Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

20.03.1998 - 

Business-Anwendungen im Internet / Online-Bestellung mit Lieferauskunft

Pharmagroßhändler bringt seine Warenwirtschaft ins Internet

Mit mehr als 4,3 Milliarden Mark Umsatz gehört die Andreae-Noris Zahn AG in Frankfurt zu den führenden deutschen Pharmagroßhändlern. Diese Branche stellt das entscheidende Bindeglied zwischen der Pharmaindustrie und den etwa 21500 öffentlichen Apotheken in Deutschland dar. Beim Apotheker steht die Anzag zumeist in direktem Wettbewerb mit ein oder zwei anderen Großhändlern. Ein umfassender Service gehört daher für das Unternehmen zu den wettbewerbsrelevanten Faktoren.

Das wichtigste Kriterium für die Servicequalität ist im Großhandelsgeschäft die Lieferlogistik: Schnelligkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Medikamentenzustellung sind die Bedingungen, damit der Apotheker auch weiterhin seine Aufträge plaziert. Eine Apotheke kann von den etwa 170 000 in Deutschland zugelassenen Pharmazeutika kaum mehr als ein paar tausend auf Lager halten, muß aber zugleich den eigenen Kunden einen prompten Service über das gesamte Angebotsspektrum bieten.

Bei der Bearbeitung und Abwicklung der Medikamentenlieferungen setzt die Anzag auf ein ausgefeiltes Logistiksystem, das mit Hilfe von Produkten und Dienstleistungen der Software AG entstand. Anfang der 90er Jahre wurde das Kernstück der Logistikumgebung, das Warenwirtschaftssystem "Wapha" realisiert. Wapha besteht aus etwa 18000 "Natural"-Modulen und nutzt Adabas C als Datenbanksystem. Alle 23 Leistungs- und Servicecenter des Unternehmens sind heute an Wapha angeschlossen. Diese ihrerseits in sechs regionalen Leistungs- und Serviceverbünden organisierten Bereiche bilden das dichteste Niederlassungsnetz aller pharmazeutischen Großhändler in Deutschland.

"Wapha stellt für uns eine extrem geschäftskritische Anwendung dar", erläutert Rolf Magold, Ressortleiter Informatik der Anzag. Das System unterstützt die Auftragsabwicklung zwischen Apotheke und Großhändler, die Lager-, Förder- und Kommissioniertechnik, die Einzelfakturierung der Aufträge bei der Lieferung sowie die Erstellung einer monatlichen Sammelrechnung für die Kunden. Zur Pharmaindustrie hin deckt es außerdem das Beschaffungswesen inklusive der Dispositions- und Bestellabwicklung ab. Bereits 1995 zeichnete sich mit der schnellen Verbreitung des Internet eine zukunftsträchtige und kostengünstige Möglichkeit ab, den Apotheken Wapha-Funktionalität zu bieten und ihnen darüber hinausgehende Serviceangebote und -informationen zur Verfügung zu stellen. Die Erweiterung von Wapha um Internet-Funktionalität sollte zudem dafür genutzt werden, Nachbestellungen oder Rückfragen seitens der Apotheken zu vereinfachen. Sie erfolgten bislang in der Regel telefonisch und waren damit für beide Seiten mit einem erheblichen Zeitaufwand und hohen Personalkosten verbunden.

Exklusiv für Apotheker vorbehaltener Bereich

Gemeinsam mit Apothekern wurde Anzag-Online entwickelt, das seit Juni 1997 im Internet zu finden ist. Das Angebot gliedert sich in einen allgemeinen, jedem Surfer zugänglichen und einen geschlossenen Teil. Der für die Allgemeinheit gedachte Bereich umfaßt die Darstellung der Unternehmensleistung, die Verwaltung der Gesellschaft, Daten aus dem aktuellen Geschäftsbericht, Presseinformationen sowie eine Grafik der Leistungs- und Servicecenter.

Das eigentliche Kernstück des Online-Service ist allerdings der geschlossene, exklusiv den Apotheken vorbehaltene Bereich. Der Zugriff ist hier nur über die Kundennummer sowie ein individuelles Paßwort möglich. Wer den Dienst nutzt, kann sich über das gesamte Sortiment informieren, bestellen und erhält zugleich eine direkte Lieferzusage. Zudem beinhaltet Anzag-Online täglich aktualisierte Informationen über neue Präparate, allgemeine Produktinformationen, die Monatsangebote in Anzag-Aktuell sowie spezielle, attraktive Anzag-Online-Angebote. Hinzu kommen Informationen über die Beratungsleistungen des Unternehmens sowie eine direkte Zugriffsmöglichkeit auf den Seminarkalender mit Online-Buchungsmöglichkeit. Außerdem werden dort die Verkaufsförderungsinitiative SAM sowie sämtliche Sortimentskonzepte präsentiert. Auch die eigenen Umsätze sind vom Apotheker abrufbar. Dafür fordert das System allerdings ein zweites Paßwort.

Bei der technisch anspruchsvollen Umsetzung des Anzag-Online-Dienstes im Internet wurde mit Unterstützung der Software-AG-Technologieberatung eine Lösung geschaffen, bei der lesende Zugriffe, etwa auf Produktinformationen, direkt auf einen Web-Server mit einer Oracle-Datenbank erfolgen. Bei der Hardware handelt es sich um eine IBM RS/6000. Eingaben seitens der Internet-Benutzer, die betriebswirtschaftliche Transaktionen auslösen, werden unmittelbar an die Wapha-Anwendung weitergeleitet. Ermöglicht wurde dieser systemübergreifende Ansatz, der für die Anwender völlig transparent ist, durch die Middleware "Entire Broker". Die entsprechenden Web-Front-ends wurden mit Werkzeugen realisiert, die eine Natural-ähnliche Syntax bieten und darüber hinaus für den Einsatz mit dieser Middleware optimiert sind. "An der Wapha-Anwendung selbst mußten wir nur minimale Anpassungen im Umfang von rund 15 Manntagen vornehmen", erläutert Reiner Jennemann, Leiter des Online-Projekts. Seit Juli 1997 läuft Anzag-Online ohne Anwendungsfehler oder Systemabbrüche.

In puncto Sicherheit - einem der kritischsten Faktoren für transaktionsorientierte Internet-Systeme - bietet Anzag-Online ein Höchstmaß an Vorkehrungen durch Paßwort- und Berechtigungsprüfungen. Dem Web-Server, der selbst keine Kundeninformationen oder Paßwörter verwaltet, ist eine Firewall vorgeschaltet. Der Wechsel vom Transportprotokoll TCP/IP für die Kommunikation zwischen dem Internet und dem Web-Server auf SNA/ LU 6. 2 für die Kommunikation zwischen Web-Server und Host stellt eine weitere Hürde dar. Zusätzlich zur ersten Zugangskontrolle wurde eine zweite Kennung eingerichtet, so daß nur bestimmte Mitarbeiter einer Apotheke Zugriff auf interne Informationen wie Umsatzstatistiken haben.

Angeklickt

Bestellungen tätigen, Angebote und Liefer- sowie Umsatzdaten abfragen - all das und einiges mehr ermöglicht die Andreae-Noris Zahn AG ihren Kunden, den Apothekern, via Internet. Der Pharmagroßhändler hat dafür die klassischen Host-Anwendungen mit der Web-Technologie verbunden. Doch auch für den unbekannten Internet-Surfer wird ein Informationsangebot bereitgestellt. Für eine Trennung der beiden Benutzergruppen sorgen Identitätsprüfungen mit Paßwort und Kundennummer.

Ekkehard Schuck ist freier Journalist in Darmstadt.