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16.11.1979 - 

Einführung in die Wirtschaftsinformatik:

Pflichtlektüre für Studenten

Bei der Einführung in die Wirtschaftsinformatik an Hochschulen hat man vielerorts mit dem Problem zu kämpfen, daß eine sehr große Zahl von Studierenden von sehr wenigen Lehrpersonen unterrichtet werden muß. Daher ist man auf ein didaktisch gut aufbereitetes Lehrbuch angewiesen, das zum einen in häuslicher Lektüre, durchgearbeitet werden kann, damit man im Hörsaal auf die Vermittlung von Basiswissen verzichten kann; zum anderen sollte dieses Lehrbuch einen erträglichen Preis haben, damit es sich jeder Student kaufen kann. Diese Voraussetzungen erfüllt das Buch von Hans Robert Hansen: Wirtschaftsinformatik I, Einführung in die betriebliche Datenverarbeitung, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart-New York 1978, 311 Seiten, 19,80 Mark.

Das Werk besteht aus drei Bänden, von denen hier der Band 1 "Einführung in die betriebliche Datenverarbeitung besprochen werden soll. (Die beiden anderen Bände sind einer Einführung in Cobol und Übungsarbeiten gewidmet.)

Das Buch ist in drei Kapitel gegliedert. Im ersten wird ein Überblick vermittelt, im zweiten behandelt der Verfasser unter der Überschrift "Komponenten von betrieblichen Informationssystemen" die

Thermen "Daten", "Digitale Datenverarbeitungssysteme" und "Menschen". Die Abschnitte des dritten Kapitels "Datenverarbeitungsfunktionen in Informationssystemen" heißen "Datenerfassung", "Datenspeicherung", "Datenübertragung" und "Datentransformation" ("Programmbibliothek" und "Programmverarbeitung"). Um ein Lehrbuch dieser Art zu beurteilen, wird man die folgenden Fragen stellen:

- Ist die Stoffauswahl den Lehrszielen entsprechend?

- Ist der Stoff didaktisch gut aufbereitet?

- Wird der Leser unter- oder überfordert?

- Ist die Darstellung auf dem neuesten Stand des Wissens?

Der Rezensent beantwortet alle diese Fragen positiv.

Wegen dieser Vorteile wurde es an der Universität Erlangen-Nürnberg als Pflichtlektüre eingeführt, nachdem das bisher dort benutzte didaktisch hervorragende Buch "Der Schlüssel zum Computer von Wolters leider inhaltlich überholt ist. Auch anderen Lehrinstituten kann Hansens "Wirtschaftsinformatik" empfohlen werden, insbesondere wenn man - ähnlich wie an der Hochschule - auf häusliches Lernen abstellt.

Leichtere Kritik erscheint zu folgenden Punkten angebracht:

- Die vom Autor geschätzte Zahl von 80 Stunden, die zum Durcharbeiten des Buches notwendig sei, ist unseres Erachtens zu hoch.

- Der von Hansen gewählte "Topdown-Ansatz", bei dem der Stoff zuerst im Überblick und dann mit größerem Detail angeboten wird, führt zwangsläufig zu einer gewissen Redundanz, jedoch könnte noch mehr getan werden, um überlappende Passagen zu vermeiden, zum Beispiel hinsichtlich der technischen Gestaltungsformen von Speichern und der Datenorganisation, die auf den Seiten 27, 110 ff., 132 ff., 167 ff. und 242 ff. vorkommen.

- Im Interesse der kompakten Darstellung können einige Abschnitte wegfallen, die mehr für den Fortgeschrittenen und wissenschaftlich Interessierten in Frage kommen, etwa die Einführung in systemtheoretische Begriffe.

Gegenwärtig hat der Wirtschaftsinformatiker an manchen Fronten gegen Ideologen ohne fundierte EDV-Kenntnisse zu kämpfen, zum Beispiel was den Datenschutz betrifft. Es muß das Bestreben sein, diese Diskussion von bloßen Vermutungen wegzubringen und mehr als bisher mit Fakten zu unterlegen. So gesehen erscheint, es nicht zweckmäßig, wenn Hansen in einem Lehrbuch für Anfänger und dort wiederum im ersten Kapitel Passagen über die Auswirkungen der EDV auf die Gesellschaft den Wettbewerb und die Beschäftigung einflechtet und damit gerade der Meinung Vorschub leistet, als könnte man diese komplexen Sachverhalte ohne vorherigen Erwerb von Fachwissen und ohne einen sehr breiten Überblick über die Informationstechnik und ihre Anwendung in den verschiedensten Bereichen und Funktionen seriös erörtern.

*Professor Dr. Peter Mertens, Informatik-Forschungsgruppe VIII, Universität Erlangen-Nürnberg.