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08.06.1979 - 

Bayerisches Kultusministerium favorisiert Basic:

Personal Computer vor dem Einzug in die Schule

MÜNCHEN (CW) - Zum Themenkreis, der mit den Stichworten "Hardware für schulische Zwecke", "Programmiersprachen" und "Informatik-Unterricht" abzustecken ist, äußerte sich Ministerialrat Dr. Eberhard Ruprecht vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus gegenüber der CW. Dr. Ruprecht ist unter anderem zuständig für den Unterricht an Gymnasien in Mathematik, Physik und Informatik. Hier das Ruprecht-Statement:

Die Modelle Olivetti 6060 und Wang 2002 sowie PDP-Rechner von Digital Equipment gehören zu dem, was bei uns zur Zeit als Schulcomputer im Einsatz ist, Wir blicken 'aber durchaus auch in Richtung "Personal Computer" und wollen versuchen, diesen Bereich für unsere Zwecke anzuzapfen. Das Problem wird sein, wie sich damit Aufgaben der Schulverwaltung lösen lassen.

Im derzeit laufenden Versuch geht es noch nicht um diese Rechner. Wir haben zwar bereits an vielen Schulen "Personal Computer", wie etwa die bekannten Commodore-Modelle, ganz oder teilweise vom Ministerium finanziert, doch werden sie fast ausschließlich im Informatik-Unterricht verwendet. Für die Schulverwaltung wäre mehr Peripherie erforderlich, als sie augenblicklich standardmäßig erhältlich, ist; vor allem an Floppy-Laufwerke von einiger Kapazität und an leistungsfähige Drucker ist da zu denken.

Der Grundkurs "Informatik", der den Schülern der Kollegstufe bisher geboten wurde, war sowohl aus personellen wie auch aus Hardwarekosten-Gründen stark an der Mathematik orientiert. Das verschiebt sich jetzt mehr und mehr, da mit dem "Personal Computer" ein Gerät zur Verfügung steht, das - zumal gemessen am Preis - außerordentlich leistungsfähig auch im nicht-numerischen Bereich ist. Gleichzeitig versuchen wir, EDV-Grundkenntnisse nicht erst den Schülern der 12./13. Jahrgangsstufe nahezubringen, sondern damit bereits in der Mittelstufe anzufangen.

Was die Programmiersprache angeht, so ist zu sagen, daß man am Basic nicht vorbeikann. Basic hat sicherlich seine Nachteile aus der Sicht des Puristen der Informatik, der beispielsweise lieber Pascal will. Als Mathematiker und Physiker, der ich von Haus aus bin, und weil beide Sprachen mir bekannt sind, möchte ich aber klar herausstellen, daß die Vorteile von Basic überwiegen. Man kann sich dabei an den Bildschirm setzen und per interaktivem Programmieren ein Programm quasi aus dem Sumpf ziehen, wobei man Fehler stets umgehend gemeldet erhält.

Dies genau ist der didaktisch wertvolle Unterschied zu Pascal, wo irgendwas auf Papier gebracht und irgendwo eingespeist wird; und wenn dann nach einer Weile die Fehlerliste vorliegt, hat der Schüler die Problematik meist schon vergessen. Pascal ist also nicht die Sprache, die für Schulen in Frage kommt. Hinzukommt, daß in dem Kostenbereich, wo es für die Schulen noch erschwinglich ist, fast nichts anderes als Basic angeboten wird.

Wir sind aber noch nicht so weit, daß man sagen könnte: hier sind jetzt Normen angebracht. Man soll die Entwicklung ruhig mal laufen lassen. Die Gefahr besteht darin, daß in der Schule wieder etwas gemacht wird, was an der Realität vorbeiläuft. Nehmen wir nur "Elan". Kein Mensch draußen in der Wirtschaft i weiß, was das ist. Diese Programmiersprache ist völlig unbekannt; sie ist speziell für die Schule erfunden worden und wahrscheinlich auch bestens geeignet

- das räume ich gerne ein -, dem Berufsanfänger aber hilft es wenig, auf Elan-Kenntnisse hinzuweisen, die niemand benötigt.

So aber läßt sich mit einiger Sicherheit sagen, daß bei entsprechend ausgestatteten Schulen die Abgänger gute Basic-Kenntnisse mitnehmen werden. Aus all den Schulen, in denen so ein Basic-Rechner steht, wird gemeldet, daß das System von den Schülern - cum grano salis - rund um die Uhr mit Beschlag belegt ist. Die Motivation ist so groß, wie sie auf anderen schulischen Gebieten nicht zu erreichen ist. Gerade heute berichtete ein Schulleiter: Jetzt haben wir da so ein PET gekauft, und jetzt hocken sie selbst am Wochenende davor, Schüler wie Lehrer, und programmieren.

Im zurückliegenden Halbjahr hat unser Ministerium an die 20 "Personal Computer" finanziert, unabhängig vom laufenden Schulversuch, wo ja - wie oben schon gesagt - die Peripherie-Schwäche dieser Geräte entscheidend zum Tragen kommt. Für den Informatik-Unterricht aber sind "Personal Computer" ideal; und mit ihnen kommt dann eben Basic. Andere Sprachen werden so gut wie gar nicht angeboten; und beim PET könnte man, selbst wenn man wollte, nicht anders: er hat sein Basic im ROM untergebracht.