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05.03.1993 - 

Umstrittener Artikel im "The Wall Street Journal Europe"

Pierer-Interview zu SNI verfaenglich fuer Siemens

Die englischsprachige Wirtschaftszeitung "The Wall Street Journal Europe" (WSJ) hatte in ihrer Ausgabe vom 26. Februar 1992 unter Berufung auf von Pierer geschrieben, die Siemens AG suche fuer ihren verlustgeplagten Computerbereich Siemens-Nixdorf Informationssysteme (SNI) einen "strategischen Partner".

Die Zentralstelle Information (ZI) von Siemens verbreitete daraufhin in einer "Klarstellung" an die Presse, von Pierer habe "Aussagen in dieser Richtung nicht gemacht" (siehe Kasten, Seite 2). Das Londoner WJS-Buero dazu lakonisch: "Wir stehen zu unserer Geschichte."

In dem WSJ-Interview bekundet zum ersten Mal ein Mitglied des Siemens-Vorstandes oeffentlich Interesse daran, SNI in eine Partnerschaft einzubringen. Wuerden von Pierers Ueberlegungen in die Tat umgesetzt, so das "Wall Street Journal Europe", waere auch der letzte grosse europaeische DV-Hersteller nicht mehr unabhaengig.

Das renommierte Wirtschaftsblatt zitiert von Pierer mit der Aussage, er sei nicht an einer "einseitigen Partnerschaft" interessiert. Wenn SNI schon eine Allianz eingehe, dann muesse es sich auch um eine "echte Kooperation" handeln.

So sei vorstellbar, mit einem oder mehreren Wettbewerbern eine breite Palette von Computerhardware zu entwickeln und moeglicherweise auch zu produzieren.

Als Staerken, die SNI in jede Allianz einbringen koenne, nannte der Siemens-Chef die vorhandene Expertise im Software- und im Mainframe-Bereich sowie den Zugang zum deutschen und europaeischen Markt. Ein solches Geschaeft muesse ordentlich geplant werden und brauche Zeit. "Wir haben unsere Staerken, und wir brauchen einen Partner", zitiert das Blatt den Siemens-Vorstand.

Nach dem Erscheinen des Beitrags dementierte Siemens unverzueglich, dass von Pierer die Aussage gemacht habe, er suche fuer SNI eine "neue, breite strategische Allianz", um "aehnlich wie die drei uebrigen europaeischen DV-Hersteller Unterschlupf bei amerikanischen oder japanischen Wettbewerbern" zu finden. Vielmehr habe von Pierer lediglich auf bereits "bekannte Tendenzen und Ziele hingewiesen". Im Vordergrund stehe nach wie vor die "weitere Gesundung der SNI durch Restrukturierung und Anpassung an den Markt", heisst es weiter. Die bereits existierenden Kooperationen auf Einzelgebieten wuerden fortgefuehrt, groessere Entscheidungen indes "stehen zur Zeit nicht an". Es gehe nicht um ein "Einstellen bisheriger Aktivitaeten, sondern um das Einbringen und Zusammenfuehren von Kompetenzen zwischen Partnern".

Der Chef des WSJ-Bueros in London, Glynn Mapes, beharrte noch am vergangenen Montag auf der Richtigkeit des Berichts: "Die Aussagen von Pierers sind korrekt wiedergegeben." Die Siemens AG behaelt sich nach Aussage ihres Unternehmenssprechers Eberhard Posner vor, weiteres zur Richtigstellung der Sache zu unternehmen. Juristische Schritte, um gegen diese "Fehlinterpretation" vorzugehen, seien nicht geplant.

Bekannte Tendenzen

Hier die Siemens-Presseerklaerung im Wortlaut. Auszug:

In der heutigen Ausgabe von "The Wall Street Jornal Europe" befindet sich ein laengerer Artikel ueber Siemens, der nach einem Gespraech mit Dr. v. Pierer entstanden ist. Dabei wird der Eindruck erweckt, dass Siemens fuer seine Computersparte (SNI) eine neue, breite strategische Allianz suche und aehnlich wie die drei uebrigen europaeischen Computerfirmen bei japanischen oder amerikanischen Wettbewerbern "Unterschlupf suche". Aussagen in dieser Richtung hat Dr. v. Pierer nicht gemacht. Er hat lediglich auf bereits bekannte Tendenzen und Ziele hingewiesen.