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IT in der öffentlichen Verwaltung/Elektronische Steuererklärung für Pilotanwender vollkommen papierlos

Phase 2: Das Elster-Projekt hebt ab

13.12.2002
Wenige IT-Projekte der öffentlichen Hand haben eine solche Bekanntheit erlangt wie "Elster" - die elektronische Steuererklärung über das Internet. Seit Juli des Jahres ist die neue mehrstufige Architektur, inklusive elektronischer Signatur, in vier Bundesländern im Pilotbetrieb. Grund genug, den aktuellen Projektstand näher zu betrachten. Von Roland Krebs*

Grundidee und Anspruch der elektronischen Steuererklärung, abgekürzt "Elster", ist es, jegliche Steuerdaten - von Einkommenssteuer- und Umsatzsteuerjahreserklärungen sowie -voranmeldungen über Gewerbesteuer, Kfz-Zulassungsdaten und Lohnsteueranmeldungen bis hin zu den jeweiligen Steuerbescheiden - elektronisch zu übertragen - ohne Medienbrüche zwischen Bürger, Steuerberater und Finanzbeamten. Einen ersten Schritt in diese Richtung bildete das unter der Leitung der Oberfinanzdirektion München (OFD) in Bayern entwickelte Windows-basierende "Elsterformular".

Erst per Post - jetzt via Internet

Auf dessen Grundlage können Bundesbürger seit dem 1. Januar 1999 ihre Steuererklärung über das Internet an die zuständigen Finanzbehörden übermitteln. Das Steuerformular muss bei diesem Verfahren allerdings noch zusätzlich in einer komprimierten Form ausgedruckt, unterschrieben und per Post an das zuständige Finanzamt geschickt werden. Dagegen erlaubt das seit 1. Juli dieses Jahres in Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und im Saarland gestartete Pilotprojekt, die am PC ausgefüllte Steuererklärung rechtsgültig mit einer Signatur versehen direkt und sicher über das Internet an den Sachbearbeiter im Finanzamt zu senden. Auf Basis der neuen Architektur werden darüber hinaus weitere Web-basierende Dienstleistungen folgen.

Eine moderne EJB-Architektur für Elster Phase 2, so der interne Projektname, markiert den Abschied von der bisherigen proprietären Windows-basierende Client-Server-Architektur, die die Verwendung anderer Betriebssysteme für die elektronische Steuererklärung ausschloss und jährlich erheblichen Programmieraufwand bei der Aktualisierung des Programmcodes für die Fat-Client-Software bedeutete. Die neue Anwendung basiert demgegenüber auf einer offenen dreistufigen Architektur auf Grundlage moderner Enterprise Javabeans (EJB-)Technologie. Als Applikationsserver wird "Bean Transactions 3.0" aus der Softwaresuite "Open Seas" von Fujitsu-Siemens Computers eingesetzt, da diese Lösung alle existierenden Steueranwendungen der Finanzbehörden der 16 Bundesländer unterstützt. Die dort intern verwendeten Dialogprogramme arbeiten mehrheitlich auf Großrechnern mit unterschiedlichen OLTP (Online Transaction Processing)-Produkten. Sollen Bürgerinnen und Bürger aus dem Internet über Elster den Bearbeitungsstand abfragen können, muss dazu der zugrunde liegende Applikations-Server direkt auf die UTM- oder Cics-Anwendungen der BS2000- und IBM-Mainframes zugreifen - und dies ist nur mit Bean Transactions möglich.

Die Architektur von Phase 2 besteht aus Web-Frontend, Anwendungsschicht und Backend mit Datenhaltungs- und Legacy-Systemen. Während der Applikations-Server einen Großteil der Anwendungslogik vereint, umfasst die Client-Software nur eine vergleichsweise kleine Java-Anwendung für das Ausfüllen der elektronischen Lohnsteuererklärung, von Web-Formularen wie der Umsatzsteuervoranmeldung oder auch zur interaktiven Kommunikation mit der Finanzbehörde wie zum Beispiel die Abfrage des Steuerkontos (beides zukünftig). Dieser Elster Online Manager (EOM) ist die zentrale Client-Komponente der neuen Architektur und auf jedem Betriebssystem mit Java-Laufzeitumgebung lauffähig. Bei seinem Aufruf auf der Elster-Website wird zunächst Java Web-Start, ein Container, initiiert, der den Client-Rechner nach vorhandenen EOM-Informationen untersucht und die vollständige Software einmalig und Updates dynamisch auf Letzteren herunterlädt.

