktfrequenz als sein Vorgänger.

Software soll den Pentium 4 in die Gänge bringen"Je mehr für den Pentium 4 optimierte Software auf den Markt kommt, desto deutlicher wird er seine Überlegenheit gegenüber anderen Architekturen zeigen können", erklärt Anderka. Es gäbe bereits Applikationen, die schneller seien. "Und wer will schon, dass Word schneller ist?" fragt sich der Intel-Sprecher. Konsequenterweise stellt sich dann aber auch die Frage, warum sich gerade Anwender, die vorwiegend mit Büroanwendungen arbeiten - ein nicht unwesentlicher Teil des angepeilten Massenmarkts - freiwillig auf die neue Technologie einlassen sollten.

Doch damit nicht genug: Pünktlich zur Freigabe des neuen Intel-Chips ließen US-Quellen verlauten, dass erste an PC-Hersteller ausgelieferte Pentium-4-Prozessoren mit einer fehlerhaften Bios-Version ausgeliefert worden seien. Nach Angaben von Intel gelang die Korrektur des mutmaßlichen Codefehlers jedoch, bevor die neuen Systeme in die Hände der Endkunden gelangten. Es habe sich dabei um ein ganz normales Bios-Update gehandelt, so Anderka. "Es ist durchaus üblich, dass man vor dem Launch eines solchen Produkts eine Reihe von Bios-Updates vornimmt", klärt der Intel-Sprecher auf. In den letzten fünf Wochen vor der Freigabe seien noch zahlreiche Optimierungen vorgenommen worden. Bei der letzten Kompilierung sei dann versehentlich ein Stück Code unterschlagen worden. Peinlich sei lediglich der Zeitpunkt des Lapsus gewesen - eine Woche vor dem Launch des Pentium 4. Dass trotz der rechtzeitigen Reaktion dennoch vereinzelte Systeme mit der falschen Bios-Version ihren Weg zum Consumer gefunden haben, schließt Intel so gut wie aus.

Selbst wenn es dem Halbleiterhersteller gelang, das Problem zu lösen, bevor es handfesten Imageschaden anrichten konnte, ruft es dennoch die Negativschlagzeilen der vergangenen Monate wieder in Erinnerung, in denen Intel mehrfach mit peinlichen Problemen konfrontiert war. Diese deuteten nicht zuletzt darauf hin, dass sich der Chiphersteller im Geschwindigkeitsrausch der Halbleiterbranche zur vorschnellen Freigabe von unausgereiften Produkten hinreißen ließ. So sah sich Intel im Laufe dieses Jahres nicht nur dazu gezwungen, nahezu eine Million Hauptplatinen aufgrund eines technischen Problems zurückzupfeifen. Schwierigkeiten mit der Technik sollen den Chiphersteller auch zum Rückruf seines 1,13-Gigahertz-Pentium-III, der Aufgabe des Timna-Projekts sowie der verzögerten Freigabe des Pentium 4 gezwungen haben, die ursprünglich für Ende Oktober geplant war.

Dass sich Chipriese Intel auch mit seiner Always-Rambus-Strategie verrechnet hat, nach der der Pentium 4 ausschließlich teuren Rambus-Speicher unterstützt, ist bekannt. Erst für Ende 2001 ist ein Chipsatz geplant, der die neue CPU auch zur Zusammenarbeit mit preisgünstigeren SDRAM-Modulen befähigt - eine nicht unwichtige Voraussetzung, um die derzeit eher hochpreisigen Pentium-4-Systeme zumindest auf Speicherebene preislich für den Massenmarkt zu qualifizieren, den er nach Intels Vorstellungen bereits in der zweiten Jahreshälfte 2001 erobert haben soll. Doch bis dahin dauert es noch eine Weile. US-Presseberichten zufolge zieht Intel vorsichtshalber die Lizenzierung der Pentium-4-Technologie an konkurrierende Chipsatzhersteller in Erwägung, um die Herstellung von Produkten, die billigere Speicherbausteine unterstützen, voranzutreiben. Es sei Tradition des Hauses, geistiges Eigentum an andere Firmen - unter anderem an AMD - zu lizenzieren, so Intel. Zu laufenden Verhandlungen will man jedoch keine Auskunft geben.

Vor diesem Hintergrund dürfte es kein Zufall sein, dass Rambus-Spezialist Dell nach eigenen Angaben derzeit das weltweit erste Pentium-4-System ausliefert - zu einem vergleichsweise annehmbaren Preis von knapp 4000 Mark. Dank der langjährigen Erfahrung mit RDRAM-Hochleistungsspeichern sei man in der Lage, diese Technologie auch zu günstigen Preisen anzubieten, teilt der Direktanbieter mit. Andere Hersteller wie Gateway, Compaq und IBM sind gleich mit auf den Zug aufgesprungen. Lediglich um Hewlett-Packard blieb es verdächtig still: Nach Angaben des Unternehmens will man den neuen Intel-Chip aber durchaus einsetzen - und zwar in der Server-Reihe "VL-800". Auch im Consumer-PC "Pavillion 9795C" soll er ab sofort zu finden sein. Beides allerdings vorerst nur in den USA. In Europa möchte man das Weihnachtsgeschäft ohne den neuen Chip abwickeln und erst im kommenden Frühjahr mitspielen.