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16.05.1986 - 

Hochwertige Technik muß nicht tragbar sein:

Plasma-Portables kommen kaum "groß raus"

MÜNCHEN - Daß Anwender zuweilen aufgrund der hohen Preise tragbarer Mikrocomputer vor dem Kauf zurückschrecken, mag den diversen Anbietern von Portables unverständlich erscheinen. Setzt man jedoch die Leistung, den Nutzen und die technische Zuverlässigkeit dem Preis entgegen, zeigen sich arge Enttäuschungen: Gerade beim Display müssen Abstriche gemacht werden, obgleich immer wieder die technischen Neuerungen als Nonplusultra propagiert werden. So haben auch die Plasma-Bildschirme in den Forschungsstätten der meisten Portable-Anbieter vorerst nur eine kleine Startphase durchgemacht.

Das größte Hindernis, um die Tragbaren marktattraktiv zu machen, ist der nach wie vor hohe Preis, mit dem die neue Technik erkauft werden muß. So können die Anbieter dieser Systeme vorerst den Interessenten, die auf etwas Sinnvolleres als LCD oder ähnliche Display-Techniken warten, nur vertrösten. Bestenfalls bietet man dem User einen tragbaren Computer an, der preislich zwar akzeptabel, technisch jedoch weniger ausgereift ist. So wird der Anwender bei den Liquid-Crystal-Displays mit einer dürftigen Form der Zeichen-/ Grafikdarstellung auf dem Bildschirm konfrontiert, was spätestens bei unzureichender Arbeitsplatzbeleuchtung für die Augen zur Zumutung ausartet.

Auf der anderen Seite der Preis: Für die Tragbaren mit Flüssigkristallanzeigen brauchen in der Grundkonfiguration derzeit kaum mehr als 8000 Mark ausgegeben zu werden. Die preislich etwas darüber liegenden Ausnahmen, wie beispielsweise Hewlett-Packards Portable HP 10, verfügen dann - gewissermaßen als Ausgleich - über ein reichhaltigeres Software-Angebot oder über eine von Haus aus höhere Hauptspeicherkapazität. Doch bei näherer Betrachtung zeigt sich, daß eine aufgepäppelte Grundplatine nicht über den Mangel von 16 verfügbaren Bildschirmzeilen hinwegtäuschen kann, die beispielsweise bei der Textverarbeitung nicht ausreichend sind.

Zwar bieten mittlerweile die meisten Portable-Hersteller ein Display mit 25 Zeilen und 80 Zeichen pro Zeile an, was dem Tischgeräte-Standard wieder Rechnung trägt, doch wird bei manchen Systemen gleichzeitig als Option die Möglichkeit des externen Monitor-Anschlusses gewährt. Damit ist allerdings wieder die Philosophie des Portables in Frage gestellt.

Vorteilhaft ist die Tatsache, daß die meisten dieser tragbaren Geräte ohne die Steckdose in der Nähe betrieben werden können; aufgrund des niedrigen Stromverbrauchs des LCD reichen Batterien, oder - bei anspruchsvollerer Ausführung - ein Akku, der über mehrere Stunden hinweg die Energieversorgung sichert. Da die Flüssigkristallanzeige durchweg kaum Platz (in der Tiefe) und Gewicht beansprucht, bietet sich den Anwendern zudem der Vorteil, daß das Innenleben der Portables im Laufe der Zeit für mehr Performance genutzt werden konnte: mehr Hauptspeicher, 51/4-Zoll-Diskettenlaufwerke und teilweise auch integrierte Drucker waren möglich geworden, nachdem der Bildschirm sich nur noch als flache Anzeigetafel präsentierte.

Um der oft von Anwenderseite bemängelten Lesbarkeit des Bildschirms entgegenzuwirken, hatten die Hersteller mit einer integrierten Beleuchtung das Liquid-Crystal-Display zwar etwas aufzuhellen vermocht. Die ideale Lösung scheint dies jedoch immer noch nicht zu sein. Sozusagen als kleines Extra für alle, die auf Farbdarstellungen auf dem LCD nicht verzichten wollten, hatte die Industrie denn auch bald eine Losung parat: Man wählte diverse Graustufen, um den Effekt der farblichen Abgrenzung halbwegs zu visualisieren.

