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16.07.1999 - 

Katmai-Prozessor findet wenig Anklang in Unternehmen

Pentium III: Anwender sollten auf Coppermine warten

MÜNCHEN (CW) - Ein halbes Jahr nach seiner Markteinführung ringt Intels Pentium-III-Prozessor immer noch um die Akzeptanz bei den DV-Verantwortlichen. Sie sehen keinen Grund, ihre DV-Landschaft nur wegen eines neuen Prozessors umzukrempeln.

Der Sturm, den Intel bei der Einführung des Pentium-III-Chips mit einer 300 Millionen Dollar teuren Kampagne entfachen wollte, hat sich in ein laues Lüftchen verwandelt. Zwar zogen fast alle PC-Hersteller mit und überschwemmten den Markt mit Pentium-III-Rechnern, doch in den DV-Abteilungen der Unternehmen kann der jüngste Intel-Sprößling nicht so recht Fuß fassen.

Uwe Meyer, Gruppenleiter des Bereichs Engineering bei der Karstadt AG, sieht in seinem 8000 Rechner umfassenden PC-Pool momentan keinen Bedarf für den Pentium III. Bei Karstadt arbeiten die verschiedensten Rechnerklassen zusammen, vom 486er DX-4 bis zum Pentium II mit 450 Megahertz. Letztgenannter Rechner wäre auch die Standardausstattung, die ein neuer Mitarbeiter bei Karstadt bekommen würde, erklärt Meyer. Sicherlich benötige das Unternehmen für bestimmte Arbeitsplätze leistungsstarke Rechner, zum Beispiel Workstations, die Belastungstests simulieren, doch für die Aufgaben der meisten Mitarbeiter "sehe ich nicht die Situation, daß man nur auf den Pentium III gewartet hat", führt der Karstadt-Manager aus.

Die Unterschiede zum Vorgänger Pentium II sind gering. Keith Diefendorff, Autor beim "Microprocessor Report", bezeichnet den unter dem Codenamen "Katmai" entwickelten Chip als Pentium-II-Prozessor mit erweiterten Multimediafähigkeiten. Trotz der höheren Taktfrequenz - das Maximum des P III liegt im Augenblick bei 550 Megahertz - benutzt der Chip die gleichen Daten-Pipelines, den gleichen Cache sowie die gleichen Busstrukturen. Da sei es kein Wunder, daß ein Leistungsgewinn gegenüber der Pentium-II-CPU bei herkömmlichen Anwendungen praktisch kaum zu bemerken ist, stellt Diefendorff fest.

Der Pentium III war für Intel ein Schnellschuß. Ursprünglich war er erst für den Sommer 1999 geplant, doch hatte sich der Chiphersteller letztes Jahr entschieden, den Chip schon im Februar herauszubringen. Grund für die Eile waren einmal die wachsenden Marktanteile der konkurrierenden AMD-CPUs mit ihren 3D-Now-Instruktionen. Zum zweiten hatte der Wettbewerber bereits seinen "K6-III" angekündigt.

Doch dann gerieten die Pläne der Prozessorschmiede durcheinander. Die Konkurrenz drohte schneller zu sein, und Intel war gezwungen, den Katmai früher auf den Markt zu werfen, um sein Gesicht als Marktführer zu wahren. Erst später im Jahr soll die zweite P-III-Variante "Coppermine" zusammen mit dem "Camino"-Chipsatz herauskommen. Doch auch hier hat Intel mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Auslieferung verzögert sich immer wieder. Erst war der September anvisiert, jetzt ist vom November die Rede.

Intel baut sein Marketing-Gerüst für den Pentium III unter anderem auf den zusätzlichen 70 Katmai New Instructions (KNI) auf, die den Chip laut Hersteller in die Lage versetzen sollen, Multimedia-Applikationen und Internet-Anwendungen zu beschleunigen. So bezeichnet die Prozessorschmiede den Befehlssatz auch als Internet SSE (Internet Streaming SIMD Extensions).

Gruppenleiter Meyer von Karstadt hält die verbesserten Internet-Eigenschaften für reines Marketing-Gerede Intels. Damit wolle der Chiphersteller den Anwendern suggerieren, "ihr müßt euch schnell einen Pentium III anschaffen, sonst könnt ihr nicht mehr performant im Internet surfen", glaubt der DV-Manager.

