Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

14.11.1986 - 

Konferenz gab Bankern Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch:

Philips zeigte Visionen von Zukunfts-Bank

LISSABON (CW) - Neue Märkte im Bankenbereich will sich der Philips-Konzern erschließen. Den State of the Art sowie Trends und Möglichkeiten für die Zukunft zeigte die Konferenz "Banking - The New Service Industry" auf, zu der sich Ende Oktober in Lissabon über hundert Philips-Kunden aus zwanzig Ländern einfanden.

Auf dem Bankenterminal-Markt in der Bundesrepublik kann Philips keinen Blumentopf mehr gewinnen. Zu fest sitzen IBM und Nixdorf hier im Sattel; etwa 80 Prozent des Kuchens haben sie untereinander aufgeteilt. Vom Rest hat sich Siemens den weitaus größten Teil einverleibt. Philips kann nach eigenen Angaben gerade ein Prozent für sich beanspruchen.

In anderen Ländern sieht das Bild für die Niederländer günstiger aus. In Österreich zum Beispiel ist die Banken-DV zur Hälfte in ihrer Hand. Hierzulande laufen die - so der Frankfurter Geschäftsführer Herbert Hubertus - nicht immer rational faßbaren Investitionsentscheidungen zumeist an Philips vorbei.

Infolgedessen konzentriert sich das Unternehmen auf andere Marktbereiche: Einerseits werden Länder, die an der Schwelle zur Computerisierung des öffentlichen Lebens stehen, gezielt umworben. Andererseits sollen Selbstbedienungs-Anlageberatung und "Smartcard" neue Möglichkeiten der Bankendienstleistung eröffnen.

Die Smartcard, ein Konkurrenzprodukt zu Bulls Chipkarte, baut auf eine Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Banken. Bislang wurde sie lediglich in Pilotprojekten getestet. Ebensowenig wie die Konkurrenz glaubt Philips, innerhalb absehbarer Zeit die Magnetstreifenkarte im Routinebetrieb ablösen zu können.

Im Bankalltag sind natürlich vor allem Lösungen gefragt, die den Profit steigern, sprich: Personalkosten einsparen helfen. Die meisten Konferenzredner stellten allerdings die Vorteile für die Kundschaft in den Vordergrund. Einen Schritt in Richtung Kundenfreundlichkeit sieht Philips - wie auch andere Hersteller - in einem Geldausgabeautomaten, der statt mit dem herkömmlichen Sichtschlitz mit einem Bildschirm und einem sogenannten Menümanager ausgestattet ist.

Dieses Gerät wird jedoch keineswegs der Forderung gerecht, die Derek Gall, General-Manager bei der Australia und New Zealand Banking Group Ltd., erhob: "Give the customers a fozzy feeling". Die australische Bankenautomation gipfelt in vollautomatisierten "Drive-in-ATMs (Automatic Teller Machines)", die in Kooperation mit dem Ölkonzern Shell gleich neben dessen Tankstellen installiert sind.

Auch ein neues SB-Terminal, an dem der Bankkunde sich individuell im Dialog mit der Maschine über Geldanlagemöglichkeiten informieren kann, soll zum Wohlbehagen der "Touristenklassen-Kundschaft" beitragen; mit diesem Ausdruck belegten die Bank-Experten die Kleinanleger oder Privatkunden, die möglichst rationell abgefertigt werden sollen. Mit Hilfe eines Menüs kann der Kunde am Touch-screen-Monitor auf Bildplatte gespeicherte Informationen abrufen und mit eigenen Daten modifizieren. Inzwischen testen mehrere Banken in der Bundesrepublik, ob das Gerät von der Kundschaft angenommen wird.

In der Regel soll der beratungsintensive Geschäftsbereich nach einhelliger Meinung der Referenten jedoch dem "menschlichen Personal" vorbehalten bleiben. Hier sind die Bankdienste profitabler als in der "Touristenklasse". Indem sie ihre Personalressourcen auf solche Serviceleistungen konzentrieren, wollen sich die Banken gegen die Konkurrenz von Lebensversicherungen oder anderen Mitbewerbern durchsetzen, die nicht das gesamte Dienstleistungsspektrum abdecken.

Auf der Konferenz nicht vertreten war der wichtigste deutsche Philips-Kunde im Bankenbereich, die Dresdner Bank. Ihr verkauft Philips nicht die 3270-kompatiblen PTS-600-Terminals, sondern Vorrechner des Typs P-7000 - in Verbindung mit einem Anwendungsentwicklungssystem der Münchner Softlab GmbH. Zwischen Philips und dem Softwarehaus besteht seit etwa zehn Jahren ein Joint-Marketing-Agreement für das System "Maestro".

Parallel zur Konferenz zeigte Philips in einer Ausstellung seine Vision vom Bankenarbeitsplatz der Zukunft: Kunde und Berater stehen Gemeinsam an einem Terminal, das Keyboard und Monitor in einer Flachen Platte vereint; ein "elektronisches Buch" wird durch Unterschrift "geöffnet", stellt die Kundendaten bereit und speichert sie ab. Die Technik hinkt den Ideen hier allerdings noch hinterher.

Zukunftsträchtige Themen wie Expertensysteme und Homebanking wurden auf der Banking-Conference nahezu ausgeblendet. Philips bietet nämlich in diesem Bereich bislang keine Produkte an.