Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

05.11.1993

Plattformen fuer den Medienkult des 21. Jahrhunderts

Multimedia-Anwendungen koennten unseren Umgang mit Informationen grundsaetzlich veraendern. Peter Wolf* schildert, was technisch moeglich werden wird und stellt die allgemeinen Markttendenzen sowie die Strategien der wichtigsten Anbieter dar. Auch kulturkritischen Argumenten gegen die wachsende Unterhaltungssucht, der Multimedia-Applikationen Vorschub leisten koennten, gibt er Raum.

Multimedia ist ein Schlagwort des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Fraglich ist, ob der Begriff fuer ein neues Informationszeitalter steht und damit fuer grundlegende Auswirkungen auf unsere Kultur (der Medienphilosoph Paul Virillo spricht von "Mediatisierung der Menschheit" und "Virtualisierung der Welt"), oder ob es sich um ein leeres Schlagwort aus dem Instrumentarium der Marketing- und Werbestrategen handelt.

Multimedia bezeichnet die integrierte Nutzung verschiedener Medien zur effizienten Uebermittlung von Informationen und ist damit nichts Neues. Menschen nehmen Informationen schon immer multimedial auf: Sie lesen, sehen, hoeren, riechen, fuehlen, schmecken, und das alles gleichzeitig. Die bisherigen Techniken der Informationsvermittlung zwangen den Empfaenger zur Konzentration auf ein Medium: nur lesen, nur hoeren. Maximal zwei Medien zugleich werden bislang zur Informationsvermittlung eingesetzt: Text und Grafik oder Bewegtbilder und Ton. Entsprechend gilt als Minimalanforderung fuer Multimedia die Integration von mindestens drei Medien, wobei eines dynamisch, also zeitbezogen sein muss.

Potentielle Medien in Multimedia-Systemen sind Texte, Grafiken, Fotos, Animationen, Audio (Geraeusche, Musik, Sprache) und Video. Darueber hinaus wird das Element der Interaktivitaet entscheidend. Der Benutzer kann in den Informationsprozess eingreifen und steuert den Informationsfluss nach seinen Beduerfnissen.

Vom Projektgeschaeft zum Massenmarkt entwickeln

Waren die alten Medien Text und Bild fuer den Benutzer jederzeit interaktiv nutzbar, so sind Radio und Fernsehen zwar multimedial, aber nur begrenzt steuerbar. Mit der Digitalisierung aller Arten von Informationen, egal ob sie als Ton, Bild, Text, Sprache, Film oder Animation vorliegen, kann der Anwender diese beliebig kombinieren und jederzeit darauf zugreifen. Multimedia ist demnach die Bereitstellung des individualisierten Zugriffs auf jede Form von digitaler Information in kuerzester Zeit.

Daraus ergeben sich neue und vielfaeltige Moeglichkeiten fuer die Wissensvermittlung, die Kommunikation, aber auch fuer die Unterhaltung, die in Gestalt der Computerspiele interaktiv geworden ist. Entsprechend grosse Entwicklungspotentiale sehen Forschungsinstitute in Multimedia und den damit verbundenen Verschmelzungsprozess von Unterhaltungs-, Computer- und Medienindustrie. Das amerikanische Marktforschungsinstitut IWG beziffert in einer Untersuchung vom September 1992 den weltweiten Multimedia-Markt im Jahr 1995 auf ueber 30 Milliarden US-Dollar. Die Einsatzgebiete sieht das Institut vor allem in den Bereichen Unterhaltung, Weiterbildung und Kommunikation.

Aus dem gleichen Jahr stammt eine Studie der International Data Corporation (IDC), die den gesamten Multimedia-Umsatz in Deutschland im Jahr 1996 auf 3,55 Milliarden Mark veranschlagt. In welchen Bereichen Multimedia sich hierzulande am staerksten durchsetzen wird, untersuchte der Branchendienst Multimedia im April 1992. Professionelle Entwickler und Multimedia-Anwender sehen die groessten Entwicklungschanchen in den Bereichen Videobearbeitung, POI (Point of Information), CBT (Computer Based Training) fuer die betriebliche Fortbildung, Praesentation, Kommunikation, Spiele und Unterhaltung sowie private Fortbildung.

