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25.08.2006

Philharmoniker schützen ihre Daten

Dr. Stefanie Haug-Grimm 
Eine Speichervirtualisierung erhöht die Flexibilität.

Die Berliner Philharmoniker haben sich als eines der besten Orchester weltweit einen Namen gemacht. Hinter den Musikern stehen 110 Mitarbeiter, die sich um Organisation, Verwaltung und Haustechnik kümmern, und eine komplexe IT-Infrastruktur, die die ständig wachsende Datenflut bewältigen und stets verfügbar halten muss. Als die Server und die daran angeschlossenen Backup-Systeme vor kurzem an ihre Kapazitätsgrenzen kamen, führte die IT-Leitung ein neues Datenhaltungskonzept ein. Das Fundament bilden Server von Fujitsu-Siemens sowie eine festplattenbasierende Backup- und Restore-Appliance mit angeschlossener Bandbibliothek von Tandberg Data.

Projektsteckbrief

Stiftung Berliner Philharmoniker

Die Berliner Philharmoniker zählen seit mehr als 100 Jahren zu den besten Orchestern der Welt. Das Orchester ist seit 2002 als Stiftung des öffentlichen Rechts unter Trägerschaft des Landes Berlin organisiert. 2004 erhielt das Orchester den Herbert-von-Karajan-Musikpreis in Baden-Baden. Nachdem das alte Stammhaus 1944 im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war, ist seit 1963 die von Hans Scharoun konzipierte neue Berliner Philharmonie am Kemperplatz die Heimstätte der Berliner Philharmoniker.

Server und Daten getrennt

Seit dem Jahr 2000 hat sich der Datenbestand auf 600 GB verdoppelt. Trotz diverser Erweiterungen reichten die Kapazitäten der Platten-Arrays und Bandlaufwerke nicht mehr aus. Diese Situation nutzte die Stiftung Berliner Philharmoniker zur Reorganisation ihrer IT-Strukturen. Die bisherigen Einheiten aus Server, Platten und integriertem Backup-Laufwerk hatten sich bei den Erweiterungen im Laufe der letzten Jahre als relativ starr und kostspielig erwiesen. Die oberste Maxime für DV-Organisator Edmund Wewior lautete darum: "Trennung von Servern und Datenbeständen." Darüber hinaus sah Wewior Handlungsbedarf bei der Sicherstellung der Datenverfügbarkeit. Sie sollte durch redundante Systeme sowie beschleunigtes Backup und Restore verbessert werden.

Die Server-Landschaft umfasste bislang acht Rechner: je einen Verwaltungs-Server an den beiden Standorten Herbert-von-Karajan-Straße und Potsdamer Platz, einen Ticket-Server mit angeschlossenem Datenbank- und Payment-Server für das elektronische Kartenvertriebssystem, das Kasse, Abonnement-, Telefon- und Internet-Vertrieb verwaltet, zwei Terminal-Server für den Kartenverkauf an mehreren Standorten sowie einen DTP-Apple-Server OSX zur Herstellung von Programmheften und anderen Druckerzeugnissen. Die Server sicherten ihre Daten auf ein jeweils integriertes DLT-Bandlaufwerk. Die Ausnahme bildete das Apple-System, das einen Autoloader für die Datensicherung nutzte.

Auf die Kosten geachtet

Auf der Grundlage einer Rahmenbeschreibung entwickelten zwei der Stiftung aus früheren Projekten bekannte Fachhandelspartner Konzepte für die Neustrukturierung: Mit der Umsetzung und Ausführung wurde die Skysoft Computersysteme GmbH, Kleinmachnow, betraut. Die nach einer umfangreichen Evaluierungsphase vorgestellte Gesamtlösung überzeugte Wewior durch "praxisnahe Funktionen, gute Einbindung in die bestehenden Strukturen und ein für die vielen Leistungsmerkmale sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis". Um einen vergleichsweise kostengünstigen Einstieg in die Speichervirtualisierung zu ermöglichen, sah das Konzept iSCSI- statt Fibre-Channel-Komponenten vor. Diese Lösung sollte den Ansprüchen an eine professionelle Speicherorganisation, angefangen von Zuverlässigkeit über Schnelligkeit bis hin zur hohen Skalierbarkeit, genügen. Peer Meier, Geschäftsführer von Skysoft, geht davon aus, dass "die Total Cost of Ownership dieser zentralen Storage-Lösung gegenüber einer Direct-Attached-Storagelösung um etwa 20 Prozent niedriger ausfällt".

Mehr Sicherheit

Die im Konzept vorgeschlagenen Hardwarekomponenten stießen ebenfalls auf Zustimmung. Die Server erwiesen sich in Tests als sehr stabil. Mit Tandberg Data als Hersteller der DLT-Laufwerke hatte Wewior über Jahre bereits gute Erfahrungen gemacht.