Das Problem, die weniger gute Lesbarkeit im direkten Vergleich zu CRT-Monitoren bei Tischgeräten, blieb jedoch. Um diesem Umstand aus dem Wege zu gehen, hatten sich andere Anbieter wie zum Beispiel Compaq oder Osborne dazu durchgerungen, auch bei den Portables auf die Technik des grünen oder bernsteinfarbenen Monochrom-Monitors zurückzugreifen .

Als gravierenden Nachteil empfinden die User allerdings hier das zwangsläufig hohe Gewicht dieser Geräte. Als zweites Manko stand das Problem der Stromversorgung im Raum, da diese Bildschirme auf Netzspannung angewiesen sind. Somit sind die Portables dieser Kategorie aufgrund ihres durchweg recht hohen Gewichts kaum noch "tragbar" und zum zweiten wegen der Abhängigkeit von der Steckdose eben nicht überall ungehindert einsetzbar. Dazu kommt die oftmals geringe Größe der Bildschirme, die eine angestrengtere Arbeit sowie schnellere Ermüdung verursachen als etwa Tischgeräte. Ein anderer unerfreulicher Punkt ist die Nachleuchtdauer der Bildschirme. Sie ist häufig störend lang, da die Hersteller den Aufwand einer hohen Bildwiederholfrequenz offensichtlich scheuen. Allerdings ist dies kein Portable-Problem allein: Selbst Hersteller von Tischmodellen ignorieren heute noch den Stand der Technik.

Immerhin begriffen einige Hersteller, daß ein neues Konzept her müsse, um den Vorteil des leichtgewichtigen, flachen LCD-Schirms mit dem der trotz allem besser lesbaren Braunschen Röhre (CRT) zu verknüpfen: Es entstand der Plasma-Bildschirm. Bei dieser Technik wird, ähnlich wie bei der Neonröhre, eine Mischung aus verschiedenen Gasen mit Hilfe elektrischer Spannung aktiviert und Bildpunkt für Bildpunkt zum Leuchten gebracht. Von der flachen Bauweise und der guten Lesbarkeit abgesehen ergab sich allerdings auch hier wieder ein Problem: Der Plasma-Bildschirm hat einen hohen Energiebedarf, der vorerst nur aus der Steckdose gedeckt werden kann. Somit wurde zwar eine neue und interessante Technik aus der Taufe gehoben, die aber weiterhin das Energieproblem sowie die Frage der Tragbarkeit ungelöst ließ.

Außerdem trübt der Preis das Bild: Wie bei allen Neuentwicklungen, die nur zögernd zur Serienreife gelangen, ist er noch unverhältnismäßig hoch. Dies ist mit ein Grund, weshalb die meisten Anbieter im Portable-Markt weiter auf konventionelle Bildschirme bauen und sich vorerst vom Plasma distanzieren. Als einer der ersten Anbieter, der sich für den Einsatz eines Plasma-Schirms im Portable entschied, kam Ericsson mit seinem tragbaren PC heraus. Es handelte sich bei diesem Bildschirm nicht um eine Eigenentwicklung: Man übernahm das bereits fertige Produkt von Matsushita/Panasonic. Jedoch taucht auch bei diesem Gerät die bereits bekannte Netzabhängigkeit auf, da der Plasma-Schirm nur mit 220 Volt Spannung betrieben werden kann. Wie Ericsson-Pressesprecher Jürgen Gocke meinte, sei "natürlich abzusehen, daß beispielsweise die Matsushita-Techniker weiterhin an dieser Technik festhalten und sie verbessern wollen".

Daß die derzeitige Plasma-Technik einschließlich der Ansteuerungs-Elektronik noch nicht ausgereift ist, zeigt sich mitunter in der harten Praxis: Bildpunkte machen da plötzlich schlapp und präsentieren sich dem Betrachter nur mehr als "schwarze Löcher". Für die Zukunft streben die Techniker zunächst einen Plasma-Schirm an, der eine andere Farbe als das bis jetzt noch verfügbare Orangerot bieten kann. Der nächste Schritt ist ein grafikfähiger Bildschirm in Plasma-Technik, der auch Farben verwenden kann, die vom Farbgrafik-Monitor her bekannt sind. Schwierigkeiten gibt es hier insbesondere bei der Gasaufbereitung. Bei Ericsson vermutet man, daß sich auf diesem Sektor vor Ablauf der nächsten zwei Jahre "noch nichts Konkretes abzeichnen wird'.

