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05.11.1999 - 

CEO Conway: 1999 ist das "Jahr der Veränderung"

Peoplesoft steht an einem Scheideweg

HAMBURG (CW) - Die ERP-Softwareschmiede Peoplesoft befindet sich in einem radikalen Umbruch: Manager kehrten der Firma den Rücken, die aktuellen Quartalszahlen waren schlecht und mit Vantive wurde ein Anbieter von Programmen für das Customer-Relationship-Management (CRM) übernommen, der ebenfalls in Schwierigkeiten steckt. Der neue CEO Craig Conway versucht mit einer neuen Produktgeneration für das E-Business, zwei Firmen gleichzeitig in ruhigeres Fahrwasser zu lotsen.

Peoplesoft ist nicht der einzige Anbieter von betriebswirtschaftlicher Standardsoftware, für den das Jahr 1999 schlecht gelaufen ist (siehe Kasten). Auch die SAP mußte erst kürzlich einen Gewinneinbruch von 64 Prozent vermelden, und Baan schreibt sogar seit geraumer Zeit rote Zahlen. Um es nicht soweit kommen zu lassen, hat Peoplesoft reagiert und sich an einigen Stellen einer Roßkur unterzogen.

An die Spitze des Unternehmens ist Craig Conway gerückt, der den langjährigen Chef und Gründer Dave Duffield ersetzen soll. Seit über einem Jahr suchten die Softwerker aus Kalifornien nach einem Nachfolger, um die Firma wieder auf Kurs zu bringen. Erst kurz zuvor übernahm Hans Seidel die Leitung der deutschen Peoplesoft-Niederlassung, nachdem Ulrich Lindner im Juni das Unternehmen verlassen hatte - "auf eigenen Wunsch", wie es damals in einer Erklärung hieß.

Unter der Führung von Conway, der seit rund fünf Monaten als Chief Operating Officer (COO) bei Peoplesoft arbeitet, fiel immerhin die Entscheidung, sich im CRM-Bereich nicht mehr allein auf Partnerschaften zu verlassen. Analysten hatten wiederholt beklagt, daß die Firma keine klare Strategie in dem Segment verfolge und kein eigenes Produkt anzubieten habe. Peoplesoft ließ seinen Kunden bislang die Wahl zwischen Vantive-Tools und einer Software des Front-Office-Marktführers Siebel.

Allerdings reagierte die Wallstreet nicht gerade überschwenglich auf die Peoplesoft-Ankündigung, das CRM-Unternehmen Vantive für rund 430 Millionen Dollar im Aktientausch zu übernehmen. Der Spezialist schreibt im Gegensatz zum Branchenprimus Siebel seit 1997 rote Zahlen, und in diesem Geschäftsjahr ist auch keine Besserung in Sicht. Ferner hatte die Firma in der Vergangenheit mit Umstrukturierungen und Vertriebsproblemen zu kämpfen.

Immerhin ist es Conway gelungen, eine funktionierende CRM-Lösung und rund 900 Kunden für einen relativ günstigen Preis zu übernehmen: Zwei Wochen später legte Nortel 2,1 Milliarden Dollar für den Vantive-Konkurrenten Clarify auf den Tisch. "Im Vergleich dazu kann unser Geschäft schon als großartiger Deal bezeichnet werden", resümierte Conway gegenüber der CW. Ein weiterer Pluspunkt ist, daß Vantive und Peoplesoft seit Jahren als Marketing-Partner zusammenarbeiten, ferner sind die Lösungen bereits integriert. Eine gemeinsame Oberfläche soll Anfang des nächsten Jahres verfügbar sein. Intern verwendet Peoplesoft die Vantive-Lösung für das Call-Center und den Kundendienst, die im eigenen Vertrieb eingesetzten Siebel-Module werden in Zukunft durch Vantive-Tools ersetzt.

"E-Business Applications for Peoplesoft 8" heißt hingegen das Paket, mit dem der neue Peoplesoft-CEO wieder für steigende Lizenzverkäufe sorgen will. Kern der Strategie ist die Fokussierung auf den elektronischen Handel, den das Unternehmen bereits vor einem Jahr mit dem "Peoplesoft Business Network" eingeleitet hatte. Den damaligen Vorsprung vor den Wettbewerbern verspielte man aber leichtfertig, weil die Firma alle Marketing-Bemühungen nach kurzer Zeit wieder einstellte. Da zu diesem Zeitpunkt bereits die Gewinne schmolzen, stand kein Geld mehr für Zukunftsprojekte zur Verfügung.

Inzwischen hat aber auch Peoplesoft die Zeichen der Zeit gedeutet: "Alles dreht sich um das Internet", so CEO Conway bei der Eröffnung der europäischen Anwenderkonferenz vergangene Woche in Hamburg. Während ein elektronischer Laden namens "E-Store" und die "E-Procurement"-Plattform für das Bestellwesen bereits verfügbar sind, sollen bis Mitte des nächsten Jahres Portale, Communities und weitere Tools folgen: "Bei der Benutzerschnittstelle setzen wir zu 100 Prozent auf HTML", so Peoplesoft-Stratege Baer Tierkel.

Zu den Neuheiten zählen neben Modulen für die Materialwirtschaft sowie Vertriebs- und Logistik-Komponenten auch "altbekannte" Innovationen aus dem Bereich des Supply-Chain-Management (SCM): Die 1996 übernommene Lösung des Anbieters Red Pepper wird voraussichtlich Anfang des neuen Jahres komplett überarbeitet unter ihrem alten Namen auf den Markt gebracht. Man habe bei ihrer Integration und Vermarktung in der Vergangenheit kein glückliches Händchen gehabt, räumte Conway ein.

Ob Peoplesoft mit den Ankündigungen die Zweifel der Analysten am Produktportfolio ausräumen kann, bleibt abzuwarten. Gerade in Deutschland tut sich das Unternehmen schwer, andere Module als die "Allzweckwaffe" Personal-Management (HRMS) an den Kunden zu bringen. Dies solle sich laut Conway aber im nächsten Jahr ändern, denn die Peoplesoft-Werkzeuge seien flexibler als vergleichbare SAP-Programme: Im Gegensatz zu R/3 müsse bei Peoplesoft 8 nicht das Unternehmen an die Software angepaßt werden, weshalb sich die Programme auch für den Einsatz im Mittelstand eignen.