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Informations- und Materialfluß muß synchron laufen

Planung und Aufbau eines Logistik-Informationssystems

29.09.1989

MÜNCHEN (CW) - Zielgrößen wie flexible Fertigung, niedrige Kosten und hohe Lieferqualität können nicht allein durch die Systemvernetzung von CIM-Komponenten erreicht werden. Hier bedarf es den Informations-, Material- und Warenfluß eines Unternehmens sinnvoll zu koordinieren und zu optimieren. Ein dafür geeignetes Mittel ist die Integration eines CIL-Systems (Computerintegrierte Logistik).

Die Informationslogistik läßt sich als diejenige Logistik definieren, die für eine optimale Kommunikation sorgt, um die gesamte Wertschöpfungskette bestmöglich abzuwickeln. Damit wird der Begriff Informationslogistik zu einem übergeordneten Mittel, das in allen Betrieben und Unternehmen sowohl die physischen wie auch die nicht-physischen Vorgänge steuert.

Ein rechnergestütztes Logistiksystem muß ohne Unterbrechung, das heißt rund um die Uhr, störungsfrei arbeiten. Es darf zu keinem Verlust von Informationen kommen, sei es bei der Materialversorgung für die Fertigung, beim Transport von Waren, bei der Überwachung oder Steuerung von Maschinen und Robotern. Des weiteren muß ein solches System über eine horizontale und vertikale Kommunikationsfähigkeit verfügen. Hierzu zählt unter anderem der Anschluß von Personalcomputern, BDE-Geräten, Prozeßrechnern, Kassen, Banken. Terminals und Btx-Geräten. Alle Systemkomponenten müssen modular aufgebaut sein, damit sie isoliert einsetzbar und später in ein Konzept integrierbar sind. Obendrein müssen sie offen sein, um auch mit Modulen anderer Hersteller kommunizieren zu können. Daher sind hier Standards, Schnittstellen und Standardprotokolle unerläßlich.

Logistik bedeutet primär Integration, und zwar organisatorische Einbindung der verschiedenen (heute überwiegend noch in Teilbereichen wahrgenommenen) eigenständigen Funktionen des Material- und Warenflusses.

Transparenz erhöhen - Lagerbestand reduzieren

Integration bedeutet ferner Zentralisierung der Planung, Steuerung und Kontrolle gemeinsam erarbeiteter Ziele mit entsprechenden Instrumenten. Sie soll die Transparenz erhöhen sowie Bestände auf das notwendige Maß reduzieren. Das Erreichen dieser Zielgrößen muß im Interesse eines jeden Unternehmens liegen.

Integration bedeutet somit auch Schaffung integrierter logistischer Informationssysteme, die sich speziell am Datenbedarf zur Planung, Steuerung und Kontrolle logistischer Systeme orientieren.

Bis heute werden die einzelnen logistischen Bereichsinformationen separat betrachtet (Transportinformationen, Bestands- oder Auftragsinformationen). Begründet wird diese Inselbetrachtung mit den Spezifika an Informationsbedarf, die in den einzelnen Bereichen anfallen. Übergreifende integrierte Informationssysteme, die in einem Arbeitsgang Bestandsdaten, Zustandsdaten oder Versanddaten erfassen und allen Beteiligten jederzeit zur Verfügung stellen existieren bisher nur in wenigen Firmen. Unternehmensübergreifende Datenbanken sind erst im Entstehen begriffen. Der Bedarf nach einer solchen - die Gesamtlogistik eines Unternehmens und der mit ihr korrespondierenden externen Systeme beinhaltend - ist jedoch inzwischen erkannt und in einer Vielzahl von Ansätzen in Verwirklichung begriffen.

Neue Logistikstrategien schaffen die Voraussetzung für eine bessere Service-Erfüllung, einen beschleunigten Materialdurchlauf sowie eine Reduzierung der zum Teil erhöhtet Logistikkostenanteile. Durch die Integration von CIL (Computerintegrierte Logistik) in CIM-Konzepte werden Abläufe sinnvoll koordiniert und optimiert. Logistisches Denken und Handeln erfordert ganzheitliche Betrachtungen hinsichtlich des Materialflusses und des zugehörigen Informationsflusses. Den Materialfluß gilt es kostengünstig zu automatisieren. Die Logistik soll die bessere Steuerung, Überwachung und Planung der Material- und Informationsströme ermöglichen. Lager-, Transport- und Handhabungsautomaten, computerintegrierte Logistiksteuerungen und rechnergestützte Planungsinstrumente bilden die Eckpfeiler des Materialflusses und der Logistik in den 90er Jahren.

Ganzheitliche Betrachtungsweise

Der Einsatz neuer Methoden und Technologien wird zu einem Erfolgspotential mit sehr hohem strategischen Stellenwert. Im Mittelpunkt dabei steht die ganzheitliche Betrachtungsweise sämtlicher Logistik-Komponenten. Erst die Gesamtbetrachtung, und nicht die Summe aller Einzelaktionen, führt zum angestrebten Erfolg. Eine Analyse der gesamten Wertschöpfungskette zeigt, wie es möglich ist, die Logistikkosten - vor allem in den Bereichen Lager, Verpackung und Administration - durch geeignete Maßnahmen zu reduzieren. Die Devise heißt: Die Informationen gemeinsam mit dem Material fließen lassen. Flexibilität verbunden mit einer hohen Lieferbereitschaft soll nicht durch große Lagerbestände erreicht werden, sondern durch eine integrierte Warenflußsteuerung. Wie bereits erwähnt, geht es darum, die einzelnen Maschinen zu einem Produktions- oder Logistiksystem zusammenzufügen. Das nahtlose Zusammenspiel der Systemkomponenten garantiert letztlich die volle Funktionsfähigkeit des Systems und dessen Wirtschaftlichkeit.

