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13.02.2004 - 

Craig Conway lehnt Oracles 9,4 Milliarden Dollar als zu wenig ab

Peoplesoft verschmäht Angebot

MÜNCHEN (CW) - Nachdem Oracle-Chef Lawrence Ellison Anfang Februar sein Angebot überraschend auf 9,4 Milliarden Dollar aufgestockt hatte, lehnte Peoplesofts CEO Craig Conway auch diese Offerte ab. Jetzt deutet alles auf einen Showdown anlässlich der für Ende März angesetzten Peoplesoft-Hauptversammlung hin.

"Das ist unser letztes Angebot", machte Oracles frisch gebackener Chairman und kommissarischer Chief Financial Officer (CFO) Jeffrey Henley unmissverständlich klar. Die Peoplesoft-Verantwortlichen forderte er auf, ernsthaft darüber nachzudenken und dabei das Interesse der Aktionäre im Auge zu behalten.

Der Datenbankspezialist hatte am 3. Februar sein Angebot um 33 Prozent von 19,50 auf 26 Dollar je Peoplesoft-Aktie erhöht. Gegenüber dem Schlusskurs des Peoplesoft-Papiers von knapp 21,90 Dollar am gleichen Tag bedeutete die Offerte eine Prämie von 19 Prozent für die Aktionäre des Enterprise-Resource-Planning- (ERP-)Anbieters. Das Gesamtvolumen des Deals erhöhte sich von 7,3 auf 9,4 Milliarden Dollar. Oracle verlängerte die Frist zur Annahme bis zum 12. März 2004.

Nach Meinung des Peoplesoft-Managements sind aber 9,4 Milliarden Dollar nicht genug. So empfahl CEO Conway den Aktionären, nicht auf das Oracle-Angebot einzugehen. Es spiegele nicht den wahren Wert des Unternehmens wider: "Der Aufsichtsrat glaubt, dass Peoplesoft bessere Perspektiven für die Aktionäre eröffnen kann." Oracle versuche dagegen nur, dem Wettbewerber zu schaden. Die Anteilseigner dürften nicht die mögliche Wertsteigerung aus den Augen verlieren, wenn Oracles Attacken endgültig abgewehrt seien.

Nur wegen der Querelen um den feindlichen Übernahmeversuch rangiere das Peoplesoft-Papier derzeit am unteren Ende der Börsenerwartungen. Nach Einschätzung vieler Wallstreet-Analysten, so das Peoplesoft-Management, habe die Aktie ein Potenzial von deutlich über 26 Dollar. Außerdem seien die andauernden Untersuchungen der Kartellbehörden in den USA und Europa Grund genug, auch das neue Angebot abzulehnen. Conway gehe davon aus, dass die Behörden gegen die Verschmelzung beider Unternehmen Einspruch einlegen werden. Es wird erwartet, dass sich das US-amerikanische Justizministerium Anfang März zu dem kartellrechtlichen Aspekt einer Übernahme äußern wird.

In einer ersten Reaktion kündigten die Oracle-Verantwortlichen an, ihren Kampf fortzusetzen. "Unser Angebot ist ehrlich und großzügig", erklärte Oracle-Sprecher Jim Finn. Peoplesofts Zukunft als eigenständiges Unternehmen sei sehr unsicher. Nun seien die Peoplesoft-Aktionäre gefordert, ihre Interessen selbst in die Hand zu nehmen und das Beste daraus zu machen, heißt es in einer Stellungnahme des Datenbankspezialisten. Aus Oracle-Sicht bedeutet dies, das Angebot anzunehmen und auf der für den 25. März 2004 angesetzten Peoplesoft-Hauptversammlung die fünf von Oracle ins Spiel gebrachten Kandidaten in den Aufsichtsrat zu wählen.

Für viele Analysten kam die Ablehnung von Seiten Peoplesofts nicht überraschend. "Zwischen beiden Firmen herrscht derzeit ein Klima der Feindschaft", erläutert Tom Burnett, Analyst von Merger Insight, die aktuelle Situation. Gemessen an den Interessen der Oracle-Aktionäre, sei das erhöhte Angebot grotesk. Das Unternehmen ruiniere damit seine glänzende Bilanz. So würde das Geschäft Oracles gesamte Barreserven in Höhe von acht Milliarden Dollar auffressen, kritisiert der Analyst.

Aus Sicht von Nigel Montgomery, Analyst von AMR Research, steigen jedoch mit dem höheren Angebot die Chancen für eine Übernahme. Viele Peoplesoft-Aktionäre würden nun über einen Verkauf ihrer Papiere nachdenken. Allerdings sei die Situation wegen der anhaltenden Untersuchungen der Kartellbehörden weiter unsicher. "Die einzig gute Nachricht ist die, dass Ende März endlich Klarheit herrschen wird."

Sollte Oracle den Übernahmepoker gewinnen, muss Conway zwar das Schlachtfeld als Verlierer räumen. Persönlich wird ihm aber der Abgang wohl mit einer millionenschweren Abfindung versüßt. Nach Einschätzung von Experten winken dem seit 1999 amtierenden Peoplesoft-Chef 62 Millionen Dollar. (ba)