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10.02.1984 - 

Bundespost läßt neues Gebührenmodell diskutieren:

Planspiele um Datex-P- und Datex-L-Erhöhung

MÜNCHEN - Kostensteigerungen von durchschnittlich 50 bis 60 Prozent stehen

Datex-Anwendern Ins Haus - zumindest dann, wenn die Bundespost ihr neues Gebührenmodell für Datex-P und Datex-L durchsetzen kann, Danach ist vorgesehen, die Grundgebühr für die beiden Dienste um je 100 Mark zu erhöhen, außerdem soll bei Datex-P die dritte Volumenstufe wegfallen. Zur Debatte steht angeblich auch eine Erhöhung der Zeitgebühr bei Datex-L. Zu einer offiziellen Stellungnahme - obgleich frühzeitig in Bonn angefordert - sah sich das Ministerium bisher nicht in der Lage.

Auch die Betroffenen selber, die in der Arbeitsgruppe des Arbeitsausschusses für Datenfernverarbeitung beim Darmstädter Fernmeldetechnischen Zentralamt (FTZ) zusammengeschlossenen Hersteller und Anwender, hüllen sich offiziell in Schweigen. Ihr Argument. Man habe untereinander und mit der Post vereinbart, zunächst in internen Diskussionen nach Einigungsmöglichkeiten zu suchen.

Bekannt wurde aber von der letzten Sitzung des Gremiums am 19. Januar immerhin, daß nach den neuesten Berechnungen der Post die beiden Datex-Dienste kräftige Defizite verursachen. So soll der Kostenunterdeckungsgrad von Datex-P bei 35 Prozent liegen und der von Datex-L bei 39 Prozent. In einem ersten Schritt will die Post nun immerhin eine Kostendeckung von mindestens 50 Prozent erzielen und in einer zweiten, 1987 vorgesehenen Stufe dann das Minus auf nur noch 20 Prozent begrenzen.

Auf besonderen Unmut, so berichteten übereinstimmend Teilnehmer, die es allerdings allesamt vorzogen, nicht genannt zu werden, stieß auf dieser Sitzung das Vorgehen der

Post: Sie habe die zwei Zahlen auf den Tisch gelegt, sich aber geweigert, nähere Angaben über ihre Kalkulationsgrundlage zu machen. Auf ungläubiges Staunen sei vor allem das errechnete Defizit bei Datex-L gestoßen, da es noch im vergangenen Jahr geheißen hatte, dieser Dienst werde billiger. Aber auch die Datex-P-Erhöhung falle überdurchschnittlich hoch aus, mit Steigerungen in diesem "drastischen Ausmaß" habe niemand gerechnet.

Über die eigentlichen Gründe für die beabsichtigten Gebührenerhöhungen gibt es eine Fülle von Vermutungen und die Spekulationen schießen dementsprechend wild ins Kraut. Die plausibelste Version ist nach allgemeiner Ansicht die folgende: Die Post betreibt mit Macht den

Auf- und Ausbau des ISDN (= Integrated Services Digital Network) und hat daher den sonst allgemein üblichen Abschreibungszeitraum bei Datex-P und Datex-L von 20 Jahren auf zehn Jahre verkürzt. Es dauert zwar noch mindestens bis 1990, bis das ISDN flächendeckend zur Verfügung steht, doch muß die Post diese Entwicklung bereits jetzt in ihre Finanzplanungs- und Netzausbaustrategie mit einbeziehen.

Auch für die Erhöhung von Datex-L haben die Verfechter dieser Version ein Argument parat: Würden allein die Gebühren bei Datex-P gesteigert, so wanderten alle betroffenen Anwender so schnell wie möglich in das billigere Netz, unabhängig davon, ob dies sinnvoll sei oder nicht.

Gegen diese optimistische Annahme spricht nach Meinung von Kritikern allerdings, daß die Bundespost und vor allem Minister Christian Schwarz-Schilling zwar immer wieder betonen, sie wollten ISDN tatsächlich beschleunigt einfuhren, Konkretes aber bisher noch nicht auf den Tisch gelegt haben. Offensichtlich erhofft sich aber die nachrichtentechnische Industrie, allen voran die traditionellen "Amtsbaufirmen", in Kürze nähere Aufschlüsse zum Thema ISDN. So meinte etwa ein Vertreter von SEL: "Ich hoffe, daß auf dem Online, -Kongreß in der Richtung schon erkennbar wird, wo die Reise hingeht.'

Erklärungsversuch Nummer zwei für die Gebührenerhöhung: Die Bundespost will durch Verteuerung von Datex-P genügend Kapazitäten für den Btx-Rechnerverbund schaffen. Die Verfechter dieser Meinung bleiben allerdings eine schlüssige Antwort auf die Datex-L-Erhöhung schuldig.

Version Nummer drei: Nachdem der Haushaltsausschuß des Deutschen Bundestages bereits den Bundesrechnungshof beauftragte, die Wirtschaftlichkeit der Verkabelung unter die Lupe zu nehmen, könnte ähnliches auch in anderen Bereichen des Fernmeldewesens 'drohen. Der Minister kommt dem zuvor und sorgt für eine bessere Kostendeckung in den defizitären Datenübertragungsdiensten.

Die betroffenen Anwender freilich haben für Planspiele dieser Art wenig übrig, sie fühlen sich vielmehr durch die seit anderthalb Jahren herrschende "Planungsunsicherheit" an der Nase herumgeführt. Kritisch vermerkt wird auch, daß ausgerechnet eine Regierung, die sich die Ankurbelung der Wirtschaft und die Mittelstandsförderung aufs Panier geschrieben hat, jetzt mit Gebührenerhöhungen kommt. Dies bewirke genau das Gegenteil, da auf diese Weise für Klein- und Mittelbetriebe die Datenfernverarbeitung von den Kosten her unattraktiv werde. Was, so wird gefragt, helfen preisgünstige Personal Computer oder Low-Cost-Terminals, wenn die Leitungsgebühren für DFÜ-Anwendungen von der Höhe her überproportional hoch sind?

Die Bundespost freilich dürfte sich von den Klagen der Anwender wenig beeindrucken lassen, da Ausweichmöglichkeiten, etwa der Wechsel zum HfD-Netzt, kaum gegeben sind. Meint denn auch einer der Betroffenen resignierend: "Uns bleibt letztlich nichts anderes übrig als zu zahlen". Trotz alledem überwiegen aber derzeit die Stimmen derjenigen, die auf eine gütliche Einigung hoffen. Noch, so heißt es, sei das letzte Wort von seiten der Post nicht gesprochen.