Entscheidend fuer die Marktentwicklung in Deutschland wird sein, ob Multimedia sich vom bisherigen Projektgeschaeft hin zum Massenmarkt entwickeln kann. Dabei spielt die Frage der Plattformen eine entscheidende Rolle. 1987 war der Markt noch fest in der Hand des Multimedia-Pioniers Apple: Drei Viertel aller Multimedia-Stationen waren Macintosh-Computer, und nur jede siebte ein IBM-kompatibler PC. Mit dem Anwachsen des Marktes geht allerdings der prozentuale Anteil der Apple-Systeme zurueck.

Marktforscher erwarten, dass beim derzeitigen Wachstum spaetestens bis 1995 die Mehrzahl der Multimedia-Anwendungen auf Rechnern unter der Oberflaeche Windows laufen wird.

Bereits die ersten Macintosh-PCs von 1984 waren mit Audio- und Grafikfunktion ausgestattet und damit Multimedia-faehig.

Doch fehlten damals sowohl Rechenleistung als auch Anwendungen. Erst Ende der achtziger Jahre waren ansprechende Animationen auf Apple-Systemen moeglich. Einen entscheidenden Durchbruch erreichte Apple 1991 mit der Softwareloesung "Quicktime". Damit liessen sich erstmals Videosequenzen ohne spezielle Hardware abspielen. Die digitale Speicherung und Wiedergabe von Videodaten ist die technisch anspruchsvollste Aufgabe von Multimedia-PCs, weil dabei enorme Datenmengen zu verarbeiten sind. Ein Videosignal in Fernsehqualitaet ergibt in digitalisierter Form einen Datenstrom von etwa 20 bis 30 MB pro Sekunde. Zuviel fuer PC-Prozessoren und - Bus-Kanaele.

Bei Kompressionsverfahren in bisherigen Multimedia-Architekturen wie etwa Intels Digital Video Interactive (DVI), uebernehmen Spezial-Chips auf einer Videokarte die Kompression und Dekompression der Videodaten. Voraussetzung sind entsprechende Hardware-Erweiterungen. Die Apple-Ingenieure entwickelten unter dem Codenamen "Roadpizza" einen Kompressionsalgorithmus, der schnell genug arbeitet, um Videosequenzen in akzeptabler Qualitaet auf dem PC ohne zusaetzliche Hardware ablaufen zu lassen. Die Qualitaet der Videowiedergabe ist zwar den Hardwareloesungen unterlegen, schafft aber die Voraussetzung fuer die Einsetzbarkeit von Multimedia auf allen Macintosh-Systemen. Auch Microsoft entwickelte in der Folge mit "Video fuer Windows" ein aehnliches Verfahren, um IBM-kompatible PCs ohne zusaetzliche Hardwarekarten als Multimedia-Stationen nutzen zu koennen.

Fuer eine komplette Multimedia-Station benoetigen Apple-Systeme nur noch ein CD-ROM-Laufwerk. Weltweit lag 1991 die Anschlussquote von Apple-Systemen mit CD-ROM-Laufwerken bei etwa sechs Prozent (467 000 von 6,3 Millionen installierten Systemen). Der Trend zu Multimedia ist bei Apple deutlich spuerbar, insbesondere in Deutschland. Hier stieg die Anschlussdichte von 7,4 Prozent im Juni 1992 auf ueber zehn Prozent im September 1993. Das ist der weltweite Spitzenwert. "Der Multimedia-Markt entwickelt sich in Deutschland am progressivsten", sagt Archibald Kahl, Multimedia- Manager von Apple. Die Stueckzahlen an verkauften CD-ROM-Laufwerken haben sich innerhalb des letzten Jahres versechsfacht. Jedes zweite Macintosh-System geht in Deutschland mit CD-ROM-Laufwerk ueber den Ladentisch.

Standard unter Federfuehrung von Microsoft

Um darauf zu reagieren, hat das Unternehmen im Juli dieses Jahres zwei neue Multimedia-Systeme vorgestellt, die bereits serienmaessig mit CD-ROM-Laufwerk, Videokompression und einem Monitor mit integrierten Lautsprechern und Mikrofon ausgestattet sind.

Bei den IBM-kompatiblen PCs hat Microsoft mit den integrierten Multimedia-Extensions in Windows 3.1 die neue Technologie einem breiten Anwenderkreis erschlossen. Nicht integrierbar sind allerdings Audiodaten und optische Speichermedien, was das Anwenderspektrum auf dem PC-Massenmarkt doch wieder begrenzt.

