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26.05.1995

Per OLE Systemgrenzen durchbrechen Intergraph setzt bei neuer CAD-Familie auf Windows NT

HUNTSVILLE (ls) - Sich nach allen Seiten absichernd, versucht die Intergraph Corp., eine neue PC-basierte CAD-Softwarereihe aufzuziehen. Das Unternehmen setzt dabei seine Hoffnungen auf den Durchbruch von Windows NT zum faktischen Standard-Betriebssystem neben Unix im CAD-Markt. Das neu gegruendete Industriegremium DMAC soll seinen Teil dazu beitragen.

Die Versammlung von rund 2500 Anwendern auf der internationalen Jahreskonferenz der Intergraph Graphics User Group (IGUG) in Huntsville nutzte der CAD-Spezialist, die nach Aussagen von Intergraph-President Tommy Steele "wichtigste strategische Entschei-dung unseres Unternehmens fuer die 90er Jahre" zu erlaeutern. Diese hat den Titel "Jupiter".

Zu sehen ist von Jupiter zunaechst einmal herzlich wenig - jedenfalls, solange man nur Augen fuer Produkte hat. Jupiter- Produkte wird es erst ab Ende dieses Jahres geben. Bei dem "Un- Ding" handelt es sich um eine Architektur, die die Position von Intergraph im CAD-Markt neu bestimmen und diese, bei Erfolg, wesentlich veraendern koennte. Jupiter setzt auf eine Entwicklung auf, die Intergraph 1990 begonnen hat. Ziel war es, die bisher nur 2D-faehige Microsoft-Technik "Object Linking and Embedding" (OLE) fuer die 3D-Anforderungen von CAD-Umgebungen zu erweitern.

Diesen OLE-Ausbau hat Intergraph unter dem Titel "OLE for Design and Modeling Applications" betrieben, alle damit verbundenen Spezifika-tionen sind veroeffentlicht. Die Erweiterung erhielt nicht nur den Segen von Microsoft, sondern auch die Akzeptanz von einem daraufhin entstandenen Industriegremium, dem "Design & Modeling Applications Council" (DMAC). Darin sind wichtige CAD- Anbieter wie Ansys, Auto-desk, Bentley, Cadence, Intergraph, SDRC und Spatial Technology vertreten.

Der Grundgedanke ist, ueber "3D-OLE" CAD-Zeichnungen nicht nur in andere Dokumente wie Texte einzubinden, sondern sie auch "Windows- native" in fremde Grafiksysteme uebernehmen zu koennen. Dort sollen sie sich dann ohne Ruecksprung in das Programm, in dem sie entstanden sind, weiterbearbeiten lassen - vorausgesetzt, dieses ist auf dem Rechner installiert. Wenn nicht, sind immer noch einfache Operationen mit einer Zeichnung wie Darstellen, Verschieben und Skalieren moeglich.

Zugriff auf Fremdzeichnungen

Den Zugriff auf die Daten einer Fremdzeichnung gestattet ein OLE- Data-Server, der zentrales Element von Jupiter ist. Er bedient sich seinerseits der Microsoft-eigenen Objekttechnik nach dem Component Object Model (COM). Jupiter akzeptiert ueber diese Bruecke auch Zeich-nungen von Autocad sowie den Intergraph-Systemen Microstation und EMS. Weitere duerften folgen.

Damit kommt Jupiter einer wichtigen Bedingung entgegen: Das System soll offen gehalten werden, obwohl es auf einem proprietaeren Micro-soft-Betriebssystem aufsetzt. Denn: Noch machen Regierungs- behoerden und staatseigene Unternehmen, ueberaus wichtige Intergraph-Kunden, offene Systeme und damit faktisch Unix zur Voraussetzung fuer einen Auftrag. Intergraph versucht quasi, NT die Hintertuer zu oeffnen.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Intergraph-Proklamation, Jupiter solle - so Topmanager Steele - "bisherige CAD-Systeme nicht ersetzen, sondern ergaenzen". Die Architektur soll CAD-Daten fuer andere Unternehmensbereiche wie Marketing, Einkauf, Kalkulation und Werbung verfuegbar machen. Es geht darum, einen durchgehenden Informa-tionsfluss durch alle Abteilungen einer Firma zu ermoeglichen. CAD soll nach Worten von Steele "nicht laenger eine Insel der Automatisierung im Unternehmen" sein.

Eine wesentliche Voraussetzung dafuer sei der Aspekt der grafischen Benutzeroberflaeche. Windows NT biete fuer unterschiedliche Anwendungen ein bekannt einheitliches Basis-GUI, was auch Nicht- CAD-Experten einen einfachen Zugang zu Zeichnungen biete.

Darueber hinaus sollen Jupiter-Applikationen eine grundsaetzlich neu-artige Oberflaeche gegenueber bisher bekannten Systemen erhalten. Icons und Logik der Zeichnungserstellung sollen der Sprache und der Denk-logik in den jeweiligen Fachdisziplinen der Anwender entsprechen, statt wie bisher die vom technischen Zeichnen beherrschte Systematik der CAD-Welt vorauszusetzen. Steele: "Mit traditionellen CAD-Systemen sind wir an einer Grenze angekommen, die eine weiter verbreitete und weiter reichende Nutzung in Frage stellt."

Tatsaechlich wirkt die Oberflaeche des ersten Jupiter-Produkts, "Imagineer Technical", sehr aufgeraeumt. Das System versucht zu anti-zipieren, was der Benutzer als naechstes mit bestimmten Teilen einer Zeichnung machen moechte.

Wichtiger sind fuer Intergraph aber derzeit Entwicklungs-Tools fuer die kuenftigen Jupiter-Applikationen, die unter dem Titel "Jupiter Development Kits" (JDK) zusammengefasst sind. Mit ihrer Hilfe sollen nach Angaben des Unternehmens bis zu 95 Prozent des benoetigten Codes automatisch erstellt werden.

Die ersten Jupiter-Produkte will Intergraph fuer die Fachrichtung mechanisches CAD herausgeben. Das ist bisher nicht gerade die staerk-ste Angebotsseite des Unternehmens, doch die Ausrichtung hat einen Grund: Intergraph moechte vor allem die auf Unix-Workstations von Sun, Silicon Graphics und die aus der eigenen Fertigung laufenden Applika-tionen der EMS-CAD-Familie schuetzen. Als "Buechsenoeffner" koennte Jupi-ter aber neben ihnen doch einen Platz einnehmen.

Die Jupiter-Strategie wirft allerdings Fragen hinsichtlich der Unter-stuetzung von "Microstation" seitens Intergraph auf. Das Unternehmen hatte urspruenglich die von Intergraph-Dissidenten gegruendete Firma Bentley Systems und damit deren PC-basiertes CAD- System Microstation gekauft, zur letzten Jahreswende machte sich die Bentley-Gruppe - mit finanzieller Beteiligung von Intergraph - jedoch wieder selbstaendig - wegen der alternativen, NT-gerichteten Orientierung von Intergraph auf Jupiter?

Intergraph-Vice-President Jeff Edson aeusserte sich in Huntsville dif-fus ueber die gegenseitigen Beziehungen: Sein Unternehmen werde Micro-station weiter vertreiben und auch Service dafuer anbieten. Aber einen Fortbestand der Beteiligung an Bentley wollte er nicht fuer alle Zeit garantieren.