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06.09.2002 - 

Kosten senken in der IT/Systematische Aufwandsschätzung für IT-Projekte

Planung reduziert Druck und Kosten

Der Aufwand für IT-Systeme wird in der Regel um den Faktor zwei zu niedrig veranschlagt. Ein Thema mit vielen Facetten: Wissen viele Projektleiter nicht, wie Schätzungen zu erstellen und die Ergebnisse zu bewerten sind? Wollen sie sich nicht in ein Zahlengerüst zwängen, das später drückt? Von Gerd Henselmann* und Thorsten Wenzel*

In der Palette der IT-Werkzeuge gibt es formalisiertes Vorgehen und entsprechende Methoden zur Aufwandsschätzung. Wenn Unternehmen den Zusammenhang zwischen vagen Aufwandsschätzungen und gescheiterten IT-Projekten erkennen, werden sie auch in der Lage sein, Projekte zuverlässiger ans Ziel zu führen und Kosten zu reduzieren.

Den Weg zum Ziel beschreiben die folgenden Schritte:

Erster Schritt: Informieren und motivieren. Wer weiß, wie man schätzt, und die dafür erforderlichen Instrumente beherrscht, kann sich mit Zeit- und Kostenplanung profilieren und für sein Unternehmen und seine Position Vorteile erzielen. Der Anstoß sollte vom Management kommen, und deshalb muss zuerst die Führungsebene informiert werden, welche Probleme und Chancen mit Aufwandsschätzungen in IT-Projekten verknüpft sind.

Zweiter Schritt: Nutzen aufzeigen. Von IT-Aufwandsschätzungen profitieren Unternehmen strategisch, kulturell und materiell. Transparenz macht produktiv und baut Ängste ab.

Die bei Aufwandsschätzungen ermittelten und ausgewerteten Software-Metriken dienen als Risikoanzeiger und Frühwarnsysteme für den Verlauf von IT-Projekten. Interne Vorhaben werden sicherer geplant, externe zuverlässiger bewertet. Die ermittelten Werte zeigen auf, wo Kosten reduziert werden können, liefern Kennzahlen für die Produktivität künftiger Systeme und Hinweise auf Verbesserungspotenziale der Softwarequalität.

Dritter Schritt: Wissen vermitteln. Es gibt eine Reihe von Methoden und Werkzeugen für die Aufwandsschätzung in IT-Projekten. Am bekanntesten und seit Jahren eingesetzt ist die Function-Points-Methode. Außerdem widmen sich nationale und internationale Gremien dieser Aufgabe.

Vierter Schritt: Eine Schätzkultur implementieren. Davon wird die IT eines Unternehmens nicht nur bei großen neuen Aufgaben profitieren, sondern auch bei den täglichen Abläufen: Wo systematisch geschätzt und geplant wird, entsteht ein Erfahrungswissen, das der IT-Qualität insgesamt zugute kommt: Auf dieses Wissen kann jederzeit, auch in laufenden Projekten, zugegriffen werden, und es erlaubt, fertig gestellte Systeme rückblickend zu bewerten. Bei diesen Aktivitäten werden Aufwands- und Kostendaten gesammelt, so entsteht eine Metrikdatenbank, die jederzeit über Qualität und Risiken von Projekten informiert.

Fünfter Schritt: Das Tagesgeschäft. Es gibt eine Vielzahl von Aufgaben, bei denen das aus den Aufwandsschätzungen gewonnene Wissen und die eigene Schätzkultur zusätzlichen Nutzen bringen: Bei der Qualitätssicherung, bei Reengineering- und Sanierungsmaßnahmen oder bei Release- oder Betriebssystem-Wechseln.

Es liegen Veröffentlichungen und Datensammlungen aus zahlreichen Projekten vor. Diese Informationen werden in den USA intensiver genutzt als in Europa. Bei den Methoden zur Aufwandsschätzung ist zu unterscheiden zwischen der Bestimmung der Größe eines Softwaresystems und der Ermittlung von Aufwand, Kosten und Dauer.

Metriken zur Beschreibung der Größe eines Softwaresystems sind aus Sicht des Anwenders: Function Points, Cosmic Full Function Points, Feature Points, Object Points, MKI. Aus Sicht des Entwicklers handelt es sich um konstruktive Metriken wie Lines of Code (LOC), Anzahl der Module und Komplexitäts-Metriken. Da funktionale Metriken die Anwendersicht widerspiegeln, eignen sie sich für die Kosten-Nutzen-Analyse und für frühe Schätzungen wie beispielsweise vor Projektstart oder nach Ende der Analyse im Software-Lebenszyklus.

Werkzeuge zur Ermittlung von Aufwand, Kosten und Dauer auf Basis der Größe und der Rahmenbedingungen sind beispielsweise: Cocomo II von der Universität of Southern California, ferner die Projektauswertungen der International Software Benchmarking Standard Group (ISBSG) und Erfahrungsdatenbanken.

Kommerzielle und nichtkommerzielle Werkzeuge für die Ermittlung der Metriken zur Größenbestimmung und für die Bestimmung von Aufwand, Dauer und Produktivität stehen von verschiedenen Anbietern zur Verfügung. Sammlungen von internationalen Projektdaten gibt es ebenfalls; auch sie können statistisch ausgewertet werden. Die Daten daraus eignen sich für Benchmarks und für frühe Aufwandsschätzungen bei unvollständigen Projekt-Anforderungen. Ferner liegen statistische Auswertungen zur Produktivität verschiedener Programmiersprachen vor, in denen die von einer Programmiersprache benötigten Lines of Code zur Realisierung eines (benutzerorientierten) Function Point genannt werden.

Für Unternehmen ohne eigene Erfahrung mit systematischen Schätzmethoden empfiehlt es sich, gemeinsam mit einem externen Spezialisten ein geeignetes Vorgehensmodell zur langfristigen Absicherung der Schätzmethodik festzulegen. Temporär oder kurzfristig zum Beispiel bei komplexen oder kritischen Entscheidungen können diese wieder an Bord genommen werden. (bi)

*Professor Gerd Henselmann ist an der Fachhochschule Schmalkalden tätig (u.a.), Dr. Thorsten Wenzel bei der Collogia Unternehmensberatung in Köln.

Angeklickt

- Trotz knapper Budgets ist die Notwendigkeit systematischer Aufwandsabschätzungen in den Köpfen vieler IT-Entscheider noch nicht fest verankert.

- Eine Reihe von Gremien neben ISO und der Gesellschaft für Informatik zeigt bewährte Vorgehensmodelle auf:

- COSMIC (Common Software Metrics International Consortium)

- DSAMA (Deutschsprachige Anwendergruppe für SoftwareMetrik und Aufwandsschätzung)

- FESMA (Federation of European Software Metrics Association)

- IFPUG (International Function Point User Group)

- ISBSG (International Software Benchmarking Standards Group)

Abb: Methoden und Werkzeuge zur Aufwandsschätzung

Unterschiedliche Sichten auf verschiedene Schätzzahlen. Quelle: Collogia