1991 hat ein Firmenkonsortium unter der Federfuehrung von Microsoft die Systemanforderungen fuer PCs unter dem Standard "Multimedia PC" (MPC) festgelegt. Urspruenglich entsprach schon ein Rechner mit einem 80286-Prozessor dem MPC-Level. Doch 1992 und 1993 wurden die Anforderungen jeweils erhoeht.

Heute sind die Mindestanforderungen fuer ein Modell nach MPC 2: 80486DX-Prozessor, 4 MB Arbeitsspeicher, 160 MB Festplatte, VGA- Farbgrafikkarte, 16-Bit-Audiokarte mit Stereoausgang sowie ein Multisession-faehiges CD-ROM-Laufwerk mit einer Datentransferrate von mindestens 300 KB pro Sekunde.

Durch den Preisverfall der letzten Jahre sind solche Systeme bei Biliganbietern schon fuer unter 4000 Mark erhaeltlich und damit fuer den Heim- und Buerobereich erschwinglich. Aber auch die grossen Markenhersteller wie IBM und Compaq bieten inzwischen Multimedia- PCs an, oder, wie SNI, zumindest Upgrade-Kits, die aus CD-ROM- Laufwerk und Soundkarte bestehen.

Neben den Plattformen von Apple und Microsoft sind die Unternehmen Sun, Next und IBM mit eigenen Plattformen im Multimedia-Markt vertreten.

Unter der Benutzerumgebung "Open Windows" vertreibt Sun Microsystems seit letztem Jahr Workstations mit RISC-Prozessoren (RISC = Reduced Instruction Set Computing) fuer Multimedia- Anwendungen unter Unix. Die Sparcstations sind serienmaessig mit CD- ROM-Laufwerken und Audiokarte ausgestattet.

Bei Next hofft man, mit einer Version des 32-Bit-Betriebssystems "Nextstep" fuer 486- oder Pentium-Prozessoren am Multimedia-Boom partizipieren zu koennen. Dieter Hesse, Marketing-Chef der europaeischen Niederlassung, setzt vor allem auf die Grafikfaehigkeiten und die offene Architektur der Loesung. Die Applikation ist kompatibel zu Macintosh- und MS-DOS-Datei- systemen und bietet die Moeglichkeit, Windows in einem Fenster laufen zu lassen. "Wir wollen bis Ende des Jahres 90 000 Systeme verkaufen", beziffert Hesse das erhoffte Marktpotential des im Mai vorgestellten Systems. Problematisch erscheint jedoch der hohe Preis von 1500 Mark. Derzeit sind ueber dreissig Programme fuer das Betriebssystem erhaeltlich, wovon ein betraechtlicher Anteil Multimedia-Applikationen sind. Hochwertige Anwendungen sind insbesondere aus dem universitaeren Umfeld in den USA erhaeltlich.

Die Benutzeroberflaeche OS/2 von IBM bietet ebenfalls Tools und Schnittstellen fuer Multimedia. Im letzten Monat praesentierte das Unternehmen eine Reihe von Multimedia-Anwendungen fuer die Version 2.1 des Betriebssystems. Aber auch auf der Hardwareseite versucht der Hersteller, am Multimedia-Geschaeft teilzuhaben. IBM hat drei Modellreihen mit Multimedia-PCs im Angebot.

Multimedia auch auf portablen Rechnern

Daneben bietet der Hersteller seit zwei Monaten ein Multimedia- Aufruest-Kit an. Besonders stolz ist Herbert Schweizer, Multimedia- Produkt-Manager bei IBM, auf den portablen Rechner "Thinkpad". An das Modell mit Farb-LCD-Monitor laesst sich eine Docking-Station mit CD-ROM-Laufwerk, integrierten Lautsprechern und Sound-Chips anschliessen. Trotz des relativ hohen Preises scheint das erst seit September erhaeltliche mobile Multimedia-System einem verbreiteten Marktbeduerfnis zu entsprechen. "Der Auftragsbestand ist teilweise so hoch, dass wir mit der Produktion nicht nachkommen", beschreibt Schweizer den Erfolg des Systems. Aber auch bei den uebrigen Multimedia-Systemen haben sich nach Schweizers Angaben die Verkaufszahlen innerhalb des letzten Jahres teilweise verdoppelt.

