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25.11.1983 - 

Der Anwendungsstau läßt sich nur mit dem Anwender beseitigen:

Phantasie und Kooperation entlasten RZs

Unter kontinuierlicher Überlastung leiden heute nicht wenige RZ-Mitarbeiter. Die Fachabteilungen fordern immer schnellere und bessere Informationen von der DV-Abteilung. Das hält diese einerseits von wesentlichen Aufgaben ab und führt andererseits zu einem Anwendungsstau, der mittlerweile schon in Mannjahren berechnet wird. Der Vertriebsbeauftragte eines Rechenzentrums. Eugen Friedrich Bieg aus Weil im Schönbuch, meint, daß auch andere Wege gangbar sind. Für ihn ist die Verlagerung vieler DV-Aufgaben an den Arbeitsplatz keine Utopie mehr, sondern durchaus technisch machbar. Organisatorische Anforderungen an ein System der "individuellen Datenverarbeitung" (IDV) beschreibt er im folgenden Beitrag.

Die heutige Hauptaufgabe der Datenverarbeitung ist die Verbesserung und Pflege bestehender Programme sowie die Verknüpfung von Einzeldaten und Integration eventuelle neuer Anwendungen. Die heutige Entwicklung führt aber weg vom begrenzten (überwiegend Batchorientierten) zu allgemeinen offenen Informationssystemen, die die oben genannten Eigenschaften schnell, umfassend und richtig erfüllen. Hierunter fallt auch die Verarbeitung nicht vorhersehbarer Informationen. Die EDV wird damit zu einem Dienstleistungsinstrument in Sachen "Information", das der Endbenutzer zur qualitativen und quantitiativen Verbesserung und Erweiterung seiner Arbeit nutzt.

Dieser Informationsbedarf in der Fachabteilung führt bei dem EDV-Leiter zu einer ständig steigenden Nachfrage nach neuen Datenverarbeitungsanwendungen. Der oft zitierte Anwendungsrückstau läßt sich, auch mit fachkundigem DV-Personal, nicht kurzfristig lösen.

Neue Wege nötig

Vor dieser Problematik der vielen neuen Benutzeranforderungen und des begrenzten EDV-Personals müssen neue Wege beschritten werden, um das Informationsangebot für den Endbenutzer zu verbessern.

Da in der Vergangenheit eine intensive und zeitaufwendige Zusammenarbeit zwischen Fachabteilung und der EDV-Abteilung notwendig war (Problemformulierung, Umsetzung, Kodierung, Tests, Korrekturen) stellen sich viele Betroffene die Frage, warum die von einer Fachabteilung geforderte EDV-Problemlösungen nicht durch diese weitgehend selbst gelöst werden kann.

DV muß Sachbearbeiter "klug" machen

Das setzt natürlich voraus, daß dem Mitarbeiter aus der Fachabteilung Mittel und Methoden in die Hand gegeben werden müssen - ein "Werkzeug", das ihm ermöglicht, ohne tiefgehende EDV-Kenntnisse sein Problem selbst zu lösen.

Dabei sind hohe Voraussetzungen an ein solches EDV-Werkzeug zu stellen, wie weitgehende selbständige und freizügige Gestaltungsmöglichkeiten der Problemformulierung und zu benützenden Technik sowie Zugriff auf alle zur Aufgabenlösung notwendigen Daten. Konsolidierungsmöglichkeiten auf diversen Geschäftsebenen sowie deutscher Dialog und Fehlererklärung gehören zu diesen Prämissen. Wenige selbsterklärende Grundbefehle für den gelegentlichen Benutzer und ein schnelles Erfolgserlebnis für den sporadischen Anwender erleichtern die Aufgabenverlagerung.

Gleiche Formalismus-Syntax in allen Bereichen und Programmen gehört darüber hinaus ebenso wie der Zugriff von diversen Programmen und Systemen (Reports, Grafik, Modelling) auf ein und denselben Datenbestand zu den wichtigsten Punkten, die an ein IDV-System (individuelles Datenverarbeitungssystem) aus der Sicht der Fachabteilung gesehen, gestellt werden müssen.

Natürlich gibt es für kaum ein Aufgabengebiet konstante Abläufe. Die Dynamik der Märkte verlangt bis in die Fachabteilung wechselnde Benutzeranforderungen. Aus seiner Situation heraus ist der Sachbearbeiter der gelegentliche EDV- und damit IDV-Benutzer. Ihn zeichnen Kompetenz im Fachbereich mit wenig Wissen im EDV-Bereich aus. Er möchte in kürzester Zeit ohne Umwege seine individuellen Probleme gelöst haben.

