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03.10.2003 - 

Verantwortliche kündigen nach J.D.Edwards weitere Akquisitionen an

Peoplesoft sucht seinen Weg

MÜNCHEN (CW) - Nach der Übernahme von J.D. Edwards müssen die Peoplesoft-Verantwortlichen beweisen, dass ihre Entscheidung richtig war. Der Erfolg der Akquisition hängt davon ab, wie die Integration des operativen Geschäfts und der Produktlinien gelingt.

"Bis zum Jahresende wird die Integration beider Landesgesellschaften abgeschlossen sein", erläutert Stefan Höchbauer, Geschäftsführer der deutschen Peoplesoft GmbH, den weiteren Fahrplan. Die neue Organisation werde mit rund 200 Mitarbeitern sowie drei Niederlassungen in München, Frankfurt am Main und Hamburg die etwa 370 Kunden auf dem deutschen Markt bedienen.

Praktisch agierten beide Anbieter bereits heute wie ein Unternehmen, sagt der Peoplesoft-Manager. "Wir spielen uns die Bälle gegenseitig zu." Positiv mache sich dabei bemerkbar, dass es wenig Überschneidungen gebe. Momentan sei man dabei, die gemeinsame Kundenbasis zu analysieren, um herauszufinden, ob J.D. Edwards-Kunden mit zusätzlichen Peoplesoft-Produkten beglückt werden könnten und umgekehrt.

Das deutsche Peoplesoft-Management sieht sich auf einem guten Weg, die Vorgaben für das laufende Jahr zu erfüllen und ein Wachstum von 20 Prozent in Deutschland zu erreichen. Konkrete Geschäftszahlen wollte Höchbauer jedoch nicht nennen. Auch für das kommende Geschäftsjahr rechnet die deutsche Peoplesoft-Tochter mit einem Wachstum von rund 20 Prozent. Helfen könnte eine weitere Übernahme, deutet Höchbauer an. Welche Unternehmen dabei in Frage kommen, möchte er allerdings nicht verraten.

Firmenkulturen müssen verschmelzen

Analysten wollen den Optimismus der Peoplesoft-Verantwortlichen nicht ganz teilen. Jetzt komme es darauf an, wie die Integration gelingt, warnt Karin Henkel von Strategy Partners. "Klappt es nicht, die Firmenkulturen miteinander zu verschmelzen, wird es Probleme geben." Während J.D. Edwards seinen Mittelstandsfokus auch firmenintern gelebt habe, könne sich Peoplesoft nicht von heute auf morgen auf die Bedürfnisse dieser Klientel einstellen.

Davon will Martin Macay, Peoplesofts Vice President Marketing and Alliances in Europa, nichts wissen. Er verweist auf die Produktstrategie, in der mit "Enterprise World" und "Enterprise One" die alten J.D. Edwards-Produkte fortgeführt werden (siehe CW 39/03, Seite 11). Auch sollen einzelne Funktionsmodule zwischen den Paketen ausgetauscht werden.

Den Angaben von Analystin Henkel zufolge gibt es allerdings noch einige ungeklärte Fragen im Rahmen der Produktstrategie. So seien bislang die Migrationsmöglichkeiten zwischen den Linien nicht eindeutig geklärt. Peoplesoft versuche, das mit Schnittstellen zu bewältigen. Eine klare Strategie dazu vermisst die Analystin.

Höchbauer sieht sein Unternehmen mit der Peoplesoft-eigenen Integrationsplattform "App-Connect" gut aufgestellt. Außerdem soll im Rahmen der Total-Ownership-Experience-(TOE-) Initiative die Komplexität der Software verringert werden. Höchbauer kündigt neue Tools an, die Implementierung, Betrieb und Wartung vereinfachen sollen. Zusätzlich sei der Support ausgebaut worden. Alles in allem sei der Anbieter auf dem richtigen Weg, eine Alternative zu SAP zu bieten.

