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Business-Trend auf der New Yorker Linux-World


31.01.2003 - 

Pinguine tragen Anzug und Krawatte

NEW YORK (CW) - Jung, wild und unangepasst - diese Attribute treffen auf die Open-Source-Fraktion nicht mehr zu. Die diesjährige Linux-World in New York war geprägt vom Auftreten der IT-Anbieter und einer großen Zahl von Besuchern aus der professionellen Business-Anwenderschaft.

Der "org-Pavilion", einst das quirligste Terrain auf der Linuxworld, in dem sich die besten Köpfe der Open-Source-Szene zu einem eher vergnüglichen Spezialistentreffen einfanden, war kleiner als je zuvor. Beherrscht wurde die Konferenzmesse vom 21. bis 24. Januar 2003 im New Yorker Jacob Javits Center von den großen IT-Anbietern. IBM, Sun, HP und Dell sparten nicht an der Größe ihrer Stände; Microsoft hatte seinen Auftritt gegenüber dem Debüt im vergangenen Jahr gleich aufs Vierfache vergrößert. 150 Aussteller waren gekommen, 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Und unter den rund 20000 Besuchern (2002: 16800) dominierten IT-Profis aus Unternehmen.

Für große Anbieter wird Linux zum Milliardengeschäft

Die wichtigsten technischen Entwicklungen mögen weiter in den zahllosen Community-Projekten entstehen - im Stillen. In der Öffentlichkeit machen die großen Anbieter die Musik. Allen voran IBM: Der blaue Riese präsentierte zehn von insgesamt 4600 Kunden, die inzwischen Linux einsetzen. 1,5 Milliarden Dollar Umsatz behauptet der einstige Marktführer für proprietäre Mainframe-Architekturen im letzten Jahr mit Linux-Produkten erwirtschaftet zu haben. Damit dürfte sich die eine Milliarde Dollar, die IBM im Jahr 2001 in die Ausrichtung auf das alternative Betriebssystem investiert hat, weitgehend rentiert haben.

Da mochte Hewlett-Packard nicht nachstehen; Chefin Carleton Fiorina erklärte, Linux-Produkte und -Services seien inzwischen ein Zwei-Millionen-Dollar-Geschäft für HP. Und Dell zog nach mit der Auskunft, man liefere bereits zwölf Prozent der Server mit vorinstalliertem Red Hat Linux aus. Das Linux-Geschäft läuft offenbar vor allem im Highend gut. Dell kündigte ein "High-Performance Computing Cluster" auf der Basis des Blade-Servers "Poweredge 1655MC" an, das aus wahlweise sechs bis 132 Server-Nodes besteht. Einstiegspreis: 42000 Dollar.

Big Blue will Linux auf breiter Front durchsetzen. Mit Montevista stellte IBM einerseits ein Referenzdesign für Smartphones und PDAs vor, in dem ein Emdedded-Prozessor des Typs Power PC 405 LP zusammen mit Montevistas "Linux CEE" (Consumer Electronics Edition) den Stromverbrauch um bis zu 50 Prozent senkt. Andererseits bringt das Tool "System Automation for Linux" von Tivoli für Highend-Umgebungen regelbasierende und automatische Fähigkeiten zur Behebung von Komplikationen in einzelnen IT-Komponenten. Die Datenbank DB2 hat IBM für Linux-Cluster angepasst.

Für Mainframe-Anwender der Z-Series bietet IBM eine "Integrated Platform for E-Business". Das Softwarepaket besteht aus den Betriebssystemen Suse Linux Enterprise Server 7 und der z/VM-Version 4.3, dem Websphere Application Server 4.1 sowie dem Directory Server 4.1 plus einjährigem Supportvertrag. Linux-fertig sind des Weiteren diverse Server der X- und P-Serie ins Angebot gekommen. Die Initiative "Speed Start Your Linux Apps 2003" soll mit preiswerten und zum Teil kostenlosen Produkten und Services weitere Kunden vom quelloffenen Betriebssystem überzeugen.

Das Unix-Business bestimmt die Strategie von Sun

Vorsichtig baut Sun das Linux-Angebot aus, um nicht die eigene Solaris-Basis im Risc-Unix-Highend zu gefährden. Sein Softwarechef Jonathan Schwartz sieht die Zukunft von Linux unverändert bei Web-gerichteten Devices und - trotz bisher marginaler Verbreitung - auf dem Desktop. Jetzt soll auch "Evolution", eine Open-Source-Groupware von Ximian, in das "Open Net Environment" (ONE) eingebunden werden. Dazu hat das Unix-Schwergewicht mit Ximian vereinbart, einen entsprechenden "Sun ONE Connector" zu entwickeln.

Große Hoffnungen verbindet AMD mit Linux. Der Chiphersteller befürchtet, dass Microsoft für den ab April lieferbaren 64-Bit-Prozessor "Opteron" keine fehlerfreie Windows-Version anbieten kann. Linux aber wird das zugetraut, zumal dessen Kernel-Entwickler Linus Thorvalds eine Vorliebe für die dualen 32- und 64-Bit-Fähigkeiten von Opteron nachgesagt wird. Linux könnte anfangs das einzige Betriebssystem für den Itanium-Konkurrenten sein. Entsprechend hörte sich AMD-Chef Hector Ruiz an: "Linux steht wie AMD für Wettbewerb."

SCO indes entwickelt Linux für die Bedürfnisse der kleinen bis mittelgroßen Betriebe weiter. Das Unternehmen präsentierte in New York einen "SCO Office Server for Linux" als fertige Lösung und einen dazu passenden "SCO Office Mail Server" als Alternative zu Microsofts "Outlook". Auch die deutsche Suse AG gab pünktlich zur Eröffnung der New Yorker Messe "Suse Linux Office Desktop" frei, ein Produkt für das untere Marktsegment. Das Software-Bundle ist eine komplette Desktop-Linux-Büroumgebung, die parallel zu Microsoft-Systemen laufen kann.

Doch das bedeutet keine Neuausrichtung bei Suse; der Schwerpunkt der Entwicklungen liegt im Rahmen der mit SCO, Turbolinux und Conectiva gegründeten Initiative United Linux im Server-Bereich. Unmittelbar nach IBM und AMD wurde in New York auch Hewlett-Packard Technologiepartner von United Linux. HP gewinnt für den Preis beträchtlicher finanzieller Zuwendungen Einfluss auf technische Entwicklungen.

United Linux stellte ein neues Softwareentwicklerprogramm vor, die "United Linux Developer''s Zone", zu der IBM ein "Software Evaluation Kit" beisteuerte. Das Linux Professional Institute bietet künftig ein Zertifizierungsprogramm für IT-Professionals an, die mit Distributionen "powered by United Linux" arbeiten.

Auffallend zurückhaltend zeigte sich Red Hat in New York. Als Neuigkeit präsentierte das Unternehmen lediglich ein Modul für das System-Management auf der Basis von Red Hat Network. Es überwacht nicht nur Systeme, Netz-Devices, Anwendungen und Transaktionen, sondern gestattet auch Analysen der Nutzungstrends und ein Asset-Management. Der Linux-Distributor scheint voll durch seine Allianz mit Oracle und Dell ausgelastet zu sein, die unter der Flagge "Unbreakable Linux" aufs Highend zielt. (ls)