Die verteilte Struktur der Server wurde bei der Einführung der leistungsstärkeren "Primergy"-Server von Fujitsu-Siemens Computers (FSC) beibehalten. Der Datenbank-Server als Herzstück des Kartenverkaufs ist nun als redundantes System aus zwei Servern mit Failover-Funktion ausgelegt, um die zuvor bestehende Sicherheitslücke zu schließen, die den Kartenverkauf im schlimmsten Fall für mehrere Stunden lahm gelegt hätte.

Zur Datenhaltung entschied sich Wewior für die Tandberg-Appliance "Bakstor 2000" auf der Basis von iSCSI. Bakstor ist zentraler Massenspeicher, Backup- und Restore-Appliance in einem und bietet derzeit eine Plattenkapazität von 3 TB, wovon 2 TB als Datenbereich und 1 TB für die Datensicherung partitioniert sind. Beide Bereiche sind als Raid 5 mit Standby-Disk konfiguriert. Durch die Einbindung von Erweiterungsmodulen über iSCSI kann die Kapazität schrittweise bis auf 26 TB erhöht werden.

Der Verwaltungs-Server in der Philharmonie nutzt die Bakstor-Appliance als virtuelle, über iSCSI eingebundene Festplatte und speichert darauf den kompletten Datenbestand. An den fünf Arbeitstagen werden jeweils um 9, 11 und 14 Uhr Snapshots von diesem Datenbestand erstellt und im Datensicherungsbereich gespeichert. Das wesentlich kleinere Pendant am Potsdamer Platz speichert seine Daten auf interne Festplatten und sichert diese lokal auf einem LTO2-Laufwerk, ebenfalls von Tandberg Data. Die Datenbank- und Ticket-Server nutzen Bakstor als Backup-System und transferieren ihre Daten einmal pro Tag auf die in der Appliance angelegten virtuellen Tapes. Demnächst wird auch das Apple-DTP-System seine Daten auf Bakstor speichern.

Virtuelle Tapes werden archiviert

Unter der Regie von "Arcserve Brightstore 11.1" werden die Daten der virtuellen Tapes ebenfalls einmal täglich auf die "S24"-Library von Tandberg Data übertragen. Diese kann auf der Basis eines LTO3-Laufwerks und von 24 Bändern bis zu 9,6 TB Daten (nativ) speichern. Damit ist eine Verneunfachung des jetzigen Datenbestands möglich. Zur Absicherung des Gesamtsystems sind auch Switches, Netzwerkkarten und Verkabelung redundant ausgelegt.

Gelungene Systemumstellung

Die Umstellung beanspruchte dank gelungener Arbeitsteilung nur zehn Tage. Skysoft installierte die neue Hard- und Software und übernahm die Einweisung. DV-Experte Wewior und sein Mitarbeiter passten die Clients an. Bis zum Schnitt wurden die alten und neuen Systeme parallel gefahren, wodurch sich die Ausfallzeit auf maximal zwei Stunden begrenzen ließ.

Die abgehängten Systeme blieben vorerst stehen. "So brauchten wir die DLT-Bänder beim Wechsel auf die LTO-Technik nicht umkopieren", erläutert Wewior die Vorkehrungen für den Fall, ältere Daten wiederherstellen zu müssen. Das neue Bandarchiv wächst indes von Tag zu Tag. Über den 3Com-Superstack-Switch werden nun pro Sekunde ein Gbit Daten von den Bakstor-Festplatten auf die Bänder transferiert. Die Backup-Zeit reduzierte sich von acht auf etwa drei Stunden.

"Jedes in einer Nacht beschriebene Band wird am Morgen einem Lesetest unterzogen", beschreibt Wewior eine weitere Sicherheitsstufe, die das automatische Diagnosesystem der Library ergänzt. Immer montags werden die Bänder in einem festen Rhythmus getauscht, um eine Wochen-, Monats- und eine Jahressicherung verfügbar zu haben. Die Tapes werden in einem Datensafe in einem separaten Brandabschnitt aufbewahrt.

Schnelles Recovery

Auch der Recovery-Fall wurde schon geübt, ein Notfallplan mit Telefonliste liegt vor. Durch die zentrale Datenhaltung auf Bakstor beschränkt sich das Recovery bei einem Server-Ausfall auf die Systemdaten dieses Rechners. Die Wiederherstellungszeit verkürzt sich damit um bis zu 80 Prozent. Auf das Datenvolumen kann temporär auch über einen anderen Server zugegriffen werden. Wartungsverträge garantieren zudem kurze Reaktions- und Wiederherstellungszeiten. (kk)