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14.01.1994

Philippe Kahn baut auf die Treue seiner User-Gemeinde Borlands Update-Praxis stellt Anwender auf die Geduldsprobe

SAN MATEO (IDG) - Die wiederholte Verzoegerung bei der Auslieferung lang angekuendigter Borland-Updates stellt Applikationsprogrammierer auf eine Geduldsprobe. Das laengst ueberfaellige Dbase fuer Windows ist nur ein Beispiel dafuer. Borland- Chef Philippe Kahn begruendet die spaeten Verfuegbarkeitstermine mit der enormen Entwicklungsarbeit fuer ausgereifte Produkte - und setzt zugleich auf Kundentreue.

Die Hinhaltetaktik des Unternehmens ist zahlreichen Entwicklern voellig unverstaendlich. Denn gerade CEO Kahn verkuendete stets, dass er mit seinen Produkten moeglichst schnell eine Datenintegration aus heterogenen Umgebungen und verteilten Anwendungen ermoeglichen will. Der zur Zeit aergste Vorwurf, den sich der DV-Stratege gefallen lassen muss, ist, dass Anwender der einst populaersten PC- Datenbank Dbase beim Windows-Release inzwischen auf das zweite Quartal dieses Jahres vertroestet wurden. Aber auch die verspaetete Auslieferung der auf den Upsizing-Markt mit skalierbaren Systemen zielenden Interbase-Engine wird Borland angekreidet.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die zoegerlichen Fortschritte bei der Datenintegrations-Technologie IDAPI (Integrated Database Application Programming Interface). Ein entsprechendes Entwicklungs-Kit sollte bereits Mitte 1993 ausgeliefert werden, inzwischen ist das Verfuegbarkeitsdatum wieder offen.

Amerikanische Branchenkenner befuerchten, dass Borland mit diesem Geschaeftsgebaren auf dem besten Wege ist, aus der Fuehrungsriege von Schluesselanbietern auszuscheren. Ungeduldige Anwender wuerden sich inzwischen nach Alternativen umsehen, zumal Konkurrenten wie Microsoft das letzte Jahr genutzt haben, um den Markt fuer Desktop- Datenbanken kraeftig zu bearbeiten. Viele Entwickler seien inzwischen auf SQL-Server oder Foxpro umgestiegen.

Lediglich bei der Tabellenkalkulation Quattro Pro, bei der objektorientierten Programmiersprache C++ sowie bei der Datenbank Paradox fuer Windows koenne Borland seine Marktposition unter den fuehrenden Anbietern weiterhin behaupten. Dies wurde unter anderem durch eine aggressive Preispolitik erreicht, beispielsweise beim Spreadsheet, das in Amerika fuer 50 Dollar verkauft wird. Diese Strategie schlaegt sich allerdings auch in den Umsatzzahlen der Softwareschmiede nieder: Als Bilanz des im Maerz auslaufenden Geschaeftsjahres prognostizieren Analysten ruecklaeufige Einnahmen von 460 Millionen Dollar gegenueber 464 Millionen Dollar im Vorjahresergebnis.

Weiterhin optimistisch beurteilt Kahn hingegen die Marktposition seines Unternehmens bei Windows-Entwicklungs-Tools und PC- Datenbanken. Waehrend eines Interviews mit der "Infoworld", einer CW-Schwesterpublikation, verteidigte der Manager die Verzoegerung von Dbase fuer Windows: Es sei Unternehmensstrategie, nur mit ausgereiften Produkten auf den Markt zu kommen; Dbase werde ein objektorientiertes Client-Server-Tool fuer jeden sein, der bereits in dieser Sprache programmiert habe - und dies seien weltweit immer noch die meisten Entwickler. Auch wenn dieser Qualitaetsanspruch mehr Zeitaufwand erfordere, der Kunde werde darauf warten.

Inzwischen hat sich jedoch herausgestellt, dass eine wesentliche Komponente zumindest in der ersten Windows-Version von Dbase fehlen wird: Der Compiler zur Erstellung eigenstaendiger Windows- Applikationen.

Den Vorwuerfen bezueglich IDAPI begegnete Kahn mit dem Hinweis, dass die Datenintegrationsmethode bereits Teil des neuen Paradox fuer Windows 4.5 sei. Damit gebe es eine Verbindung zu relationalen Datenbank-Servern wie Oracle, Sybase und Interbase. Die Kompatibilitaet der Technik mit anderen Verfahren wie SQLNet, Open Client beziehungsweise ODBC will das Unternehmen sicherstellen.