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23.12.1988 - 

Projektmanagement-Seminar neu verpackt:

Persönliche Erfahrungen mit einbringen

Hans Werner Schönell leitet den Bereich Aus- und Weiterbildung bei der Cap Gemini Deutschland GmbH, München.

Die Vermittlung von Projektmanagement-Wissen ist für Bildungsträger ein gutes Geschäft, für die Lehrgangsteilnehmer häufig jedoch kein Vergnügen. Zu trocken werden Themen wie Projektplanung und -kontrolle den Absolventen nähergebracht. Hans-Werner Schönell ist der Meinung, daß es auch anders geht.

Die Münchner Cap Gemini Deutschland GmbH hat seit kurzem ein internes Seminar über Projektmanagement in ihr Angebot aufgenommen. Neu daran ist, daß die Philosophie in die Wissensvermittlung mit einbezogen wird. Dadurch sollen die Teilnehmer das Erlernte besser als bisher einordnen und beurteilen und vor allem auch behalten können.

Die Qualität des Projektmanagements ist eine der wichtigsten Einflußgrößen auf die Kosten und Erträge, die in einem Unternehmen in Zusammenhang mit einem Projekt anfallen. Dementsprechend ist die Vermittlung von Projektmanagement-Wissen seit vielen Jahren für eine große Zahl von Bildungsträgern ein gutes Geschäft, bei vielen angehenden Projektmanagern jedoch führt sie zu Selbstzweifeln und schlaflosen Nächten. Die Ursache hierfür sind Themen wie Projektplanung, -kontrolle und -dokumentation, die an Trockenheit kaum zu überbieten sind. Die Folge sind nicht selten Akzeptanzprobleme.

Einige Bildungsträger haben in der Vergangenheit versucht, diesen Mangel an Akzeptanz durch die Einschaltung von Psychologen auszugleichen. Sie sollten versuchen, die Lehrgangsteilnehmer mit diesem oder jenem Psycho-Kniff mental zu konditionieren. Unser Haus versucht nicht, die Persönlichkeit des Lernenden an den Lehrstoff anzugleichen, sondern versucht, die Wissensinhalte so "hinüber zu bringen", daß der unverbildete Lehrgangsteilnehmer sie als interessant und nützlich kennenlernt und von sich aus motiviert ist, sie dauerhaft zu erlernen.

Das von Cap Gemini entwickelte Seminarkonzept beruht zum einen auf der Grundidee, daß die Einsichtsfähigkeit des Menschen in Zusammenhänge und Konsequenzen um so größer ist, je mehr sich die im Unterricht verwendeten Beispiele mit persönlichen Erfahrungen assoziieren lassen. Ferner sollte die innere Distanz gegenüber nur einer einzigen Lösung und damit auch die Souveränität des Lernenden gegenüber dem Lehrstoff groß sein.

Davon ausgehend beschlossen die Verantwortlichen für das geplante Seminar nicht nur einen Projektmanagement-Fachmann zu verpflichten, sondern ihm einen zweiten Referenten zur Seite zu geben. Dieser war für den reflektiven, Objektivierung schaffenden Teil der Wissensvermittlung verantwortlich.

Aufgabe der Referenten war, den Teilnehmern des Seminars zu verdeutlichen, daß beispielsweise

- nicht immer nur ein Weltbild das korrekte ist,

- auch differierende Lösungsansätze gleichwertig und gleichermaßen richtig sein können,

- Projektmanagement eine Sache der ganzen Persönlichkeit eines Projektleiters ist und nicht nur eine Frage seiner Technik,

- ein Tool lediglich ein Werkzeug mit einer begrenzten Einsatzbreite ist, das auf den Benutzer jedoch nicht wie ein ihn manipulierendes Folterwerkzeug zu wirken braucht.

Die Erfahrungen aus vier durchgeführten Seminaren dieser Art zeigen, daß Projektmanagement besonders von Nachwuchskräften schwerpunktmäßig methoden- und technikorientiert gesehen wird. Aus der Praxis wissen wir aber, daß selbst der beste Methoden-Baukasten einen erfahrenen Projektleiter nicht zu ersetzen vermag.

So muß denn das immer wieder von den Teilnehmern gewünschte "Projektmanagement-Kochbuch" mit eigenen Rezepten ergänzt werden.

Das Seminarkonzept fördert die Interessen der Qualitätssicherung in den Softwareprojekten, die Cap Gemini für seine Kunden abwickelt. In den Fällen, in denen Projektteams, bestehend aus Kunden- und eigenen Mitarbeitern gemeinsam geschult wurden, fanden die Projektbeteiligten schneller eine gemeinsame Sprache. Dadurch konnten Projektplanung, -steuerung und -kontrolle reibungsloser ablaufen und die Effektivität gesteigert werden.