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30.10.1998 - 

Ovum testet Baan, Oracle, Peoplesoft und SAP

Peoplesoft schwächelt noch in Produktionsbelangen

Die betriebswirtschaftlichen und fabriknahen Funktionen von PPS-Paketen sind offensichtlich ausgereizt. Diesen Eindruck kann man angesichts des Produktangebots der Münchner Messe Systems oder der vorangegangenen CeBIT gewinnen. Nicht zuletzt unter dem Druck drohender Umsatzeinbrüche nach der Euro- und Jahr-2000-Umstellung propagieren die Anbieter jetzt unternehmensübergreifendes ERP in Form von Supply Chain Management, Data-Warehousing und Workflow.

Forrester-Experte Bobby Cameron warnt jedoch vor allzu hohen Erwartungen. Herstellerversprechen hätten bei den Anwendern die große Hoffnung geschürt, daß ERP-Lösungen ihre internen Aktivitäten vom Zulieferer bis hin zum Kunden effektiver gestalten und somit dem Unternehmen eine bessere Position im Wettbewerb einräumen. Doch diese Verheißungen hätten mit der Wirklichkeit wenig gemein. Selbst moderne Systeme seien nicht in der Lage, flexibel auf schnelle Veränderungen der Geschäftsmodelle zu reagieren.

Als grundsätzliche Schwäche bezeichnet Cameron das Fehlen verläßlicher Planungsfunktionen, also möglichst realistischer Informationen darüber, wie und wann ein Kundenauftrag fertigzustellen ist und welche Ressourcen dafür zur Verfügung stehen. ERP sei beispielsweise nicht schnell genug, um plötzliche Veränderungen im Materialbedarf und in der Labor- oder Maschinenkapazität zu berücksichtigen. Noch schlimmer: Die meisten Systeme gehen bei der Materialplanung auch heute noch von der Annahme unbegrenzter Maschinenkapazitäten aus. In der Praxis würden deshalb alltägliche Planungsentscheidungen vom Fachpersonal getroffen, das zwar erfahren ist, aber dennoch nicht den Einfluß einer Ausnahmesituation auf alle Folgeprozesse beurteilen kann. Unrealistische Lieferversprechen und eine aufwendige Lagerhaltung seien die Folge.

Weiterer Kritikpunkt Camerons ist die Bedarfsanalyse, die ERP nur für langfristige Standardprozesse unterstützt, nicht jedoch für die von Marketing und Vertrieb geplanten Sonderaktionen. Auch die Mehrwerkfähigkeit der Standardsoftware bleibe hinter den Marketing-Aussagen der Hersteller zurück.

Die Schwächen von ERP werden sich nach Meinung der Marktforscher dann zuspitzen, wenn mit dem Internet künftig Geschäftsmodelle eintreten, die Forrester "Dynamic Trade" nennt. Wesentliche Aspekte hier sind die Fähigkeiten, Geschäftsprozesse "On-the-Fly" zu ändern sowie flexible Strategien für eine auftragsorientierte Fertigung (Make-to-Order, Late Assembly) einzuführen.

Dabei handelt es sich allerdings noch um Zukunftsmusik. Die Verfügbarkeit möglichst realitätsnaher Informationen läßt sich laut Expertenmeinung schon aus technischer Sicht bislang kaum bewältigen, da bei der detaillierten Produktionsplanung sehr große Datenmengen anfallen. Außerdem stehen Anwender der Echtzeitplanung mit gemischten Gefühlen gegenüber.

Einerseits sind schnelle und genaue Angaben über Kapazitätsressourcen gewünscht, andererseits wird befürchtet, daß Realtime-Zugriffe im PPS-System zu chaotischen Wechselwirkungen bei der Auftragsplanung führen könnten - um so mehr, wenn auch Lieferanten und Kunden unter dem Dach einer Supply Chain auf ERP-Module zugreifen.

Was derzeit hinsichtlich der Planungsfunktionen für unterschiedliche Produktionsverfahren State of the Art ist, haben jetzt die Marktforscher der Londoner Ovum Ltd. analysiert. Auf den Prüfstand kamen SAP R/3, Peoplesoft for Manufacturing, Oracle Applications und Baan ERP, das Ergebnis der Untersuchung ist in einer Wertetabelle von "null" (keine Unterstützung) bis "zehn" (sehr gut) aufgelistet.