Bei der IBM hält man im Gegensatz dazu noch an der konventionellen Technik - also CRT und LCD - fest. Dort wird es ebenfalls noch als Manko angesehen, daß die derzeit angebotenen Portables einer gewissen Leistungsklasse immer noch netzabhängig sind und dem User somit die Arbeitsmöglichkeiten eingeschränkt werden. Die Philosophie bei Big Blue stellt sich nach Angaben von Pressesprecher Hermann Borgers so dar, daß "die technische Machbarkeit grundsätzlich ins Verhältnis mit der kaufmännischen Vermarktbarkeit zu setzen sei". Man sage der IBM zwar nach, sie sei technisch etwas rückständig, doch laut Borgers Worten ist das darauf zurückzuführen, "daß man ganz einfach an Techniken festhalte, die sich im Laufe der Zeit als marktgerecht erwiesen und auch durchgesetzt haben". Den Plasma-Bildschirm nur deshalb einzusetzen, weil wer eben gerade als Neuentwicklung präsentiert wurde, hält Borgers für verfrüht, nicht zuletzt wegen des noch zu hohen Preises und der noch nicht endgültig ausgereiften Technik.

"Insbesondere muß überlegt werden, was mit einem hochpreisigen Portable, der vielleicht auch über einen Plasma-Bildschirm verfügt, effektiv gearbeitet wird, argumentiert der lBM-Sprecher weiter, und "wir gehen davon aus, daß sich für ein solches System im Extremfall nur fünf oder zehn Prozent der Anwender entscheiden, die eigentlich 'Fans' sind". Er kann sich momentan nicht vorstellen, daß sich der Plasma-Bildschirm ausschließlich für die Portables durchsetzen wird, ohne daß die Blickrichtung auch auf die Tischgeräte gerät, sprich ein einheitlicher Plasma-Bildschirm für alle Systeme so schnell durchsetzen wird.

Ganz im Gegensatz dazu hat sich die Grid Systems Corp. vollkommen dem Plasma-Schirm gewidmet, und, was einen Durchbruch markieren könnte, ein gleichzeitig netzunabhängiges Gerät präsentiert. Dieser Portable namens Gridcase ist bereits seit April vergangenen Jahres in den USA und seit etwa Juni 1985 auch in der Bundesrepublik auf dem Markt. Zwar ist der Preis für dieses System nicht gerade gering, doch soll es sich dabei in punkto Zuverlässigkeit um ein adäquates Gegenstück zu professionellen Tischgeräten handeln - die US-Postbehörde hat sich erst vor kurzem zum Kauf von rund 1800 Gridcase-Portables entschlossen und sich damit gegen den IBM-Laptop entschieden, der noch auf der konventionellen Bildschirm-Technik basiert.

"Gerade weil der Plasma-Schirm aus unserer Sicht einen hohen Zuverlässigkeitsgrad aufweist, haben wir uns entschieden, in dieser Richtung konsequent weiterzuentwickeln und ein solches System als marktreifes Produkt anzubieten, bei dem der Anwender auf die Steckdose in der Nähe verzichten kann", äußerte sich der Grid-Geschäftsführer Deutschland, Oswald Hill. Bezüglich der Zuverlässigkeit beim Gridcase hatte der Hersteller einige Erfahrung sammeln können, da die Anforderungen diverser Anwender so hoch geschraubt waren, wie dies beispielsweise von militärischer Seite her der Fall ist. Grid bezieht ebenfalls seine Bildschirme von einem japanischen Zulieferer.

Das Problem des nach wie vor schleppenden Absatzes von Portables auf dem Markt sieht Hill ebenfalls: "Der Anwender sollte sich vielleicht von vornherein darüber im klaren sein, ob er für seine Anwendungen tatsächlich auf die Rechenleistung eines Portables nicht verzichten kann und will." Für den "Härtefall" kann das Unternehmen neben dem Plasma-Bildschirm auch noch eine andere Variante anbieten. Laut Grid gebe es beim Plasma-Bildschirm das physikalische Problem, daß dieser bei starken Luftdruckschwankungen unter Umständen nicht mehr einwandfrei funktionieren könne. In diesem Fall sei man auf Elektro-Lumineszenz-Schirme ausgewichen, die dieses Manko auszugleichen vermögen.

Der Preis, den der Anwender hierfür zu bezahlen hat, wird vorerst auch nicht gering sein, doch bestünde dann immerhin die Möglichkeit, mit einem Portable relativ netzunabhängig zu werden.