Auch Diefendorff vom "Microprocessor Report" sieht in der Internet-Strategie eine bloße Werbeaktion. Intel wolle sich damit an den Internet-Enthusiasmus anhängen, um seine CPUs besser verkaufen zu können, meint der Autor.

Um eine gute Internet-Leistung zu bekommen, seien andere Faktoren wichtiger, bekräftigt Peter Heckmann, Technologie-Analyst bei der Deutschen Bank. Erst wenn entsprechende Bandbreiten im Netz zur Verfügung stünden, brauchten Anwender einen schnellen Prozessor, der die Datenmengen, die durch das Netz rauschen, zu verarbeiten vermag. Doch es kann noch Jahre dauern, bis auch das Systemumfeld die notwendige Leistung bringt, glaubt Heckmann.

PC-Neuanschaffungen laufen bei der Deutschen Bank über einen Bestellpool, in dem etwa zehn bis zwölf Systeme zur Auswahl stehen. Darunter sind auch Pentium-III-Computer, doch bevor ein neuer Rechner im Bestellsystem auftaucht, werden zuerst alle Komponenten einem gründlichen Testlauf unterzogen, erläutert der Analyst. Dazu komme noch eine gewisse Anlaufzeit, bis die Rechner geordert werden, so daß jetzt erst P-III-Rechner auf den Bestellisten erscheinen.

Die DV-Landschaft der Deutschen Bank ist wie bei Karstadt bunt gemischt. Auch hier sind in manchen Filialen vier Jahre alte Intel-Dinosaurier mit auf 75 Megahertz getakteten Pentium-Prozessoren im Einsatz. Werden diese Systeme durch neue ersetzt, muß gegenüber einer Kostenstelle oder dem Vorgesetzten begründet werden, warum der Anwender ein leistungsfähigeres Modell benötigt, schildert Heckmann die internen Abläufe. Damit wird eine gewisse Kontrolle ausgeübt, damit der Berater, der den PC nur benutzt, um hin und wieder ein neues Konto zu eröffnen, nicht einen teuren Pentium-III-Rechner auf den Tisch bekommt.

Auch bei Karstadt hinterfragt Meyer die Anwendungsseite sehr genau, wenn der Kauf neuer Rechner ansteht. Nach seiner Einschätzung herrscht hier zur Zeit kein Druck von leistungshungrigen Applikationen, in dessen Folge stärkere PCs angeschafft werden müßten. Und bei leistungskritischen Maschinen wie zum Beispiel Multiuser-Systemen komme es mehr darauf an, wie viele Prozessoren in dem Rechner arbeiten, als darauf, um welche CPUs es sich genau handle.

Volker Machmeier, der als Netzleiter für den Bereich Treasury Services 3000 Rechner der Hypo-Vereinsbank betreut, vertritt die gleiche Ansicht. Angesichts der erst vor einem dreiviertel Jahr angeschafften Pentium-II-Systeme erkennt er keinen Anlaß, diese Investition durch einen weiteren Umstieg zu entwerten. "Ich sehe keine Notwendigkeit, auf den Pentium III umzusteigen. Die Performance, die wir brauchen, kommt auch aus dem Pentium II", stellt der Netzleiter fest. Die neuen Multimedia-Befehle sind für Machmeier nicht relevant. In diesem Bereich verlasse er sich lieber auf leistungsstarke Grafikkarten.

Intel versprach bei der Einführung des P III eine ganze Reihe von Anwendungen, die die neuen Befehle würden nützen können. Unter Einsatz seines ganzen Marktgewichts wollte der Chipgigant die Entwicklung neuer, auf die SSE-Befehle abgestimmter Applikationen fördern. Doch Unternehmensanwender, die auf den Web-Seiten von Intel nach solcher Software suchen, werden enttäuscht. Fast alle Applikationen stammen aus dem Consumer-Bereich: Spiele, Grafikspielzeuge und Kindersoftware werden die DV-Verantwortlichen kaum auf die Pentium-III-Linie einschwenken lassen.

Nach einer Studie der Meta Group wird es noch bis zum nächsten Jahr dauern, bis in größerem Umfang Geschäftsapplikationen für den Katmai auf dem Markt erscheinen werden. Hinzu komme, daß Unternehmen Software-Updates nicht Hals über Kopf auf ihre Rechner spielen. Dafür werden auch nicht die Zusatzbefehle sorgen. Ferner sind die meisten IT-Verantwortlichen zur Zeit mit anderen Problemen beschäftigt, wie zum Beispiel dem reibungslosen Übergang ins nächste Jahrtausend. Die Analysten rechnen damit, daß die DV-Verantwortlichen erst ab Mitte 2000, wenn die Stürme des Jahrtausendwechsels vorbei sind, sich wieder auf neue Softwarepakete konzentrieren werden.

