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19.01.1990 - 

PKI trennt sich von großen Teilen des BK-Managements

Philips-Bürotechnik: Riesiges Problem im Großkundengeschäft

MÜNCHEN (see) - Nach Vorstandsmitglied Dieter Kaden sitzen jetzt weitere leitende Mitarbeiter der Philips Kommunikationsindustrie AG untätig zu Hause. Bis Jahresmitte werden womöglich 200 bis 300 Angestellte des Bürobereiches in Siegen gehen müssen.

In einer PKI-Stellungnahme ist von "personellen Anpassungen" im Zusammenhang mit dem Austritt des bisherigen Vertriebsleiters Informationssysteme, Karl Hecken, die Rede. Weiter heißt es, "ständige Anpassungen von Organisation und Personal an die aktuelle Unternehmens und Marktentwicklung" seien normaler Bestandteil des Tagesgeschäftes Informationen über Entlassungen oder Beurlaubungen von leitenden Mitarbeitern wurden ebenso dementiert wie die Vermutung, es stünden 200 bis 300 Entlassungen bevor.

In den Jahren 1985 bis 1987 wurden die meisten der Mitarbeiter Kadens und Heckens zu PKI geholt, um die Angebotslücke oberhalb des MDT-Bereiches zu schließen. Ein Brancheninsider: "Die Mannschaft, die sie jetzt rausgekippt haben, waren eigentlich diejenigen, die bei Philips das lukrative Großkundengeschäft machen sollten".

In Siegen wird vermutet, daß der Verkaufsbereich Öffentliche Verwaltung (ÖV), der im wesentlichen das Großkundengeschäft repräsentiert, noch in diesem Jahr der Division Öffentliche Kommunikationssysteme (ÖKS) in Nürnberg zugeschlagen werden könnte. Einer der jetzt Kaltgestellten berichtet von einem Schreiben ("... so geheim, daß es jeder im Unternehmen kennt") des PKI-Vorstandsvorsitzenden Manfred Conrad an Kaden vom Herbst 1989, in dem dieser aufgefordert wird, die Umstrukturierungen im Großkundenbereich sofort zu stoppen. Es sei, so der Brief weiter, eine Arbeitsgruppe einzusetzen mit dem Ziel, die Bereiche ÖV und ÖKS zu integrieren. Ein anderer ehemaliger Mitarbeiter sieht diesen Plan als wichtigen Grund für Kadens Ausstieg an.

Zwei Vermutungen zirkulieren in Kreisen von Philips-Insidern und Beobachtern: Möglicherweise plant die Konzernzentrale, sich in Siegen wieder auf das Geschäft mit Systemen der Mittleren Datentechnik zu konzentrieren. Hierfür spricht, daß die MDT-Leute um den kommissarischen Kaden-Nachfolger Horst Hüniken und den Leiter Produktvertrieb, Karl-Wilhelm Stolz, im Unternehmen geblieben sind. Kommentar eines Philips-Kenners: "Das kann nicht klappen; dann enden sie wie Nixdorf!" - Als zweite Möglichkeit wird der Verkauf des abgespeckten Siegener Bereiches genannt.

Die PKI-Vertriebsstrategie für das Jahr 1990 sieht die Stärkung der indirekten Verkaufskanäle zu Lasten des Endkundengeschäftes vor, berichtet einer der Gekündigten. Auf diesen Wegen würden hauptsächlich PCs und kleine Unix-Systeme abgesetzt; auf der Strecke blieben die größeren Unix-Rechner, vor allem wegen fehlender Gesamtlösungen. Philips ist in diesem Segment nach den Worten desselben Mitarbeiters faktisch ein

reiner Hardware-Lieferant: Software wie das Archivierungssystem Megadoc wolle wegen der fehlenden Schnittstellen zu Bürokommunikationslandschaften und Hostsystemen niemand mehr haben; das Entwicklungsprodukt Maestro, früher gemeinsam mit Softlab vermarktet, vertreiben jetzt beide getrennt: Philips auf den eigenen Systemen, Softlab wahlfrei für verschiedene Rechner.

Nach übereinstimmenden Einschätzungen liegen neben der Produktpalette auch Marketing und Administration im Argen: In der starren Verwaltung seien bereits Aufträge hängengeblieben. Dem kommissarischen Marketingchef Walter Sandig wird von ehemaligen Siegener PKI-Mitarbeitern vielfach die Qualifikation abgesprochen.

Die Betroffenen machen kein Hehl aus ihrer Einschätzung: Es gibt nicht mehr viel in Siegen, womit sich Umsatz erzielen läßt. Viele tippen, daß PKI Siegen verkauft werden soll. Für das abgeschlossene Geschäftsjahr rechnet man mit einem Verlust von 70 Millionen Mark; PKI insgesamt sieht nach unterschiedlichen Einschätzungen roten Zahlen in Größenordnungen zwischen 400 Millionen und knapp einer halben Milliarde Mark entgegen (Siehe CW Nr, 2).