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06.05.1994

Personalchef Czarnecki steigt aus Die IBM kehrt mit eisernem Besen in ihrer US-Chefetage

NEW YORK (CW) - Nach nicht einmal einjaehriger Amtszeit hat Gerald Czarnecki, Personalchef der IBM Corp., das Handtuch geworfen. Dem ehemaligen Banker, so heisst es, blies der Wind ins Gesicht, weil er den angestrebten Abbau von 35000 Arbeitsplaetzen nicht im gewuenschten Tempo vorantrieb. Auch Robert Corrigan, Chef von IBMs PC Company, nimmt voraussichtlich seinen Hut.

Personalchef Czarnecki ist einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge wegen seiner gemaechlichen Gangart bei Chairman Louis Gerstner in Ungnade gefallen. Auch mit Finanzchef Jerome York, dem ebenfalls erst Mitte letzten Jahres inthronisierten Ex-Chrysler- Manager, soll Czarnecki sich ueberworfen haben. Der Verantwortliche fuer Human Resources, zuvor erfolgreicher Manager der Honfed Bank, Honolulu, macht sich nun selbstaendig.

Nachdem im letzten Jahr rund 50000 Mitarbeiter der IBM mehr oder weniger freiwillig den Ruecken gekehrt hatten, sollten in diesem Jahr weitere 35000 Stellen abgebaut werden. Ziel war es, sich einschliesslich neu eingestellter Mitarbeiter im Servicegeschaeft auf einem Personalstamm von 255000 einzupendeln. De facto, so berichtet die Wirtschaftszeitung, hat IBM aber in diesem Jahr erst 3000 Jobs gestrichen.

Zusammen mit den 4000 Stellen, die bereits im letzten Jahr geopfert worden seien, habe Big Blue sein Ziel erst zu einem Fuenftel erreicht; bis zum Jahresende muessten weitere 28000 Arbeitsplaetze wegfallen. Nur so koenne Gerstner seine Absicht, die Kosten bis dahin um drei Milliarden Dollar zu senken, verwirklichen und damit fuer eine positivere Stimmung an der Boerse sorgen.

Da die Entlassungen innerhalb der IBM in den Verantwortungsbereich der einzelnen Geschaeftseinheiten fielen, fragen sich Marktbeobachter, ob Senior Vice-President Czarnecki fuer den zoegerlichen Verlauf der personellen Schlankheitskur wirklich verantwortlich zu machen ist. Ebenso koenne man in Gerstner selbst den Schuldigen sehen, der auf sein mittleres Management in den jeweiligen Units nicht genuegend Druck ausgeuebt habe.

Auch Corrigan steht auf der Abschussliste

In einem weiteren Beitrag berichtet das "Wall Street Journal" von Anzeichen, nach denen auch Robert Corrigan, Chef der IBM Personal Computer Company, in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet werden soll. An seine Stelle tritt voraussichtlich Richard Thoman, wie Gerstner ein ehemaliger Manager des Lebensmittelkonzerns RJR Nabisco. Thoman steht seit Januar dieses Jahres im Rang eines Senior Vice-President bei IBM unter Vertrag.

Corrigan, seit 32 Jahren in Diensten der IBM und seit 1990 Chef der PC-Division, gilt in der Branche als Protagonist einer neuen Firmenkultur: Er hatte die Geschaeftseinheit vollstaendig unabhaengig von der Konzernbuerokratie ausgebaut und in Marketing, Entwicklung und Fertigung zu einer festen Marktgroesse gemacht. Der Erfolg seiner Unit galt als Musterbeispiel fuer alle anderen Geschaeftseinheiten, wenngleich sich in juengster Zeit die Probleme haeuften. Dazu zaehlen etwa defizitaere Geschaefte mit den Portables der Thinkpad-Produktlinie oder Verzoegerungen bei der Auslieferung neuester PS/2-Modelle aufgrund technischer Probleme.

Analysten nennen als eigentlichen Grund fuer die bevorstehende Abloesung Corrigans den Versuch Gerstners, die Autonomiebestrebungen seiner PC-Unit zu bremsen und das Desktop- Geschaeft in den Konzern zu reintegrieren. So sollen in juengster Zeit mehrere Manager der PC-Division nach Armonk zitiert worden sein, um von Gerstner wieder auf die Konzernlinie eingeschworen zu werden. Auch bei der Auswahl der Werbeagentur musste sich Corrigan aus der Zentrale Vorschriften machen lassen.

Ein weiterer Grund fuer den zu erwartenden Ruecktritt des Managers liegt nach Meinung von Marktbeobachtern auch in seiner oeffentlich geaeusserten Skepsis gegenueber den Marktchancen der hauseigenen Power-PC-Technologie, die innerhalb der IBM vorrangig von der Power Personal Systems Division vermarktet wird.