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31.10.2003 - 

Firmenchef Conway: "Im Mittelstand sind wir besser als SAP"

Peoplesoft steigert Umsatz und gewinnt Kunden

31.10.2003
MÜNCHEN (fn) - In den Ergebnissen des dritten Quartals von Peoplesoft sind erstmals die Erlöse von J.D. Edwards einbezogen. Demnach stieg der Umsatz um 32 Prozent auf 624 Millionen Dollar. Die Firma weist einen übernahmebedingten Verlust von 7,3 Millionen Dollar aus.

Insgesamt seien die Einnahmen aus Lizenzverkäufen, Wartungsgebühren und Dienstleistungen im dritten Quartal (Ende: 30. September) um 32 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen, gab das Unternehmen bekannt. Allerdings weigerte sich Firmenchef Craig Conway, den J.D.-Edwards-Anteil zu nennen.

Fehlbetrag ausgewiesen

Im Sommer hatte Peoplesoft den ERP-Anbieter für etwa zwei Milliarden Dollar übernommen. Die Belastungen schlugen sich auch auf das Ergebnis nieder: Der Verlust belief sich auf 7,3 Millionen Dollar oder 0,02 Dollar pro Aktie. Ein Jahr zuvor hatte Peoplesoft einen Gewinn in Höhe von 44,62 Millionen Dollar geschrieben. Den Fehlbetrag begründet der Anbieter auch mit den Kosten für die Abwehr der nach wie vor drohenden feindlichen Übernahme durch Oracle. Der Konkurrent bietet 7,3 Milliarden Dollar für Peoplesoft. Ohne Berücksichtigung der Übernahmekosten kommt der Hersteller auf 0,17 Dollar pro Anteilschein und übertraf damit sowohl die eigene Prognose (zwischen 0,10 und 0,11 Dollar) als auch die der Analysten von 0,11 Dollar.

Der Lizenzumsatz belief sich auf 160 Millionen Dollar, Dienstleistungen trugen mit 229 Millionden Dollar, Wartung mit 235 Millionen Dollar zum Ergebnis bei. Laut Conway konnte sein Unternehmen im dritten Quartal 175 Neukunden gewinnen. Zudem sei das durchschnittliche Lizenzvolumen pro Deal gestiegen, was der Peoplesoft-Chef als Zeichen einer Markterholung wertet. Ferner sei es gelungen, Cross-Selling-Geschäfte abzuschließen, bei denen J.D.-Edwards-Kunden Peoplesoft-Produkte erworben haben und umgekehrt. Die Abschlüsse habe man sich jedoch nicht mit besonderen Rabatten erkauft - manche Finanzanalysten bezweifeln dies jedoch.

Gute Geschäftszahlen helfen Peoplesoft, Oracles feindliche Übernahmeversuche abzuwehren. Da die Aktionäre ihre Anteilscheine gegen Oracle-Aktien tauschen können, bemüht sich Peoplesoft, seine Börsennotierung über den von der Ellison-Company gebotenen 19,50 Dollar zu halten. Sowohl die amerikanische Justiz als auch die Europäische Union prüfen noch, ob Oracles Übernahmeofferte rechtens ist.

Als Hauptkonkurrenten im Markt für Business-Software betrachtet Conway allerdings nicht Oracle, sondern SAP. Im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE erläuterte der Peoplesoft-Boss seine Strategie gegen den ERP-Rivalen. Demnach sieht der Firmenchef sein Unternehmen im Mittelstandssegment schon jetzt besser aufgestellt: "Im Mittelstand kommen wir mit J.D. Edwards schneller zum Zuge als SAP, denn die haben im letzten Jahr mit der israelischen Firma Top Manage ein sehr kleines System ohne Kundenbasis erworben. J.D. Edwards dagegen verfügt über eine mittelstandstaugliche Architektur und über 6000 Kunden." Das Top-Manage-Produkt wird als "SAP Business One" vermarktet. Doch auch im Highend will Conway die Walldorfer verstärkt angreifen. "Heute sind wir im Bereich Human Resources und CRM besser als SAP, im Finanzwesen liegen wir etwa gleichauf, bei Fertigung und Logistik hat SAP die Nase vorn." Conway stellte erweiterte Fertigungsfunktionen für das Highend-Produkt "Enterprise" in Aussicht, die Technik dazu stammt aus der Produktlinie "Enterprise One" (vormals J.D. Edwards 5). "Wenn wir diese Lücke schließen, haben wir bei unseren HR- und CRM-Kunden bessere Argumente gegen SAP."