Setzt man bei den PCs die grafische Oberflaeche Windows 3.1 als Standard voraus, so gibt die Verbreitung von CD-ROM-Laufwerken tendenziell Aufschluss ueber die Marktentwicklung. Obwohl CD-ROMs auch haeufig als kostenguenstiges Speichermedium fuer grosse Texte wie Telefonbuecher, Kataloge, Gesetzestexte, Fahrplaene etc. Verwendung finden, sind doch Multimedia-Anwendungen einer der wichtigsten Gruende fuer ihren Einsatz. Parallel zur Verbreitung der CD-ROM- Laufwerke steigt der Absatz von Soundkarten und externen Lautsprechern, die fuer reines Text-Retrieval nicht notwendig sind.

Einer der Profiteure der Multimedia-Entwicklung ist der japanische Laufwerkhersteller Mitsumi. Das Unternehmen verkaufte noch 1990 weltweit lediglich zirka 12 000 CD-ROM-Laufwerke. Innerhalb von zwei Jahren wurde der Hersteller dann hinter Sony die Nummer zwei auf dem Weltmarkt. "Und in diesem Jahr", so Michael Bartholemy, Sales Manager der Mitsumi Europa GmbH, "werden wir 1,2 Millionen Laufwerke verkaufen. Davon 430 000 allein in Deutschland." Mit diesen Zahlen ist das Unternehmen sowohl weltweit als auch in Deutschland Marktfuehrer unter den CD-ROM-Herstellern. Mit Dumpingpreisen von unter 500 Mark erreicht das Unternehmen ueber das dichte Vobis- und Escom-Haendlernetz in Deutschland monatliche Verkaufszahlen von ueber 40 000 Stueck - Tendenz steigend.

Die Nachfrage ist so stark, dass Mitsumi mit der Produktion kaum nachkommt. Obwohl der Hersteller im November 1993 in der Volksrepublik China ein neues Werk in Betrieb nimmt, sieht Bartholemy Lieferengpaesse auf sich zukommen. "Wenn erst die grossen PC-Distributoren damit anfangen, CD-ROMs serienmaessig in ihre Rechner einzubauen, bekommen wir Verkaufszahlen wie bei den Floppy-Laufwerken." Die liegen in Europa bei zirka 8,5 Millionen jaehrlich. Die Hauptursache fuer den Nachfrageschub sieht Bartholemy in privat genutzten Anwendungen und der Photo-CD von Kodak.

Bei kostenguenstigem Herstellungspreis ist die CD-ROM das optimale Speichermedium fuer datenintensive Multimedia-Anwendungen. Mit der steigenden Verbreitung der Abspielmoeglichkeiten erweitert sich der potentielle Markt fuer die Silberscheiben: Innerhalb der letzten fuenf Jahre hat sich das Angebot an CD-ROM-Titeln verfuenfzigfacht. Heute sind bereits ueber 2500 Produkte auf dem Markt. Besonders im Heimbereich setzt sich die CD-ROM durch. Die beiden Handelsketten Vobis und Escom, die das PC-Geschaeft mit den Privatkunden beherrschen, verkaufen mittlerweile jeden vierten PC mit CD-ROM- Laufwerk.

Wirklich notwendige und gute Anwendungen, die die zusaetzliche Investition von mindestens 1000 Mark sinnvoll erscheinen lassen, gibt es bislang kaum. Ausschlaggebend fuer den Multimedia-Erfolg scheint das Schneller-Hoeher-Weiter der Technikgesellschaft zu sein, die der Medienwissenschaftler Neil Postman als Technopol beschreibt: "Man betrachtet die Welt und fragt sich, was man eigentlich noch alles mit dem Computer anfangen kann - ohne darueber nachzudenken, ob das sinnvoll ist."

Die Anziehungskraft der Multimedia-Technologie auf Privatan- wender entsteht aus einer Kombination aus Technikfaszination, Arbeitserleichterung und vor allem Spass. Die ersten ausgereiften multimedialen und interaktiven Anwendungen waren Computerspiele. Simulationsspiele wie Sim City oder Sim Life, Rollen- und Abenteuerspiele wie Indiana-Jones oder Monkey-Island, aber auch Kriegssimulationen bieten eine voellig neue Art der aktiven Unterhaltung. Hier sehen Experten auch die groessten Entwicklungspotentiale in einer nach Unterhaltung gierenden Gesellschaft: Die bislang in der Computerwelt eher belaechelten Spielehersteller Nintendo und Sega gelten als die zukunftstraech- tigsten Unternehmen der kommenden Jahrzehnte.

