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07.10.1983 - 

"Fünfte Generation" gibt sich protokollunabhängig

Philips startet mit Sopho Netzwerk-Offensive

BRÜSSEL/NÜRNBERG (bi) - Ein herstellerunabhängiges, offenes, paketvermitteltes Weitverkehrsnetzwerk (WAN) der "fünften Generation" stellte jetzt die Philips Telecommunicatie Industrie B. V., Hilversum, in Brüssel der Fachpresse vor: Sopho-Net. Die eigentliche Präsentation des Philips-Netzwerks "zum Anfassen" hat sich das Unternehmen für die Telekommunikations-Weltausstellung "Telecom '83 " in Genf vorbehalten: Knüller das zum WAN passende lokale Netz Sopho-LAN. Drei Multiprozessor-Knoten-Rechner werden installiert sein.

"Sopho-Net" sei so umfassend konzipiert, daß praktisch alle öffentlichen, lokalen und Herstellernetze in das Philips-Netz integrierbar seien. "Eine nichthierarchische Struktur mit verteilter Intelligenz" garantiere Ausfallsicherheit. Universelle Protokollkonvertierungsmöglichkeiten in den Netzknoten sollen Inkompatibilitätsproblemen endgültig den Gar?? machen. Eine in Brüssel ansässige Softwaremannschaft von 45 Leuten

werde den entsprechenden individuellen Support wahrnehmen. Als potentielle Kunden in der Bundesrepublik sieht Hartmut Kling, der zuständige Vertriebsmann der PKI, Nürnberg, 100 bis 150 Großunternehmen beziehungsweise -organisationen. Weltweit schätzt Philips die Zahl möglicher Sopho-Net-Betreiber (Anwender) auf zirka 2000.

Als den wesentlichen Vorteil - neben Wirtschaftlichkeitsaspekten - haben die Entwickler die universelle Übersetzbarkeit dieses Systems, das vorhandene Hard- und Software-Investitionen voll berücksichtigen, gleichzeitig aber auch für die sich wandelnden internationalen und nationalen Normen und "Industriestandards" offen bleiben soll. Um 40 Prozent verminderte Gebührenaufkommen bei den Postverwaltungen sind das zweite schlagende Argument der Philips-Vertriebsleute. Das Konzept sieht nämlich vor, daß alle nur möglichen Übertragungsmedien von Zweidrahtleitung über Koaxkabel bis zu Glasfaser und Satellitenstrecken kostenoptimal genutzt werden.

Das gleiche gilt entsprechend für die Postdienste, von Telex über Datex-P und -L bis zum geplanten ISDN. Aber auch andere Parameter könnten Vorrang erhalten, wie zum Beispiel die Geschwindigkeit oder geographische Modalitäten. Grundsätzlich sei auch die Integration von privaten Nebenstellenanlagen (PBX) vorgesehen, in Deutschland aber zur Zeit wegen der bestehenden Netzinfrastruktur und gewisser Bestimmungen der Bundespost nicht praktikabel. Daten-, Text- und Bild- sowie Sprachkommunikation über die gleiche Leitung des öffentlichen Netzes wird in der Bundesrepublik zur Zeit erst diskutiert. Das angekündigte 64 Kbit/s-Netz der Post dürfte aber nach Meinung der Nürnberger PKI-Leute für Sopho-Net die Marktchancen noch erhöhen.

Das Konzept, sieht ferner vor, daß neben Zentralrechnern und Terminals, Textverarbeitungssystemen und Datenbanken sowie Druckern "praktisch" aller großen Hersteller, auch Server zur Textverarbeitung, Archivierung und Registrierung miteinander kommunizieren können. Auch elektronische Mailbox-Systeme seien über das System realisierbar. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist interessant, daß bestehende Weitverkehrsnetze wie die von IBM, also SNA, und von DEC, also Decnet, sowie die Postdienste Telex, Teletex, Faksimile und Bildschirmtext "im Grundsatz" bereits integrierbar sind.

Die Protokollkonvertierung erfolge, vom Benutzer unbemerkt, automatisch. Das bereits verfügbare erste Release ist eine Konvertierung des IBM-3270-Protokolls für den asynchronen Betrieb, erst Mitte nächsten Jahres soll ein zweites Release die anvisierte Einbindung von SNA-Netzen bringen.

Die Netzwerk-Managementfunktionen sind über das gesamte Netz verteilt, so daß der Netzwerk-Operator dezentral von jeder beliebigen Stelle auf das Netz zugreifen kann.

Die Hardware ist modular in Multi-Mikroprozessor-Architektur aufgebaut. Dadurch sei es möglich, die Netzwerkknoten jedem Bedarf maßgerecht anzupassen. Bis zu 256 16-Bit-Mikroprozessoren mit einer Speicherkapazität bis zu 128 MB können in einem Knoten untergebracht werden.

Auch die Sopho-Net-Software ist modular konzipiert. Sollen beispielsweise neue Systeme mit speziellen Protokollen angeschlossen werden, kann die neue Software für die Protokollumwandlungen "problemlos" übernommen werden. Dafür machen sich die Philipsleute stark.

Die Leistungsanforderungen an Sopho-Net könne der Anwender mit Paketdurchsatzmenge und Knotendurchlaufzeit definieren. Durch Änderung der Anzahl von Stand-by-Prozessoren läßt sich auch die Netzwerk-Verfügbarkeit festlegen. Die Flexibilität erlaube Änderungen der Netzwerkkonfiguration im "Online"-Betrieb, ohne Knoten oder Sub-Netze vorübergehend stillegen zu müssen.

Alle Systeme, ob sie als Übertragungseinrichtungen oder als Endgeräte eingesetzt sind, sind an Sopho-Net, mit ihren eigenen Protokollanscließbar - ohne jede Modifikation an Hard- oder Software. Sopho-Net verwendet Softwaremethoden, der Protokollumwandlung, deshalb können Adaptionen für weite standardisierte oder kundenspezifische Protokolle - will man der Presseinformation glauben - einfach und schnell durchgeführt werden.