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26.03.2007

Plattform ersetzt keine Strategie

SAP, IBM und Microsoft kombinieren ihre Produkte mit Infrastruktur. Unternehmen müssen festlegen, wer wie zum Zuge kommt.
Ständige Änderungen im geschäftlichen Umfeld machen flexible Softwareplattformen erforderlich.
Ständige Änderungen im geschäftlichen Umfeld machen flexible Softwareplattformen erforderlich.

Kunden von SAP fragen sich angesichts eines anstehenden Release-Wechsels auf ERP 2005 häufig, wie sie Netweaver verwenden sollen sowie welche Auswirkungen beziehungsweise Kosten damit verbunden sind.

Fazit

Die Fragen bei einer Kosten-Nutzenbetrachtung der Einführung von Netweaver gehen weit über die klassischen IT-Kennzahlen (etwa Lizenzen und Betriebskosten) hinaus. Das Potenzial der neuen Plattformen kann nur effektiv genutzt werden, wenn Business und IT enger zusammenarbeiten, was Veränderungen auf beiden Seiten bedingt. Um eine langfristige Strategie kommen Firmen nicht herum, wenn sie die SAP-Infrastruktur mit Erfolg einsetzen wollen.

Hier lesen Sie ...

• warum eine Plattformstrategie wichtig ist;

• wann die "Best-of-Breed"- und wann die "Best-of-Brand"-Methode sinnvoll ist;

• dass Firmen festlegen müssen, welche Funktionen auf der Plattform von SAP, Microsoft und IBM laufen sollen;

• dass Netweaver neben SAP- auch Java- und SOA-Know-how voraussetzt.

• dass die Zentralisierung von Softwarediensten auf Seiten der Fachanwender zu Machtkämpfen führt.

Für Standardprodukte gibt es zwei Strategien, um eine IT-Architektur zu definieren: Der Einsatz des jeweils besten Produktes für die gestellten Anforderungen ("Best-of-Breed") oder die Fokussierung auf wenige, dafür umfangreiche Produkte oder Plattformen ("Best-of-Brand"). Der erste Ansatz führt in den meisten Fällen zu einer größeren Heterogenität und somit Komplexität der gesamten IT-Landschaft. Die "Best-of-Brand" oder Plattformstrategie hat zwar einerseits den Nachteil, einige Anforderungen unter Umständen nicht optimal abzudecken, bietet aber auf der anderen Seite erhebliche Vorteile:

• Standardfunktionen bilden eine gute Basis, um Business-Anforderungen abzudecken.

• Erweiterungen lassen sich einfacher und schneller integrieren.

• Neue Funktionen stehen allen Lösungen auf der Plattform gleichermaßen zur Verfügung.

• Bestehende Features können von allen neuen Entwicklungen genutzt werden.

• Ein Lifecycle-Management von der Entwicklung bis zur Produktivsetzung vollzieht sich auf einer Plattform einfacher als in einem heterogenen Umfeld.

"Best-of-Brand" hat somit das größte Potenzial, langfristig die Agilität der IT zu erhöhen, und sollte daher bei der Entwicklung der IT-Architektur wo immer möglich berücksichtigt werden.

"Best-of-Brand"-Strategien lassen sich nur umsetzen, wenn eine IT-Governance etabliert wurde. Entsprechende Prozesse und Gremien zu definieren kostet Zeit und Geld. Gleichzeitig müssen dem Business (Demand-Seite) die Möglichkeiten einer Plattform verdeutlicht werden.

Initiales Projekt

Bei fast allen Unternehmen zeigt aber die Erfahrung, dass konkrete Business-Anforderungen allein die Implementierung von Plattformen nicht rechtfertigen konnten. Es muss daher ein Budget bereitgestellt werden, um die Plattformen initial zu implementieren und anschließend konkrete Lösungen darauf zu realisieren. Dies haben die Verantwortlichen von vornherein einzukalkulieren.

Bleibt die Frage nach der Plattform. Firmen müssen festlegen, auf welcher Architektur generische Funktionen wie Portale, Business Intelligence (BI) und Enterprise-Application-Integration (EAI) laufen sollen. Es ist vielen Softwarekunden noch nicht bewusst, dass sie die Plattformentscheidung oft gar nicht mehr selbst treffen können: SAP, Microsoft und IBM haben eigene Infrastrukturen etabliert, auf denen ihre Produkte aufsetzen. Somit erhält der Kunde mit der Software unweigerlich auch die Plattform des Herstellers.

