Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

09.07.1976 - 

Die Praxis der Personalinformationssysteme

PIS ohne Gesamtkonzept und Nutzenanalyse

BERLIN - In den letzten fünf Jahren wurde an zahlreichen Stellen intensiv am Aufbau von Personalinformationssystemen (PIS) gearbeitet. Die vorhandenen Systeme sind zu über 90 Prozent vom Anwender selbst erstellt - allerdings durchweg ohne ein Gesamtkonzept mit genauer Definition des Endausbaues. Auch Kostenvorplanungen, Nutzenanalysen und Konzepte für die Weiterentwicklung sind kaum zu finden. Das ergab eine Studie über "Strukturellen Aufbau und Leistungsbreite bestehender Personalinformationssysteme", die Dr. W. Sämann, Prof. Dr. B. Schulte und K. Weertz vom Institut für Arbeitswissenschaft an der TU Berlin im Auftrag des Ausschusses für wirtschaftliche Verwaltung (AWV) durchführten. Der AWV-Ausschuß "Personal und Arbeit" will mit BMFT-Förderung ein umfassendes, allgemein gültiges Modell für ein EDV-gestütztes Personal- und Arbeitsplatzinformationssystem entwickeln und mit standardisierten Teillösungen (Moduln) realisieren. Die Studie sollte Aufschluß über Ausgangslage und Bedarf geben.

Nach den Feststellungen der Berliner Arbeitswissenschaftler ist die Lohn- und Gehaltsabrechnung in der Regel nicht in die vorhandenen PIS integriert. Umfassende Systeme unter Einbeziehung von Planungsmethoden wurden - so ergab eine Befragung, bei der 28 auswertbare Antworten eingingen - in keinem Fall eingesetzt: "Das ist nicht so sehr ein DV-Problem als vielmehr eine Frage des Entwicklungsstandes der Personalplanung überhaupt." Eine Personalersparnis - so gaben die Befragten an - wurde nur durch Übernahme der L/G-Abrechnung auf EDV erzielt. Personalinformationssysteme dagegen erfordern in der Regel einen Personalmehraufwand, der dann durch erhöhte Leistung überkompensiert werden muß.

Als typische Schwierigkeiten beim Aufbau von PIS wurden genannt:

- Überschätzte Nutzenvorstellungen

- Ungünstige Außeneinwirkungen durch gesetzliche und tarifliche Regelungen sowie - im öffentlichen Bereich - durch unklare politische Entscheidungen

- Fehlende Daten bei der Erfassung

- Nicht einheitlich aufbereitete Daten

- Sehr aufwendige Datenerfassung

- Festlegung der Dateninhalte

- Aufwendiges Lochkartenverfahren

- Keine Trennung Stammsatz - Historischer Satz

- Psychologische Schranken der Personalreferate gegen PIS - Erhebliche Abweichungen Idealkonzept - Reallösung

- Mangelnde Aktualität der Daten

- Terminschwierigkeiten bei der DV

- Unterschiedliche Vorstellungen der Fachabteilungen zur Datenausgabe.

In ihrer Studie kommen die Arbeitswissenschaftler zu folgenden Schlußfolgerungen:

- Personal-Informations-Systeme sind sowohl bei Anwendern wie auch Anbietern (EDV-Hersteller und Software-Häuser) noch nicht in dem Umfang voll funktionsfähig, wie es gemeinhin den Anschein hat.

- In Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung besteht ein großes Interesse an der Entwicklung eines praktikablen PIS.

- Eine überbetriebliche Standardisierung von Daten und Methoden wird sehr begrüßt, die konsequente Realisierung jedoch als äußerst schwierig betrachtet.

- Die Schwierigkeiten werden nicht so sehr in der Entwicklung einer umfassenden Modellstruktur, als vielmehr in deren praktischer Realisierung gesehen.

- Da die Modellstruktur von dem Datenbedarf und den Planungsmethoden geprägt wird, sollte ein PIS-Projekt stärker von Fachleuten der Personalplanung und Systemanalyse als von DV-Spezialisten gesteuert werden.

- Die begleitende Literaturanalyse (54 Quellen) hat wenig Brauchbares hinsichtlich einer unmittelbaren Verwendung geliefert. Notwendige Teilinformationen sind besser aus einigen Unternehmen direkt zu erhalten.

- Aus Konkurrenzgründen sind nicht alle Firmen bereit, im Interesse gemeinsamer Lösungen ihre bisherigen Arbeitsergebnisse auf dem Gebiet der PIS der Projektgruppe voll offenzulegen.

Es fehlen Standards

Für die Realisierung eines Personalinformationssystems fehlt es bisher - so die Arbeitswissenschaftler - an Personalplanungsmethoden, an allgemein anerkannten Beschreibungen sinnvoller Moduln für ein PIS, an Erfahrungen mit der Standardisierung von Schnittstellen und mit dem überbetrieblichen Datenaustausch.

Oberösterreicher wollen kein PIS

LINZ - Die Unternehmen in Oberösterreich haben keinen Bedarf an computerunterstützten Personalinformationssystemen. Das ergab eine Umfrage, die Prof. Dr. L. Heinrich und Dr. M. Pils vom Institut für Fertigungswirtschaft und Betriebsinformatik der Universität Linz durchführten. Die befragten Personalleiter gaben als Grund für ihre Ablehnung fehlende Wirtschaftlichkeit an und erklärten außerdem, sie empfänden es als inhuman, den Mitarbeiter mit dem gleichzusetzen was heute EDV-technisch erfaßbar sei ("Fähigkeitsprofile" der Mitarbeiter und "Anforderungsprofile" für Arbeitsplätze). Sie hielten den DV-Einsatz über Lohn- und Gehaltsabrechnung hinaus zur Unterstützung der Personalarbeit zwar für zweckmäßig aber nicht in der heute von Herstellern und Beratungsunternehmen empfohlenen Form.

Informationen: Forschungsbericht PIS, Forschungsschwerpunkt Betriebsinformatik, Universität Linz, Altenberger Str. 69, A 4045 Linz-Auhof