Die Entwicklung geht eindeutig in Richtung Computer Integrated Manufacturing and Logistics, also CIM und LOG. Die Revolution ist dabei eher in der Software zu erwarten, wo hochdynamische Planungsmodelle mit voller Simulationsfähigkeit entwickelt werden, um die Leistungsfähigkeit der Fertigungs- und Logistik-Einrichtungen auszunützen. Bei der Optimierung von Logistiksystemen erreicht alleine die Konzentration auf das Geschäftssystem des eigenen Unternehmens nicht mehr aus. Auch Schnittstellen zu Lieferanten und Vorlieferanten sowie zu Warenempfängern und Konsumenten müssen in ein übergeordnetes Gesamtsystem einbezogen werden. Weiterhin sind das Zusammenspiel von strategischen, operativen und organisatorischen Möglichkeiten für eine zukunftsweisende Gestaltung der Logistik zu beachten.

Industriespezifische Logistikschwerpunkte richten sich nach der Fertigungs- und Kapitalintensität, die je nach Branche unterschiedlich sind. Wie sich logistische Aktivitäten sinnvoll entfalten lassen, sollen folgende Beispiele illustrieren.

In der Produktion kann beispielsweise durch Nutzung der computergestützten Automatisierung mit CAD/CAE, CAP und CAM sowie durch Integration dieser Systeme (CIM) die Leistung erheblich gesteigert werden. Auf die Logistik wirkt sich vor allem die Senkung der Durchlaufzeiten und die Erhöhung der Flexibilität aus.

In der Beschaffung ist ein Trend in Richtung integriertes Versorgungsmanagement erkennbar. Zu seinen Zielen gehört die regelmäßige Überprüfung des Lieferantenmix, der Einkaufsverträge, der regionalen Verteilung, Bezugsquellen und der Verfügbarkeit knapper

Rohstoffe.

Ein weiteres Ziel ist die Sicherung eines Versorgungsvorteils durch Pflege von Kooperationen mit Lieferanten oder auch Mitbewerbern zur gemeinsamen Nutzung von Ressourcen.

In der Distributionslogistik kann zum Beispiel der Handel Wettbewerbsvorteile erlangen, indem er die Kosten und Profitabilität der einzelnen Artikel über das globale Geschäftssystem hinweg ermittelt und sein Vorgehen danach ausrichtet.

Die integrierte direkte Produktprofitabilität (DPP) ergibt sich aus der Summe der produktbezogenen Kosten und der Differenz zum Endverbraucherpreis. Mit Hilfe solcher exakten Kosten kann ein Gesamtkonzept entwickelt werden, mit dem alle Chancen in Strategie, operativen Bereichen und Information genutzt werden können.

Strategien für die 90er Jahre

Neue zukunftsweisende Technologien, Anwendungen und Konzepte für eine produktive Informationsverarbeitung werden zunehmend wichtig für eine rationale Entscheidungsfindung in vielen Handelsunternehmen.

Gerade im Hinblick auf die bevorstehenden 90er Jahre werden nur diejenigen Unternehmen überleben, die in der Lage sind, alle relevanten Informationen zielgerichtet auszuwerten und ein effizientes betriebswirtschaftliches Instrumentarium einzusetzen, um den Kostendruck zu bewältigen und gleichzeitig die Rentabilität zu sichern.

Parallel zu neuen Informationswünschen verändern sich die Möglichkeiten, Informationen kostengünstig zu gewinnen. Der Zwang zur ständigen Kostensenkung erfordert den Einsatz wirksamer Mittel in der Informationsverarbeitung, wie zum Beispiel die Kommunikation mit Dritten über Datenfernübertragung und die Integration von Kassensystemen, MDER-Geräten, Waagenanschlüssen oder elektronischen Regalplatzauszeichnungen.

In der Informations- und Kommunikationstechnik genügt heutzutage nicht nur die Einhaltung existierender Standards, sondern es geht vielmehr darum, ein Konzept für heutige und zukünftige Standards auf einen Nenner zu bringen.

Anforderungen an die Datenverarbeitung

Zusammenfassend entsteht aus Anwendersicht folgendes Anforderungsprofil an die Datenverarbeitung:

- Offene Systemarchitektur, die den Zugang zu einem umfassenden Hardware- und Softwaremarkt ermöglicht

- Zugriff auf ausgereifte, leistungsstarke Anwendersoftware für die Warenwirtschaft, die Datenfernübertragung und den Anschluß von Subsystemen (für Kassen, Waagen etc.)

- Wahrung der Flexibilität für neue Anforderungen und Auswertungen

- Sicherung der Investition durch Portabilität der Software

- Sicherung der Produktivität in der Systempflege und -erweiterung durch moderne Werkzeuge der vierten Generation.

Volker Heiner ist freier Fachjournalist in Krefeld.