Da die Verarbeitung von EDV-Informationen durch den Endbenutzer erfolgen soll, muß dies in einer, seinen Kenntnissen gemäßen Datenverarbeitungsumgebung erfolgen. Die leichte Benutzbarkeit ist dabei das entscheidende Kriterium, das heißt ein System muß für den Endbenutzer gezielt entwickelt worden sein.

Der Personal Computer (PC) mit der heutigen Software kann als Datenstation und Kleinrechner dienen, wird aber mit komplexen Planungsmodellen, Analysen, Prognosen und Konsolidierungen mit der Zeit den Wünschen seiner Anwender entwachsen.

RZ-Überlastung kostet Geld

Rechenzentren bieten im Timesharing über einen Bildschirm, Steuereinheit, Drucker und Postmodem hervorragende Lösungsmöglichkeiten für den IDV-Einstieg. Selbstverständlich lassen sich auch eine überschaubare Anzahl IDV-Benutzer kostengünstig anschließen Allerdings sollte aus Kosten- und Steuerungsgründen ab einer bestimmten Größenordnung über die IDV im eigenen Hause nachgedacht werden.

Für den, der die IDV im Hause, das heißt auf die eigene Anlage nehmen möchte, stehen sogenannte Endbenutzersprachen zur Verfügung. Bei den Endbenutzersprachen sollte darauf geachtet werden, daß umfangreiche Reports, Grafiken, Planungsmodelle, mathematische Routinen Netzplantechniken, Textverarbeitung, Data Dictionary aus "einem Datenbestand" machbar sind und zweitens, daß alle angesprochenen Moduln verfügbar sind.

Da die hauseigene EDV mit herkömmlichen Programmiersprachen, wie Cobol, PL/1, Fortran oder Basic den eingangs erwähnten Anwendungsstau kaum abbauen kann, wird diese Arbeitsweise für die IDV nicht in Betracht gezogen werden können.

Verloren ohne Beratung

Wesentliche Voraussetzungen für die aktive Nutzung der IDV und eingesetzten Formulierungssprachen im eigenen Hause ist eine Beratung Hilfe und Unterstützung mittels eines Benutzerservices. Ziel und Aufgabe des Benutzerservices sollte sein, den Endbenutzer bei der Lösung seines Problems zu beraten und ihn an die aktive Nutzung der vorhandenen Methoden des eingesetzten "Werkzeuges" heranzuführen.

Die Dienstleistungsbenutzerservice sollte Beratung bei der Einschätzung eines Problems bieten sowie die Verbindung zwischen Fachabteilung und EDV (Zugriff auf die Datei XY) koordinieren. Neben der Aufgabe, den IDV-Benutzer in die Lage zu versetzen, ohne großen Schulungsaufwand die gestellte Aufgabe zu lösen, fallen weitere Arbeiten an:

- Unterstützung bei der Anwendungsentwicklung (in begrenztem Umfang),

- Informationsmanagement über Neuerungen,

- Abbau emotioneller Vorurteile und Motivation für den technischen Fortschritt,

- Steuerung und Weitergabe von Erfahrungswerten in positiver und negativer Art.

Wenn der qualifizierte Endbenutzer die Sicherheit hat, auf einen Benutzerservice zurückgreifen zu können, wird er bald in der Lage sein, schwierige IDV-Lösungen selbständig zu erarbeiten. Die Praxis zeigt, daß je nach Einführungs-Nutzungsgrad (vorausgesetzt ein sehr gutes IDV-Werkzeug wird benutzt) ein Verhältnis des Benutzerservice zur IDV von 1 zu 30 als realistisch anzusehen ist.

Der Wunsch des Sachbearbeiters, schnell über die aktuellen Informationen der IDV auf dem Markt reagieren zu können, setzt in Zukunft eine intensive und sehr partnerschaftliche Zusammenarbeit von Fachabteilung und EDV voraus. Dazu gehört die Bereitschaft der Benutzer, sich etwas mit EDV-Technik zu beschäftigen und aus der undankbaren Rolle des Fordernden herauszutreten, aber auch die Bereitschaft der EDV, den Endbenutzer als Partner mit etwas EDV-Wissen zu akzeptieren.

Viele Experten, ob aus EDV, Planung, Controlling oder technischem und kaufmännischem Bereich, und alle Benutzer in der Fachabteilung sind aufgefordert, über die IDV-Möglichkeiten an ihrem Arbeitsplatz nachzudenken. Sachverstand, Einfallsreichtum, Wissen und Aufgeschlossenheit genügen heute nicht mehr, sondern der direkte Zugang zur IDV, zum leistungsfähigen Rechner, weil damit in der Zukunft möglicherweise der Erfolg oder Mißerfolg des Unternehmens und damit des Arbeitsplatzes bestimmt werden.