Dann sieht die Prozessorwelt jedoch schon wieder ganz anders aus. Den Pentium III wird es in seiner jetzigen Katmai-Form nicht mehr geben. Er läuft vermutlich Ende des Jahres aus. Nachfolger wird mit dem Coppermine eine andere Pentium-III-Variante. Der Chip soll in der 0,18-Mikrometer-Technologie gefertigt werden und Taktfrequenzen von 600, vielleicht sogar 733 oder mehr Megahertz erreichen. Die Coppermine-Architektur soll bis Ende 2000 weitergeführt werden. Obwohl zu diesem Zeitpunkt auch die mit Spannung erwartete Einführung von Intels erstem IA-64-Chip "Merced" folgen soll, plant die Chip-Company die IA-32-Architektur weiterzuführen. Unter dem Codenamen "Willamette" sollen bis ins Jahr 2004 IA-32-Prozessoren gebaut werden. Erst dann werden die IA-64-Prozessoren auch in die Mainstream-Systeme Einzug halten und die IA-32-Architektur ablösen, glauben die Analysten der Meta Group.

Auch die zweite Neuerung beim P III, die eingebrannte Seriennummer, läßt die DV-Verantwortlichen kalt. Von Intel als Feature für ein verbessertes System-Management angepriesen, sehen die Unternehmen keine Veranlassung, wegen der CPU-ID umzusteigen. "Die Seriennummer ist uninteressant", meint Machmeier von der Vereinsbank. In den Firmen gebe es andere, professionellere Sicherheits- und Management-Tools.

Was läßt sich unter diesen Vorzeichen den Anwendern raten? Die Analysten der Meta Group empfehlen, vorerst weiter auf günstige Pentium-II-Systeme zu setzen und erst mit dem Coppermine den Umstieg auf den Pentium III anzugehen. Dann wird den Anwendern auch nichts anderes mehr übrigbleiben, denn der Pentium II wird Ende des Jahres vermutlich auslaufen.

Karstadt-Mann Meyer sieht die Lebenszyklen der Prozessoren ganz pragmatisch. "Da beim Preis immer eine große Lücke zur High-end-CPU klafft, bleiben wir ein bis zwei Taktgenerationen darunter. Mit neuen Chipgenerationen rutschen wir dann automatisch nach." Mit dieser Meinung steht Meyer nicht alleine. Komponenten wie Internet- und Netzgeschwindigkeiten entwickeln sich zum eigentlichen Maßstab für die Performance eines Systems.

Und auch bei den PC-Herstellern rücken andere Aspekte in den Vordergrund. Megahertz-Zahlen haben nicht mehr das Gewicht wie früher, meint Carl Everett, Senior Vice-President bei Dell. Je höher die CPU-Geschwindigkeit steige, um so weniger spüre man den Leistungsgewinn zwischen den Prozessorstufen.

Die Spannung steigt

Der Showdown rückt näher. AMDs Wunderwaffe, der "K7"-Chip "Athlon", soll noch im Juli in größeren Stückzahlen auf den Markt kommen und Intel als Konkurrent der Pentium-III-Chips das Fürchten lehren. Hersteller, wie IBM, Hewlett-Packard oder Compaq, haben bereits angekündigt, Systeme mit dem AMD-Prozessor zu bauen. Bewahrheiten sich AMDs Ankündigungen, so hätte der Chiphersteller erstmals eine schnellere CPU auf dem Markt als Intel.

Der Marktführer dürfte indes insgeheim hoffen, die Konkurrenz könnte bei der Produktion des Athlon ins Straucheln geraten und es nicht schaffen, den Chip in großen Stückzahlen auf den Markt zu bringen. Gleiches war AMD bei der Auslieferung des K6 Anfang dieses Jahres passiert.

Bei AMD bleibt man jedoch zuversichtlich. Das neue Werk in Dresden soll den Chip in großen Stückzahlen produzieren und Engpässe von vornherein ausschließen. Die Company aus Sunnyvale profitiert von den Verzögerungen bei Intel. Hätte es der Konkurrent geschafft, mit dem Coppermine den leistungsstärkeren Pentium-III-Chip früher herauszubringen, wäre es für den Verfolger schwer geworden.