Um die J.D.-Edwards-Kunden nicht zu verunsichern, beteuerte Conway, dass die Produkte beider Firmen auch in Zukunft nicht zu einer Plattform verschmolzen werden. Vereinheitlichen will der Softwareanbieter dagegen die Wartungskonditionen. So soll es für Neukunden beider Linien den gleichen Wartungsvertrag geben. Auf bestehende Verträge habe dies keinen Einfluss. Da die Maintenance-Gebühren von J.D. Edwards unter denen von Peoplesoft liegen, werden Erstere angehoben. Dafür erhalten Neukunden von "Enterprise One", so der neue Name des J.D.-Edwards-Produkts, zusätzliche Leistungen, argumentiert Conway. Dazu zähle beispielsweise ein Rund-um-die-Uhr-Support. Bei J.D. Edwards gab es zehn Stunden an fünf Tagen je Woche Unterstützung. Außerdem sei bisher nach drei bis vier Jahren ein Release-Wechsel fällig gewesen. Peoplesoft dagegen biete technische Updates für vier Jahre, Skript-Upgrades für fünf Jahre und gesetzliche Updates für sechs Jahre. Der technische Support sei zeitlich nicht begrenzt. Mehr zur Peoplesoft-Strategie bezüglich der J.D.Edwards-Produkte lesen Sie in der nächsten Ausgabe, Rubrik Produkte & Technologien.

Peoplesoft-Chef Craig Conway zur Integration von J.D. Edwards

CW: Sie stellen den Merger mit J.D. Edwards als unproblematisch dar, doch die harte Arbeit liegt noch vor Ihnen, wenn Sie die Datenmodelle, Werkzeuge und Plattformen vereinheitlichen wollen.

Conway: Das werden wir nicht tun. Typischerweise gehen Softwarefirmen nach einer Übernahme so vor. Sie wollen auf diese Weise die Entwicklungskosten senken und rasch profitabel werden. Doch davon hat nur der Anbieter etwas. Den Kunden wird dagegen eine neue Technik aufgezwungen. Wir haben beschlossen, die für den Mittelstand ausgeprägten J.D.-Edwards-Produkte sowie die Konzernlösungen von Peoplesoft so zu belassen. Beide Systemwelten zu vermischen käme dem Versuch gleich, aus einem Mainframe und einem Unix-Rechner einen neuen Computer zu bauen. Wie diese Systeme sind auch unsere Softwareprodukte für spezielle Aufgaben konzipiert. Wie Sie wissen, hat auch die SAP das Produkt von Top Manage hinzugekauft, weil ihre Highend-Software für den Mittelstandsmarkt nicht taugt.

CW: Reden Sie letztlich nicht nur deshalb von Koexistenz, weil Sie es sich nicht leisten können, die J.D.-Edwards-Kunden vor den Kopf zu stoßen?

Conway: Es ist tatsächlich oft so, dass Firmen nach einer Übernahme versprechen, die erworbenen Produkte auch weiterhin zu unterstützen, um die Kunden nicht zu beunruhigen. Allerdings bleibt dann zwei, drei Jahre später doch nur ein Produkt übrig. Ihre Frage, wieso es bei uns anders sein sollte, ist also berechtigt. Ich kann Ihnen versichern: Wir benötigen diese zwei Produktlinien, da sich nur so unterschiedliche Marktsegmente abdecken lassen.

Wenn wir J.D. Edwards nicht gekauft hätten und stattdessen eine Lowend-Version unseres Produkts für kleinere Unternehmen anbieten würden, hätten Sie eingewandt, dass das mit unserer Architektur gar nicht möglich ist.

CW: Aber genau das versuchten Sie doch mit den "Accelerated Solutions", die lange vor dem J.D.-Edwards-Kauf auf den Markt kamen.

Conway: Accelerated Solutions? Ja, das stimmt. Aber trotzdem würden Sie mich fragen, wie wir mit unserem umfangreichen Produkt "Peoplesoft Enterprise", das Tausende von Tabellen und enorm viel Programmcode umfasst, bei kleinen und mittelständischen Firmen Fuß fassen können. Genau aus diesem Grund werden die J.D.-Edwards-Programme nicht mit unseren Systemen verschmolzen.

CW: Welche Firma kaufen Sie als nächstes?

Conway: Ich hatte an eine feindliche Oracle-Übernahme gedacht, nur um Larry Ellison zu zeigen, wie sich das anfühlt. Aber ernsthaft: Der J.D.-Edwards-Deal beschäftigt uns zurzeit sehr. (fn)

Craig Conway

CEO und Chairman von Peoplesoft

Abb: Lizenzumsätze der ERP-Player

Bezogen auf die Lizenzeinnahmen mit Business-Applikationen im letzten Berichtszeitraum, liegt Peoplesoft nun auf Platz zwei hinter SAP. Quelle: CW