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11.07.2003 - 

Lawrence Ellison verlängert Frist für sein Übernahmeangebot

Peoplesoft greift tief in die Trickkiste

MÜNCHEN (CW) - Oracle scheint mit seinem Versuch einer feindlichen Übernahme von Peoplesoft auf Granit zu beißen. Mit der Präsentation überraschend guter vorläufiger Quartalszahlen und einer Supportgarantie auch im Falle einer Übernahme stärkt Peoplesoft seine Position im Kampf gegen den Datenbankspezialisten.

Peoplesoft kündigte für das Ende Juni 2003 abgelaufene zweite Quartal des Geschäftsjahres einen Umsatz zwischen 490 und 500 Millionen Dollar an. Die Lizenzeinnahmen der Monate April bis Mai 2003 sollen zwischen 105 und 115 Millionen Dollar betragen. Der Gewinn werde sich bei 13 bis 14 Cent je Aktie einpendeln. Im April war das Peoplesoft-Management noch von einem Umsatz von etwa 450 Millionen Dollar und einem Ertrag von elf bis zwölf Cent pro Anteilschein ausgegangen. Mit diesen besser als erwarteten Zahlen stärkt Peoplesoft seine Position im Übernahmekampf gegen Oracle. Experten hatten mit schlechteren Zahlen gerechnet, nachdem im ersten Quartal der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fünf Prozent auf 460 Millionen Dollar zurückgegangen war. Vor allem die in diesem Zeitraum von 133 Millionen auf 81 Millionen Dollar eingebrochenen Lizenzumsätze hatten nichts Gutes für den weiteren Verlauf des Geschäftsjahres erwarten lassen.

"Peoplesoft hat seine Ziele für das zweite Quartal nicht nur erfüllt, sondern sogar deutlich übertroffen", kommentierte ein selbstbewusster Craig Conway, CEO und President von Peoplesoft, die Quartalszahlen. Das Ergebnis sei ein Beleg dafür, dass die Kunden nach wie vor den Peoplesoft-Lösungen vertrauten. Allerdings, so schränkte Conway ein, sei es kein besonders einfaches Quartal gewesen.

Kunden wollen nicht investieren

Viele Peoplesoft-Kunden hätten Entscheidungen über Softwarekäufe aufgeschoben beziehungsweise Produkte der Konkurrenz eingekauft. Für diese Verluste werde man Oracle regresspflichtig machen, kündigte Conway an.

Gestützt wurde die Bilanz in erster Linie durch ein Kundenschutzprogramm, das Peoplesoft in den Verträgen verankerte. Demnach sollen Neukunden den Kaufpreis ihrer Softwarelizenzen in doppelter bis fünffacher Höhe rückerstattet bekommen, sollte Peoplesoft in absehbarer Zeit übernommen und danach der Support sowie Verkauf von Lizenzen eingestellt werden. Rund die Hälfte des Quartalsumsatzes sei nur aufgrund dieser Klausel zustande gekommen, räumte Peoplesofts Finanzchef Kevin Parker ein. Damit solle das Risiko der Kunden vermindert werden, nach einer Übernahme durch Oracle auf einmal ohne Support dazustehen. Experten gehen davon aus, dass Forderungen von über 350 Millionen Dollar auf Oracle zukommen könnten, sollten die Peoplesoft-Produkte nicht fortgeführt werden.

Die Oracle-Verantwortlichen verurteilten die Strategie, Kunden mit Schutzprogrammen zu ködern, als versteckte "Giftpille". Außerdem seien Zweifel an den von Peoplesoft vorgelegten Zahlen angebracht, kritisierte Oracle-Sprecher Jim Finn. Peoplesoft habe getrickst, um für ein einzelnes Quartal gute Wirtschaftsdaten auszuweisen. Betrachte man dagegen die zurückliegenden fünf Quartale, werde angesichts der stetig schrumpfenden Umsätze und Lizenzeinnahmen deutlich, in welchen Schwierigkeiten das Unternehmen stecke.

Oracle-Chef Lawrence Ellison will trotz der heftigen Gegenwehr nicht klein beigeben. Er hat die Frist für die feindliche Übernahme bis zum 18. Juli verlängert. Ursprünglich sollte das Angebot zum Kauf der Peoplesoft-Anteile bereits am 7. Juli enden. Damit wird deutlich, dass Oracles Offerte bislang auf wenig Resonanz bei den Peoplesoft-Aktionären stößt. Laut einer Mitteilung an die US-amerikanische Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission haben bis kurz vor Ablauf der ersten Frist lediglich elf Prozent der Peoplesoft-Aktionäre Oracle ihre Papiere für einen Preis von 19,50 Dollar zugesagt. Damit würde Oracle rund 34,7 Millionen der insgesamt 316,6 Millionen verfügbaren Anteile halten.

Finanzanalysten beurteilen angesichts der zögerlichen Akzeptanz der Aktionäre und der überraschend guten Quartalszahlen von Peoplesoft Oracles Chancen für die feindliche Übernahme schwächer als zuvor. Auch die kartellrechtlichen Untersuchungen des US-amerikanischen Justizministeriums, das Ende Juni weitere Informationen von Oracle angefordert hat, helfen Peoplesoft in seinem Abwehrkampf.

Kampf kann Monate dauern

Experten gehen davon aus, dass die Untersuchungen drei bis vier Monate dauern werden. In der Europäischen Kommission gibt es Insidern zufolge ebenfalls Überlegungen, eine offizielle Untersuchung des Oracle-Angebots einzuleiten. Damit würde Peoplesoft Zeit gewinnen, um die Übernahme von J.D. Edwards abzuschließen. Der Weg, den Deal zu vollziehen, sei frei, glaubt auch Bob Dutkowski, CEO und Chairman von J.D. Edwards. Am 17. Juli, einen Tag vor dem Ablauf der Oracle-Frist, soll die Transaktion abgeschlossen sein.

Wie das in Übernahmefragen bisher relativ unerfahrene Oracle-Management reagieren wird, ist derzeit nicht absehbar. Finanzanalysten erwarten ein neues Angebot zwischen 20 und 25 Dollar je Aktie. Oracle-Chef Ellison zögert indes. Er wisse es noch nicht, antwortete er in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera" auf die Frage nach einer weiteren Offerte. Oracle wolle natürlich so wenig wie möglich zahlen. Das Problem sei nur, dass Conway zu keinem Preis verkaufen wolle. (ba)