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26.09.1980 - 

Ärzte, Friseure, Bäcker und Landwirte als Operatoren:

"Persönliche" Software ersetzt DV-Kenntnisse

Schenkt man den Anbietern von Personal Computern Glauben, ist die Computerei inzwischen zum reinen Kinderspiel geworden. Das Wort vom "Volkscomputer" macht die Runde, denn die neuen Mikros seien ebenso einfach zu bedienen wie Plattenspieler, Schreibmaschine oder Fernseher. Wenn auch die etablierten DV-Hersteller den Vormarsch des Personal Computers nach außen hin noch immer als "Zwergenaufstand" abtun, so stellen sie sich dennoch insgeheim die Frage: "Benötigen die Erstanwender für den Einsatz eines Personal Computers tatsächlich keine EDV-Kenntnisse?"

Die Antwort ist im Prinzip einfach wenn gut strukturierte Software vorhanden ist, braucht der Erstanwender keine EDV-Kenntnisse. Muß jedoch die Software erst entwickelt werden wird der Erstanwender notgedrungen zum eigenen Systemanalytiker und Programmierer - es sei denn, er bedient sich externer Software-Spezialisten. Damit wird klar, daß Letztlich auch ein Personal Computer nur so gut ist wie seine Software. Vor allem über die Software-Struktur müssen oftmals fehlende EDV-Kenntnisse ausgeglichen werden. Spätestens hier beginnt das Angebot der verschiedenen Hersteller weit auseinander zu klaffen, was je nach Einsatzzweck in Schule oder Beruf deutlich wird.

Im Schulbereich macht sich der Einsatz von Personal Computern unterschiedlich bemerkbar. Während die gymnasiale Oberstufenverwaltung und -organisation mit Personal Computern ohne hochqualifizierte Software unmöglich ist, stellt sich die Situation im Unterricht etwas anders dar. Hier ist es das Lernziel, dem Schüler mit Hilfe des Lehrmittels "Computer" EDV-Kenntnisse zu vermitteln. Allerdings sollten für diesen Zweck ausschließlich Personal Computer eingesetzt werden, die neben der obligatorischen Programmiersprache Basic auch Kenntnisse über Maschinensprache, Assembler und Pascal vermitteln.

Inwieweit kann jedoch gute Software im beruflichen Einsatz fehlende EDV-Kenntnisse ersetzen? Das läßt sich am besten anhand von praktischen Beispielen aus unserem Hause verdeutlichen.

Zunächst einmal die Ausnahme von der Regel: der OEM-Einsatz. Dieser Bereich hat heute einen bedeutenden Anteil am Markt für Personal Computer. Die OEM-Käufer - meist ebenfalls Erstanwender - schöpfen ihre EDV-Kenntnisse vielfach aus einer technisch-wissenschaftlichen Ausbildung. Mit Hilfe von Mikrocomputern konstruieren sie Kabel, optimieren Glasschneide-Maschinen, testen Herzschrittmacher, überwachen Kläranlagen, moderieren Rundfunksendungen, erstellen Wiegestatistiken, fixieren Akupunkturpunkte, erforschen Primaten-Reihen und was sich der einzelne Anwender sonst noch alles einfallen läßt.

Hilfe von der Software

Am besten läßt sich der Beweis, daß Erstanwender tatsächlich keine EDV-Kenntnisse benötigen, anhand von einigen Berufsgruppen anführen, die der Computer aufgrund zu hoher Kosten zuvor nicht erreichen konnte: Ärzte, Friseure, Sprechstundenhilfen, Bäckersfrauen, Landwirte.

Grundsätzliche Forderung an das Programm ist, daß es den Erstanwender in keiner Phase im Stich läßt. Dialog wird zum Schlagwort, wenn der Bediener keine Antwort auf die Frage des Computers findet, weil er sie einfach nicht versteht. Dann muß der Bediener den Personal Computer um Hilfe rufen können. Am besten mit einem Tastendruck auf " ?" oder mit dem sinnfälligen Kürzel "Hi" (für Hilfe). Ist die Software so strukturiert, kann die gesamte Belegschaft eines Friseur-Salons innerhalb einer Woche in die Bedienung eines Computers eingewiesen werden, der gleichzeitig die Kassenfunktion übernimmt.

Ähnlich einfach arbeiten Abrechnungsprogramme für die Arztpraxis einschließlich Führen der Patientenkartei, Ausdruck von Behandlungsblatt und Rezept, Anmahnung von Krankenschein, Leistungsstatistik, Briefverkehr mit Kollegen, bis hin zur kompletten Abrechnung mit der kassenärztlichen Verrechnungsstelle. All dies übernimmt ad hoc der Personal Computer.

Die Reihe der Personal Computererfolge setzt sich fort mit der Backplanung für über 50 Filialen und Großabnehmer im Bäckereibetrieb. Bediener ist die Bäckersfrau. Auch hier beträgt die Einarbeitungszeit, ohne vorherige EDV-Praxis, nicht mehr als zwei Tage.

Die Anfang September in Hannover stattgefunden DLG-Ausstellung hat gezeigt, daß auch in der Landwirtschaft der Personal Computer aufgrund seiner Bedienerfreundlichkeit zum ernsthaften Konkurrenten für die landwirtschaftlichen Großrechenzentren wird. Sicherlich kann der Landwirt als Prototyp des EDV-Erstanwenders angesehen werden. Auf der Ausstellung sah man verständiges Nicken, wenn nach halbstündiger Demonstration von Kraftfutter-Optimierung, Überwachung von Sauenherden, Düngeplanung, Grünlandnutzung oder Buchführung die Frage nach dem "Verstanden?" kam. An diesen Beispielen wird deutlich, daß der Mensch von heute unbewußt gelernt hat, mit Computern umzugehen. Nunmehr gilt es, dieses Erfahrungspotential bewußt zu machen und für die Bedienung von Personal Computern zu nutzen.

Einsatz-Grenze ist der Mensch

Eins gilt für Personal Computer jedoch genauso wie für alle anderen Anlagen. Je qualifizierter die Aufgabe, desto mehr kommt es auf die fachliche, berufsspezifische Qualifikation des Ernstanwenders an. Ein Buchhalter, der mit seiner Durchschreibe-Buchhaltung nicht zurechtkommt wird auch mit dem besten "Fibu"-Programm scheitern. Ein Heizungsbauer dem ohne Computer das Wissen über die Berechnung eines Rohrleitungsnetzes fehlt, wird dies auch durch das komfortabelste Programm nicht ausgleichen können. Hier mangelt es nicht an EDV-Kenntnissen, sondern schlicht an den Mindestvoraussetzungen für den Computer-Einsatz. Es ist beruhigend zu wissen, daß offensichtlich auch der stürmische Vormarsch des Personal Computers auf natürliche Grenzen stößt.

Harald Speyer ist Geschäftsführer der Commodore GmbH, Neu Isenburg