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02.10.1987 - 

Florierender Handel rund ums Geld reizt auch Elektronik Giganten:

Philips setzt im Bankengeschäft auf Unix

ZÜRICH (CWS) - Der Elektrokonzern Philips intensiviert seine Bemühungen im Bankensektor. Vorgestellt wurden setzt mit der Beteiligung am Ring-lnformations-System RIS der Schweizer Börsen, der Lancierung einer Serie von Bankenservern P9000 sowie einem Pilotprojekt über lasergesteuerte Unterschriftenkontrolle bei der SBG die neuesten Aktivitäten.

1987 soll der Bereich Telematik und Data Systems von Philips Schweiz um mehr als zehn Prozent wachsen. Am erwarteten Umsatzvolumen von 100 Millionen Franken ist die Financial Business Systems-Group, die hauptsächlich Anwendungen im Bankbereich realisiert, nach Auskunft von Direktor Urs Trautmann mit 35 Prozent beteiligt.

RIS ist bereits an drei Börsen im Einsatz

Eine der neueren Entwicklungen in diesem Bereich ist das Ring-lnformations-System (RlS), das von der Association Tripartite Bourses in Zusammenarbeit mit der Philips entworfen wurde und seit Februar 1987 an allen drei beteiligten Börsen - Basel, Genf und Zürich sowie als Abfragemedium in Bern - in Betrieb ist. Das Aktienhandels-System beruht auf Host-Rechnern von Tandem, die sämtliche lokalen Werte verwalten und nachführen. Die

Informationen werden laufend auf die nächste Rechnerebene - einen sogenannten Workstation-Cluster-Prozessor - gebracht, der im eigenen Speicher über ein Subset der Börsen-Datenbank verfügt. Dieses System wurde von Philips entwickelt, basiert auf Unix und ist in C programmiert. Die für den Börsenmakler wichtigen Informationen werden über ein lokales Netzwerk auf die dritte Rechnerstufe übermittelt - eine sogenannte Terminal Logical Unit (TLU) -, die ebenfalls Programme und Daten enthält und eine weitere Philips-Entwicklung ist.

An jeder TLU sind zwei Bildschirme angeschlossen, damit der Benutzer die wichtigsten Bilder direkt aus dem Speicher der TLU abrufen kann - mit einer Antwortzeit von unter 0,3 Sekunden. Jeder Börsenrechner ist mit dem Finanzinformations-Host-Rechner bei der Telekurs verbunden und gibt die lokalen Kursinformationen weiter. Daneben erhält er die Kursinformationen der anderen beiden Börsen sowie einige ausgewählte Kurse von ausländischen Wertpapier-Märkten.

Insgesamt sind in der Schweiz zur Zeit rund tausend Terminals installiert: 460 in Zürich, 300 in Genf, 210 in Basel und 35 in Bern. Weitere 100 Terminals sollen demnächst an der Börse in Lausanne in Betrieb genommen werden. Über diese Terminals sollen bald einmal auch Informationen aus dem Investdata-System abrufbar sein. Als weitere zusätzliche Applikationen sind Abschlußverarbeitung und das computergestützte Handelssystem vorgesehen.

Die neue abteilungsorientierte Systemreihe P9000 wurde speziell für das Dienstleistungsgewerbe entwickelt. Sie umfaßt laut Rolf Buchli, Marketing Manager Financial Business Systems, drei auf Multi Processor Unix (MPX) basierende Rechner. MPX ist die Unix-Version von Philips für Mehrprozessor-Systeme. Die Systeme sind mit 16- und 32-Bit-Prozessoren ausgerüstet, auf- und abwärtskompatibel und lassen sich, so Buchli, an beliebiger Stelle horizontal und vertikal in Netzwerke einbinden.

OS/2 spielt noch keine Rolle

Als interne Systemarchitektur wurden die ersten vier Schichten des Open Systems Interconnect (OSI)-Referenzmodells implementiert. Die P9000-Rechner entsprechen den Spezifikationen der X/Open-Gruppe - bei der Philips Mitglied ist - und integrieren den MS-DOS-Standard in Unix. "Vom neuen Betriebssystem OS/2 lassen wir uns vorläufig nicht allzustark beeindrucken", erklärt Buchli.

Ein Pilotprojekt von Philips mit der Schweizerischen Bankgesellschaft ist die Megadoc-Unterschriftenkontrolle. Das Megadoc-System ermöglicht mit Laser-Technologie originalgetreues Ablegen und rasches Auffinden von Unterschriftenkarten auf optischen Speicherplatten. Das System besteht vorläufig aus sieben Digital Optical Recording (DOR)-Laufwerken mit sieben Platten, auf denen rund 250 000 Unterschriftenkarten gespeichert sind. Ein achtes Laufwerk wird als Backup-System und zum Kopieren eingesetzt. Die benötigten Unterschriften werden durch Eingabe der Kontonummer auf einen hochauflösenden A4-Bildschirm geholt. Gleichzeitig erscheinen auf einem zweiten Monitor zusätzliche Informationen über den Kontoinhaber, was den Entscheid über die Annahme oder Ablehnung eines Zahlungsauftrags beschleunigt. Mehrere Sachbearbeiter können gleichzeitig auf dieselbe Unterschriftenkarte zugreifen.

Das Projekt läuft zur Zeit auf 16 Arbeitsplätzen im Hauptsitz der SBG. Als Ausbaumöglichkeiten sind der Zugriff über Modem auf entferntere Files, die Übertragung von Archiven auf Megadoc sowie der Anschluß größerer Filialen an das System geplant.