Plattformrichtlinien

Geht man von einem typischen mittelgroßen Unternehmen im europäischen Raum aus, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Softwareplattformen von SAP, Microsoft und IBM (beispielsweise Lotus Notes und Websphere Integrator) zum Zuge kommen. Dadurch stehen dem Unternehmen zum Beispiel für den Bau von Firmenportalen gleich drei Produkte zur Auswahl, denn alle genannten Anbieter liefern Komponenten dafür mit.

Die Frage muss also lauten: Für welchen Zweck setze ich welche Plattform ein? Einige Unternehmen haben zusammen mit den Herstellern Richtlinien für den strategischen Einsatz der jeweiligen Plattformen definiert.

Die Einhaltung dieser Richtlinien ist ebenfalls Aufgabe der IT-Governance. Sonst ist gerade bei einer plattformorientierten Strategie die Gefahr von Doppelspurigkeiten und Insellösungen hoch.

Bei vielen Unternehmen werden die Möglichkeiten der vorhandenen Plattformen, insbesondere bei Netweaver, aber noch gar nicht in vollem Umfang genutzt. Dies liegt oft daran, dass neben den technischen auch organisatorische Voraussetzungen geschaffen werden müssen - und zwar gleichermaßen auf der Seite der Fachbereiche und der IT.

Machtkämpfe drohen

Plattformen stellen Funktionen unternehmensweit bereit (Shared Services), was die Entwicklung und Wartung vereinfacht. Auf Business-Seite ist eine Zentralisierung jedoch oft mit erheblichen Machtkämpfen verbunden. Wer ist verantwortlich für die Kundenverwaltungssysteme? Wer entscheidet über Release-Strategien bei BI-Applikationen? Für die IT ist es daher oft schwer, Entscheidungsträger zu finden, die eine Plattformstrategie unterstützen.

Die Entwicklung von wiederverwendbaren Services (Grundgedanke der SOA) führt auf Business-Seite zu neuen Verantwortlichkeiten. Es müssen beispielsweise zentrale Zuständigkeiten für die übergreifenden Services definiert werden. Die Regelung dieser neuen Verantwortlichkeiten sollte beispielsweise bei der Einführung von Netweaver frühzeitig geplant werden.

Aber auch die IT-Organisation bleibt von den Auswirkungen einer Plattform als Basis für die Umsetzung einer SOA nicht verschont. Besonders im Bereich SAP sind die Auswirkungen auf die internen Competence Center dramatisch. Eine Prozessorientierung bedingt Fachwissen über verschiedene Lösungsmodule und Netweaver-Komponenten. Hier müssen neue Produkt- beziehungsweise Service-Manager auf Seiten der IT ausgebildet werden, um die geschäftlichen Anforderungen in technische Spezifikationen zu übersetzen.

IT-Mitarbeiter gefordert

Das bisherige modulorientierte Serviceportfolio entspricht heute auch nicht mehr der SAP-Philosophie. Dies zeigt sich am deutlichsten in der neuen Preispolitik, bei der Lizenzen nach Prozessen bezahlt und Services aus unterschiedlichen Bereichen der SAP-Lösungen verwendet werden. Ein Logistikprozess beispielsweise enthält Dienste aus den SAP-Lösungen Supply-Chain-Management und ERP sowie den Netweaver-Komponenten "Enterprise Portal" und "BI". Die Implementierung und Betrieb solcher Prozesse verlangen nach einem breiteren Wissen bei den IT-Mitarbeitern.

Erweiterungen des besagten Logistikprozesses können Anwender über Java oder .NET vornehmen. Das Problem dabei ist, dass die klassischen Java- oder .NET-Entwickler meist nur wenig über die SAP-Geschäftslogik wissen. Dies führt zu unnötigen Entwicklungen, schlechter Nutzung der bestehenden ERP-Funktionen und im Extremfall sogar zu Konflikten mit Standardprozessen der Software. (fn)