Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

25.01.1980 - 

Komm auf 'nen Trip durch Dataland:

Plato arbeitet mit den neuesten Tricks

Immer wenn Laien mit Computern zu tun haben sollen, stellt sich beim Entwurf des Gesamtsystems die Aufgabe, den Umgang mit dem Rechner so problemlos wie möglich zu gestalten - ein Schüler soll mit dem Lehr-Automaten, ein Fragesteller mit dem Datenbank-System auf eine annäherungsweise natürlich-menschliche Art kommunizieren können. Wie man das in Zukunft wohl machen wird, zeigen exemplarisch zwei Entwicklungen aus den USA: das hochgezüchtete Computer-Lehrsystem "Plato", das von Control Data angeboten wird, und eine frappierende Versuchsanordnung am Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Beschreiben wir zunächst das MIT-Projekt aus der Sicht eines Benutzers: Man setzt sich vor den Bildschirm und eine Projektionswand und "fährt" mit Hilfe einiger Steuerelemente etwa die einzelnen Straßen des Städtchens Aspen, Colorado ab. An vielen Punkten dieser "Fahrt" kann man anhalten und beispielsweise die Speisekarte eines Restaurants, vor dem man "vorgefahren" ist, auf das Display holen - oder auch eine Dia-Schau mit historischen Stadtansichten etc.

Was hier beschrieben wurde, gehört zum Projekt "Movie Map", das die Architectural Machine Group des MIT mit finanzieller Unterstützung des Pentagon durchgeführt und das sozusagen einfache Verfahren zum narrensicheren Auffinden bestimmter Informationen in riesigen Datenbeständen erarbeiten soll.

Bei diesem "Dataland"-Aufbau des MIT ist der Arbeitsplatz mit einem Steuerknüppel, mehreren Sensorfeldern und einer Zoom-Steuerung ausgestattet; links und rechts finden sich je ein kleiner Bildschirm, mittig ein großes Display an der Wand. Die kleinen Sichtgeräte dienen zur Orientierung, indem der Benutzer zunächst mit Hilfe des Steuerknüppels eines von mehreren "Datalands" auswählt, etwa Satelliten-Karten eines bestimmten Landes, und dann innerhalb dieses Datalands immer weiter in Detaildarstellungen vordringt.

Ins Detail hineingezoomt

Je nach Art der gesuchten Detailinformation werden dann Filme, Photos oder andere Darstellungen auf die große Leinwand in der Mitte projiziert, wobei der Benutzer erneut die Möglichkeit hat, in noch tiefere Details hineinzuzoomen. Das heißt in praxi also, man sucht aus einem Satelliten-Übersichtsphoto zunächst eine bestimmte Stadt aus, läßt sich dann detaillierte Straßenpläne vorführen und gelangt schließlich zu Detaildarstellungen wie etwa der eingangs geschilderten, simulierten Autofahrt mit den Speisekarten-Auflistungen. Dahinter steckt eine Technik, die neben den herkömmlichen digitalen Computerspeichern auch auf Bildplatten und ähnliche Speichermedien zurückgreift.

Mehr ein Gag im Rahmen dieser Dataland-Experimentalkonzepte ist "der verrückteste Taschenrechner der Welt": auf einem Bildschirm erscheint dabei die naturgetreue, perspektivische Abbildung eines Taschenrechners, der genau wie ein realer Rechner arbeitet, berührt man jene Stellen des Bildschirms, auf denen die einzelnen Tasten erscheinen. Sinn der Sache: die bekannte Lichtgriffel-Eingabetechnik so weiterzutreiben, daß man mit den bloßen Fingern zeigen kann, welche Details einer Darstellung einen interessieren beziehungsweise welche Elemente ("Tasten") aktiviert werden sollen.

Noch ein netter Gag dieser Dataland-Installationen des MIT verdient Erwähnung: Berührt man einen bestimmten Sensor in der Armlehne des Arbeitsstuhls - dort angebrachte Bedinungselemente lassen sich zweifellos komfortabler handhaben als Tastaturen herkömmlicher Art, die ihre Existenzberechtigung eigentlich längst, seit man nämlich elektrische Schreibmaschinen etc. kennt, verloren haben -, so kann man in einer Datenbank "von Seite zu Seite weiterblättern". Dabei entsteht auf dem Bildschirm tatsächlich der Eindruck, eine Papierseite würde genau wie ein Blatt eines Buchs umgeblättert.

Im Versuch schon kinderleicht

Das Fingertip-Eingabeverfahren nach dem oben geschilderten Prinzip macht sich auch Plato, Control Datas weit ausgebautes Lehr-Computersystem in seinen neuesten Entwicklungsstufen zunutze. Wie die Erfahrung zeigt, tut sich der Schüler einfach bedeutend leichter, wenn er eine von mehreren Antwort-Formulierungen einfach durch Antippen der entsprechenden Partie des Bildschirms "eingeben" kann; das herkömmliche Keyboard wird daher bei modernen Lehrprogrammen - bei Plato reichen sie von Rechenaufgaben für Kinder bis hin zur spezialisierten Ingenieurausbildung - nach Möglichkeit umgangen, die Konzentration auf das eigentliche Frage-Antwort-Wechselspiel samt zwischengeschalteten Informationsblöcken bleibt nahezu ungeteilt.

Im übrigen arbeitet auch Plato bereits mit einer Kombination aus normalem alphanumerischem Text und Film, Trickfilm- und Photodarstellungen innerhalb des Lehrprogramms, nicht zu vergessen die im jeweiligen Fall passende Tonkulisse. Besonders aktuell dürfte Plato jetzt in den Fällen sein, in denen es darum geht, Ingenieuren aller Fachrichtungen den Umgang mit der modernen Mikroprozessortechnik auf ebenso abwechlungsreiche wie instruktive Art nahezu bringen.

Und während in den Labors intensiv an der Vervollkommnung der Sprach-Ein- und Ausgabe gearbeitet wird, denken alte DV-Hasen manchmal mit leichter Wehmut an jene schönen alten Zeiten zurück, da die seinerzeitigen Röhren-Monster für alle Kommunikationsversuche außer Lochstreifen und -karten taub waren und auch als Ausgabe nichts als Löcher produzierten. Und das bei Leistungsdaten, die jeden besseren Taschenrechner von heute schamhaft erröten ließen.

*Egon Schmidt ist freier Wissenschaftsjournalist in München.