Aehnlich wie im DTP-Bereich spaltet sich der Markt auf in einen kleinen, hochspezialisierten Profisektor und den Massenmarkt fuer Heim- und semiprofessionelle Anwender. Das Muenchner Unternehmen Media Rent, Guertler und Mack GmbH bietet Hard- und Software fuer multimediale Praesentationsshows auf grossformatigen Monitorwaenden mit PCs und Workstations. "Die Ansprueche der Kunden und Zuschauer an eine Praesentation sind gewachsen. Mit ein paar bunten Bildern und Grafiken ist es heute nicht mehr getan. Eine gute Show ist gefragt", erklaert Michael Kraus, Marketing-Leiter des Unternehmens.

Die Muenchner A.I.M. Ausbildung mit interaktiven Medien GmbH erstellt seit 1987 multimediale Lernprogramme fuer die innerbetriebliche Aus- und Weiterbildung. Hier ist von Multimedia- Euphorie keine Rede: "Wir hatten bislang jaehrliche Zuwachsraten von 40 bis 50 Prozent", sagt Horst Kramer, Gruender des Unternehmens. "Doch die Zahl der Anbieter hat sich seit Anfang der neunziger Jahre verdreifacht, ohne dass der Markt so stark mitgewachsen ist." Kramer schaetzt, dass etwa ein Viertel der Anbieter im CBT-Bereich im naechsten Jahr verschwunden sein wird. Als zukunftstraechtig sieht er intelligente Softwareloesungen an: "Frueher bedeutete Multimedia haeufig: Kiste aufschrauben, Karten rein und hoffen, dass man die Kabel richtig angeschlossen hat", beschreibt der Pionier die Aufruestung von PCs. Insbesondere die Spielehersteller wie etwa Lucasfilm sind demgegenueber die Vorreiter fuer hochqualitative Multimedia-Loesungen auf Softwarebasis.

Nur ein "nettes Spielzeug" fuer Maenner?

Entsprechend ruesten sich die Softwarehersteller zum Kampf um die Marktanteile. Bei der jetzigen Entwicklung sind bald auch in Europa genuegend Multimedia-Plattformen fuer einen lukrativen Markt vorhanden. Microsoft vertreibt seit diesem Jahr mehrere CDs mit Multimedia-Anwendungen. Und auch Aldus, Lotus und Borland betrachten Multimedia als strategisches Geschaeft. "Wir befinden uns beim Einstieg", sagt Michael Karbe, Produkt-Manager von Aldus aus Hamburg, "obwohl der Markt in Deutschland fuer Multimedia-Produkte noch nicht richtig da ist." Aldus bietet fuer seine Praesentationssoftware "Persuasion" die Einbindung von Videosequenzen und seit Anfang des Jahres eine Multimedia- Datenbank fuer Macintosh-Rechner, die "am Markt auf eine starke Nachfrage trifft", so Karbe.

Ob sich allerding die Prognosen der Marktforscher erfuellen und Multimedia zum Milliardengeschaeft wird, ist noch nicht abzusehen. Kramer: "Mittlerweile haben wir eine Rezession, und einige Firmen, die Millionen verdienen wollten, stehen heute vor der Pleite."

Vielleicht begrenzt der Rotstift Multimedia auf einige Nischen- anwendungen und auf ein nettes Spielzeug fuer Maenner und verhindert dadurch die Gefahren, die Kafka 1922 vorhersah: "Die Menschheit hat, um moeglichst das Gespenstische zwischen den Menschen auszuschalten und den natuerlichen Verkehr, den Frieden der Seelen zu erreichen, die Eisenbahn, das Auto, den Aeroplan erfunden, aber es hilft nichts mehr, ... die Gegenseite ist soviel ruhiger und staerker, sie hat nach der Post den Telegrafen erfunden, das Telefon, die Funktelegrafie ... Es ist ja ein Verkehr mit Gespenstern, und zwar nicht nur mit dem Gespenst des Adressaten, sondern auch mit dem eigenen Gespenst ..., eine schreckliche Zerruettung der Seelen ... Die Geister werden nicht verhungern, aber wir werden zugrunde gehen."

* Peter Wolf ist Journalist in Muenchen.

Schoene Perspektive

Fuer viele PC-Besitzer noch in weiter Ferne: Eine Oberflaeche wie die nebenstehende und im Hintergrund Berkeley 4.3 Unix und der Mach-Kernel.

"Nextstep" ist deshalb wohl eher der uebernaechste Schritt.