"Dieser Zug ist abgefahren", glaubt dagegen Nils Niehörster von Raad Consult. Gerade Großkunden in Deutschland hätten zu 90 Prozent SAP-Software im Einsatz. Potenzial gebe es vielleicht bei mittelgroßen Unternehmen. Diese böten jedoch aufgrund der kleineren IT-Budgets kaum Chancen, Wachstum zu generieren. Sicher werde Peoplesoft den einen oder anderen Kunden akquirieren oder auch einmal SAP ablösen. "Das werden jedoch Einzelfälle bleiben." (ba)

Stefan Höchbauer: "Für uns ist Oracle kein Thema mehr"

CW: Wie wird Ihre künftige Produktstrategie aussehen?

HÖCHBAUER: Wichtig ist die Frage der Integration. Wenn beispielsweise ein J.D. Edwards-Kunde Peoplesoft-Produkte einsetzen möchte, müssen wir seine Fragen nach Integration und Harmonisierung der Lösungen beantworten können. Zurzeit funktioniert dies mit Hilfe von Schnittstellen. Die kommenden Produktversionen werden aber sicher stärker harmonisiert werden.

CW: J.D. Edwards war in der Vergangenheit ein sehr offenes Produkt. Wird das in Zukunft auch so sein?

HÖCHBAUER: Auch wir bei Peoplesoft trafen bei unseren Bestandskunden nie auf eine grüne Wiese. Dort gab es meist bereits andere Systeme wie ein ERP-Produkt von SAP oder eine CRM-Lösung von Siebel. Die Herausforderung ist immer, integrationsfähig zu sein und die entsprechenden Schnittstellen anzubieten.

CW: Wie werden Sie künftig an Mittelständler und wie an Großkunden herangehen?

HÖCHBAUER: Der klassische Mittelstand tendiert eher in Richtung Komplettpaket und favorisiert einen einzigen Ansprechpartner. Die Großkunden verfolgen dagegen stärker den Best-of-Breed-Ansatz. Hier sind integrationsfähige Produkte gefragt.

CW: Wie schätzen Sie momentan den Markt für Unternehmenssoftware ein?

HÖCHBAUER: Nach wie vor schwierig. Viele Kunden stellen Projekte zurück oder fangen erst einmal mit kleinen Piloten an. Andererseits gibt es auch Kunden, die auf Eis gelegte Vorhaben neu diskutieren und bewerten. In konkreten Geschäftsabschlüssen schlägt sich das jedoch noch nicht nieder. Wir hoffen, dass es im zweiten Halbjahr 2004 wieder besser wird.

CW: Die Anwender im deutschen Mittelstand bleiben ihren Lösungen meist lange treu. Wie wollen Sie hier mit Ihren Produkten landen?

HÖCHBAUER: Kunden wechseln nicht wegen ein paar neuer Features das ERP-System. Wenn es keine zwingenden Gründe gibt, halten die Anwender natürlich an den bestehenden Lösungen fest. Allerdings achten die Kunden zunehmend auf Investitionssicherheit und prüfen, ob die Anbieter Support und Services über Jahre hinweg liefern können. Insofern glaube ich, dass es die kleinen Nischenanbieter auf die Dauer schwer haben werden. Ich bin davon überzeugt, der Markt wird sich weiter konsolidieren.

CW: Beeinträchtigt das feindliche Übernahmeangebot von Oracle Ihr Geschäft?

HÖCHBAUER: Für uns ist Oracle kein Thema mehr. Wir konzentrieren uns auf das laufende Geschäft und versuchen, gute Ergebnisse zu liefern. Das ist der beste Schutz gegen feindliche Übernahmen.

CW: Leidet die Branche unter dem Hickhack?

HÖCHBAUER: Es findet eine Konsolidierungswelle statt - das ist der Wettbewerb. Ob die Marketing-Schlachten notwendig sind, sei dahingestellt, Ich glaube jedoch nicht, dass es der Branche schadet. Das ist schnell wieder vergessen.

Stefan Höchbauer

Geschäftsführer Peoplesoft in Deutschland