Fünf unabhängige Trust-Center

In Elsterformular oder kommerziellen Steuerprogrammen vorhandene Steuerinformationen können in EOM eingelesen werden. Dessen Komponente Coala übernimmt die Komprimierung, Verschlüsselung, Signierung und Übermittlung der Daten an die Clearing-Stelle. Coala kommuniziert hierzu auch mit den Kartenlesern der Signaturkarten.

Die Schaltzentrale der Architektur befindet sich in der Clearing-Stelle. Aus Gründen der Lastverteilung und der Zuordnung zu den Länderrechenzentren existiert eine in Bayern und eine in Nordrhein-Westfalen - mit derzeit zwölf Applikations-Servern sowie zwei Datenbank- und vier Web-Servern, die über zwei Firewalls vom Frontend getrennt sind. Zentrale Aufgabe ist die Signaturprüfung bei fünf unabhängigen Trust-Centern. Eigens hierfür programmierte Enterprise Javabeans nach dem J2EE (Java Two Enterprise Edition) 2.0 Standard übernehmen diese sowie andere Aufgaben.

Das Backend umfasst die Rechenzentren der Bundesländer mit ihren unterschiedlichen Legacy-Anwendungen für die Steuerberechnung sowie je zwei Kommunikations-Server und Oracle-Datenbankspeicher für die Abspeicherung der Lohnsteuererklärungen. Über den Weg Elster Online Manager - Clearing-Stelle - Kommunikations-Server-Legacy-System und retour wird zukünftig auch die Online-Abfrage des Steuerkontos möglich sein.

Die neue Architektur ist von vornherein auf wachsende Anforderungen und Aufgaben mit Last-Annahmen von zirka 500 simultanen Zugriffen für jedes Länder-Rechenzentrum und insgesamt für mehr als 100000 registrierte Benutzer ausgelegt. Für Skalierbarkeit und Ausfallsicherheit sorgen sowohl die gewählte verteilte Architektur als auch die Funktionen des J2EE-Servers. So findet zunächst bei der Zuordnung von Client-Anfragen auf die zwei vorhandenen Clearing-Stellen eine Lastverteilung statt. Die Zuordnung ist Teil der Logik in der Client-Software und richtet sich nach dem für den angemeldeten Client zuständigen Bundesland, denn beide Clearing-Stellen sind mit jeweils verschiedenen Länder-Rechenzentren verbunden. Eine hohe Verfügbarkeit stellt die redundante Auslegung der J2EEServer- und Datenbankrechner "Primepower 400" beziehungsweise "600" von Jujitsu-Siemens Computers sicher.

Die Einführung einer neuen Softwarearchitektur umfasst neben der Technologie jedoch auch die Veränderung der Geschäftsprozesse. Hierin und in der Absicht, die Phase 2 unter realen Bedingungen, aber nur mit einem eingeschränkten Benutzerkreis, zu starten, liegen die Gründe für die anfängliche Beschränkung auf vier Bundesländer. So sind in Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und im Saarland die Arbeitsabläufe in den Landesfinanzbehörden bereits an die Anforderungen des elektronischen Workflow angepasst. Alle übrigen Bundesländer stellen ab 2003 sukzessive auf die neue Architektur um.

Während es sich in der ersten Phase des Projektes um den Datentransfer mit Papierausdruck handelte, führt Phase 2 in der letzten Ausbaustufe zur papierlosen Verwaltung. Der entscheidende Türöffner hierfür ist das seit Anfang 2002 gültige Signaturgesetz. Entsprechende Signaturkarten mit zugehörigem Lesegerät gibt es derzeit für zirka 75 Euro.

Im Januar 2003 wird die neue plattformunabhängige Elster-Software mit integrierter Signaturfunktion auch als CD kostenlos verfügbar sein. Dann kann der Umstieg der Bürger auf Elster 2 in großer Zahl beginnen. (bi)

*Roland Krebs ist Leiter des Projekts "Elster" bei der Oberfinanzdirektion München.

Entwicklungszentren

"Elster" wird mittlerweile an vier Standorten weiterentwickelt. Die Oberfinanzdirektion München ist weiterhin für die Grundlagen des Systems und die strategische Rahmenplanung zuständig, ein Entwicklerteam in Düsseldorf arbeitet an der elektronischen Lohnsteuerkarte, eines in Erfurt an der Fortschreibung von Elsterformular und das in Wiesbaden an der elektronischen Steuerkontoabfrage.

Abb: Die Architektur von Elster 2

Zentrale Aufgabe der Clearing-Stellen in München und Düsseldorf ist die Signaturprüfung bei fünf unabhängigen Trust-Centern. Quelle: OFP, München