Zu den Disziplinen zählte die vollständig kundenspezifische Fertigung beziehungsweise auftragsbezogene Konstruktion ("Engineer-to-Order"), wie sie unter anderem im Anlagenbau üblich ist. R/3 und Baan schneiden hier gleichermaßen gut ab (acht Punkte). Besonders das Baan-Paket wird aufgrund seiner "exzellenten" Funktionen für das in diesem Bereich wichtige Projekt- und Produktdaten-Management (PM und PDM) gelobt, auch wenn deren Integration in das Produktionsmodul noch zu wünschen übrig läßt. Die von Oracle inzwischen weltweit forcierten, außerhalb der USA jedoch kaum eingesetzten Applications rangieren im Mittelfeld (sechs Punkte). Das Projekt-Management orientiere sich zu sehr an finanziellen Aspekten, kritisiert Ovum. Schlußlicht ist das Peoplesoft-Paket, das sich für Engineer-to-Order kaum eigne, zumal Anwendungen für PM und PDM nicht zur Verfügung stünden (drei Punkte).

Deutlich geschlossener zeigt sich das Feld der Kandidaten in Sachen auftragsspezifische Endfertigung ("Assemble-to-Order"). Der in diesem Umfeld entscheidende Produktkonfigurator wird sowohl bei R/3 als auch bei Baan als technisch fortschrittlich bezeichnet (je acht Punkte). Einzigartig, so Ovum, sei das mit Version 4.5 von R/3 angebotene Kontrollmodul für das Zusammenspiel von Produktion und Konstruktionsänderungen. Auch Peoplesofts Konfigurator spielt aufgrund der Kombination mit Red-Pepper-Technik in derselben Klasse wie die beiden Konkurrenten, auch wenn das Leistungsspektrum nicht ganz heranreicht. Für Oracle gibt es Abstriche, weil sich der Konfigurator nicht für komplexe, konstruktionsaufwendige Produkte mit hohem Variantenanteil eignet (sieben Punkte). Dies würde etwa im Automobilbau verlangt.

Ausgereifte Werkzeuge für das Linien-Design

In der reinen Serienproduktion der Automobilhersteller, von Ovum als "Repetitive" bezeichnet, sehen die Analysten Oracle allerdings gleichauf mit Baan und R/3 (je acht Punkte). Vor allem die Werkzeuge für das Design einer Linienfertigung werden gelobt. Ähnliches gilt für R/3, das zudem noch gute Noten für die Unterstützung von Just-in-Time-Aufrufen erhält. Peoplesofts Automotive-Funktionen sind dagegen eher schwach ausgeprägt (fünf Punkte), ab Version 8 der Software ist jedoch eine deutliche Verbesserung zu erwarten.

Schließlich betrachtet Ovum noch die Lagerfertigung ("Make-to-Stock"). Spitzenreiter hier ist R/3, dessen Planungs-Engine mit dem Versionswechsel von 4.0 nach 4.5 deutlich verbessert wurde (neun Punkte). Nach wie vor schwierig sei es, eine Fertigungsstruktur im System abzubilden. Auch die Unterstützung komplexer Werkstattaufgaben sei nicht immer ausreichend. Die übrigen Anbieter liegen geschlossen hinter SAP, wenn auch nur mit geringem Abstand (je acht Punkte). Highlight ist bei Baan die auf einem Produkt der aufgekauften Softwareschmiede Berclain basierende Planungs-Engine, die jedoch überteuert sei. Das entsprechende Oracle-Tool unterstütze auffallend gut die Rückwärtsterminierung eines Auftrags. In beiden Fällen wird jedoch die schwach ausgeprägte Fähigkeit kritisiert, Arbeitsaufträge zu kombinieren. Peoplesoft verfüge über ein dürftiges Werkstatt-Management, biete sonst aber flexiblere Planungs- und Terminierungseigenschaften als die Konkurrenz.

Weitere Ovum-Prüfstände sind unter anderem die Unterstützung der Prozeßfertigung, Materialbeschaffung, Lagerhaltung und des Transport-Managements sowie Trendthemen wie Information Retrieval, Supply-Chain- und Kunden-Management. Hier differieren Baan, Oracle und SAP meist nur um einen Punkt, während Peoplesoft an letzter Stelle folgt, für die Prozeßindustrie bietet das Paket überhaupt keine Funktionen an. Das Fazit der Analysten deshalb: Peoplesoft habe noch einiges aufzuholen, um im Produktionsbereich der Industrie gegen die Konkurrenz antreten zu können.