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29.11.1985 - 

US-Unternehmen wollen mit umstrittenem Konzept wettbewerbsfähig bleiben:

Personalabbau trifft auch die DV-Abteilung

NEW YORK (lo) - "Das ist ein regelrechtes Blutbad", beschreibt General Foods seine jüngsten Personalkürzungen auf dem DV-Sektor. Der US-Trend allerorten: Das DV-Personal zählt nun auch zu den Opfern von Sparmaßnahmen. Gegen dieses Konzept, die Wettbewerbsfähigkeit zu unterstützen, macht Ford mobil. Professionelles DV-Know-how indes wird unbeeinflußt weiter heiß gehandelt.

Bisher spielte strategisches Informationsmanagement für US-amerikanische Unternehmungen eine zu wichtige Rolle, um in diesem Sektor Personalkürzungen auch nur anzudenken. Weniger rosig scheint nun die Zukunft für MlS-Beschäftigte besonders in den Branchen Schwermaschinen, Landwirtschaft, Energietechnik sowie Halbleiterfertigung neben Pharmazie und chemischer Industrie zu werden. Ausnahme dabei ist die High-Tech-Industrie, die noch weiter zulegt.

Innerhalb weniger Wochen, so die Schwesterpublikation "Computerworld", waren drastische Streichungen bei Mitarbeiterzahlen, unter anderem bei CBS, Union Carbide Corp. sowie AT&T Information Systems zu beobachten. "Die Schnitte laufen nicht nur quer durch die Branchen, sondern auch durch die Organisation - bis ins mittlere Management und hinauf zum Vice-President", beobachtet David W. Philippy, President der Association for System Management in New York. Und: "Nicht nur in Bedrängnis geratene Unternehmen bauen DV-Personal ab", obwohl hier naturgemäß die meisten Kürzungen zu verzeichnen seien.

Auf der Liste der Unternehmen, die in Entlassungen ein Instrument für Wettbewerbsfähigkeit sehen, steht AT&T obenan. Dort wird das Personalvolumen um 24 000 Mitarbeiter zum 1. Januar 1986 verringert. Hierunter fällt auch die MIS-Belegschaft samt dem Management. "Nebeneinanderherlaufende Entwicklungen", so AT&T Information Systems-Sprecher Michael N. Granieri, "gerade im Bereich lnformations Systems wollen wir stutzen". Auch General Foods strich seinen MIS-Bestand von 700 auf 560 zusammen. Dieses "Blutbad", weiß ein Insider aus der MIS-Topklasse, sei indes nur das erste, wenn auch bei weitem das härteste.

Robert McKinney, Director of Information Systems bei Union Carbide in Danbury, Connecticut, arbeitet fortan mit nur 100 anstatt wie bisher 140 Mitarbeitern. Weitere Kürzungen stehen an: Die MIS-Mitarbeiterzahl soll um 28 Prozent von 500 auf 360 schwinden. Hier sind dann durchaus auch "umsatzträchtige" Manager betroffen.

Eine ähnliche Politik, um wettbewerbsfähig zu bleiben, verfolgen unter anderem ebenfalls Du Pont E. I, De Nemours & Co. oder die Eastman Kodak Co.

Gegenläufig ist die Personalbewegung bei Banken, Finanzinstituten sowie Versicherungen. Dort werden weiterhin DP-Kräfte angeheuert. Sogar contra geben will die Ford Motor Co. mit ihrer Unternehmenspolitik gegen diese Art von Wettbewerbsphilosophie. Obwohl bis 1990 ein Personalabbau um 20 Prozent vorgesehen ist, soll gerade der DV-Sektor davon nicht betroffen sein. "Wir sehen die Informationsverarbeitung als entscheidenden Wettbewerbsfaktor an", betont Jerry Petersen, Ford-Manager für weltweite Systemplanung. So sei die 100prozentige automatische Lagerhaltung angestrebt. In CAD und CAM solle weiterhin investiert, auf die "White-Collar-Automation" im Büro besonderes Gewicht gelegt werden. Computer-Integrated-Manufacturing (CIM) treibe Ford in einer eigenen Fertigungsstätte voran, denn "Erfolg bestimmt sich künftig danach, wie weit wir die neue Technik nutzen", merkt Peterson an.

Derzeit ist zu beobachten, daß freie Jobs in Unternehmen, die besonders alte Produktionsmethoden kennzeichnen, wesentlich rarer geworden sind: "Vor drei Jahren registrierten wir noch eine Nachfrage nach 300 DV-Fachleuten, heute sind es nur noch 25", lautet der Vergleich von James Fleming, Manager bei der Robert Half Inc. in Houston. Gefragt seien spezielle Qualifikationen, um Lücken etwa bei technisch hochqualifizierten Fertigungssystemen zu schließen.

Nachdem mittlere Manager mit einem Jahresverdienst um die 75 000 Dollar über ein Jahr lang einen neuen Job suchten, wandern die ersten von ihnen, können Personalberater beobachten, ab zum "farming". Denn gerade für "hochgediente" Kräfte einen adäquaten Job um die 50 000 Dollar zu finden, sei schwieriger als hochkaratige Positionen zu besetzen, sagte Executive Searcher Herbert H. Halbrecht in Stamford: "Ein halbes Jahr arbeitslos, und ihr Rückgrat ist gebrochen". Danach nähmen sie dann auch unterbezahlte Arbeit an.

Gut im Rennen liegen etwa Professionals mit RPG-III-Kenntnissen, die gerade von Unternehmen mit IBM-Systemen der Serien /38, /34 und /36 dringend gesucht würden. Mit Kußhand, so ein New Yorker US-Berater, gingen auch CICS-Programmierer weg. Ihr Know-how über Mikro-Mainframe-Link sei buchstäblich Gold wert. DP-Controller würden ebenfalls "heiß gehandelt". Doch auch für sie ist Mobilität eine Notwendigkeit, um ihren Marktwert in Zentren wie New York oder Boston ausschöpfen zu können.

Für die große Zahl Arbeitssuchender im Bereich DV ohne diesen aktuellen Wissensstand, besonders aber für langjährige, ältere DV-Mitarbeiter mit Kenntnissen in nur einem Systembereich sowie fehlenden Spezialqualifikationen bestünden kaum Aussicht auf rentable Arbeitsplätze. Der Schock, vor die Tür oder - im besten Fall - umgesetzt zu werden, trifft viele von ihnen unvorbereitet. "Dabei hat", so Halbrecht, "das Abspecken gerade erst begonnen".