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17.06.1994

Platz und Performance durch optimale Konfiguration Die richtigen Kniffe locken die PCs leicht aus der Reserve

Zwischen einem PC und einem perfekt eingestellten PC liegen Welten. Bleibt die Frage, wie man Weltreisender wird. Die Antwort liegt in der Optimierung von Config.sys, Speicher, Festplattenzugriff und Sicherheit.

Alle fummeln: Selbst unerfahrene Neulinge bekommen schnell eine Ahnung davon, dass PC nicht nur fuer Personal Computer steht. Vom Auto einmal abgesehen, gibt es keinen technischen Gegenstand, an dem sich so viel basteln liesse wie am Computer. Mit einer Diskussion ueber Config.sys kann man immer Kontakte knuepfen, und es gibt nicht wenige Kollegen, die ernsthaft ueber den Abdruck "idealer" Config.sys- und Autoexec.bat-Einstellungen auf der Visitenkarte nachdenken, um einmal andere Partygespraeche fuehren zu duerfen.

Projekte dieser Art scheitern jedoch am Platzbedarf solcher Tips: Angesichts der unueberschaubaren Vielfalt an Hard- und Software ist es unmoeglich, allgemeine ideale Werte zu postulieren. Der goldene Einstellungsschnitt ist nur in muehseliger Kleinarbeit herauszufinden. Immerhin gibt es allgemeine Hinweise darueber, wie sich der PC optimieren laesst. Der Wichtigste widmet sich dem Verstaendnis der Zusammenhaenge von Hardware, System- und Anwendungssoftware. Je tiefer man steigt, desto gravierender sind die Auswirkungen bei der Optimierung. Moderne Motherboards und Einsteckkarten lassen sich optimal regulieren. Cache-Bereiche, Waitstates, I/O-Belegungen und vieles mehr sollten zunaechst einmal auf Standardwerte gestellt werden, bis gewaehrleistet ist, dass alles funktioniert.

Das ist leichter gesagt, als getan: Als Parodie auf die von der Technik gesetzte Narrenfreiheit wird derzeit von der Hardware- Industrie "Plug & play" grossgeschrieben, auf dass sich keine Steckkarte an der I/O-Adresse einer anderen vergreift. Kein System soll der P&P-Theorie nach einen Interrupt besetzen, der von der naechsten Systemerweiterung benoetigt wird, sondern diesen raeumen, wenn es soweit ist. Man muss sich nicht gleich an das EISA- und MCA-Fiasko erinnern, sondern nur in den Netzwerkbereich schauen, um den PR-Effekt zu filtern: Fuer jede selbstkonfigurierende Netzkarte gibt es in jeder Firma mindestens ein System, das die Karte zur Aufgabe zwingt. Freude kommt dann auf, wenn die Karte noch ueber Jumper verfuegt, mit denen ihre Identitaet festgenagelt werden kann.

Rechner-Tuning bei OS/2 oder NT ist zu riskant

Jumper spielen auch bei den Motherboards eine grosse Rolle, doch hier sollte man dem Systemlieferanten trauen koennen, dass er diese richtig gesetzt hat. Etwas anders sieht es bei den CMOS-Werten aus, ueber die heutzutage der Cache, das Kopieren der Video-Ausgabe in den schnellen RAM-Bereich oder der Systemtakt wie Waitstates beim Speicherzugriff detailliert eingestellt werden.

Viele selbsternannte Experten drehen an den Werten, bis der ganze Rechner hart an der Grenze seiner Leistungsfaehigkeit laeuft. Das stoert so lange nicht, wie der Rechner bei einem System wie DOS und Windows von der Software akzeptiert wird. Kommen jedoch OS/2 oder Windows NT zum Einsatz, die ihre Hardware pruefen, wird der Rechner zum Absturzkandidat - was irrigerweise dem Betriebssystem zugeschrieben wird.

Auch die vielfaeltigen Einstellungen der Config.sys, der naechsten Optimierungsinstanz, werden oftmals dem Betriebssystem angelastet. Sie sind im wesentlichen durch die Hardwaretreiber bedingt, die in der Config.sys eingebunden werden. Diese laesst sich unter drei Gesichtspunkten optimieren: maximaler Arbeitsspeicher, maximale Geschwindigkeit und optimale Anpassung an den jeweiligen Einsatzschwerpunkt.

Der letzte Punkt ist nur fuer DOS-Rechner interessant, da OS/2 wie NT mit flexiblen Multikonfigurationen arbeiten koennen: Es macht einen Unterschied, ob der Rechner als Laptop mit einer Dockstation, als Einzelplatz oder als vernetzter PC fungiert, ob er nur DOS oder nur Windows-Anwendungen zu bewaeltigen hat. Eine rein DOS-orientierte Maschine kann unter DOS (alle Varianten) folgende Werte in der Config.sys aufweisen:

FILES=20

DEVICE=C:

DOS

EMM386.EXE RAM

STACKS=0,0

Die gleiche Maschine unter Windows muesste mindestens folgende Einstellungen besitzen:

FILES=40

DEVICE=C:

DOS

HIMEM.SYS

DOS=HIGH,UMB

DEVICE=C:

DOS

EMM386.EXE NOEMS

DEVICEHIGH=C:

DOS

MOUSE.SYS

STACKS=9,256

Im Netz mit einer Karte eingebunden, die ihr eigenes I/O-RAM benoetigt, sieht die Config.sys so aus:

FILES=40

DEVICE=C:

DOS

HIMEM.SYS /EXCLUDE:D800-D8FF

DOS=UMB

DEVICE=C:

DOS

EMM386.EXE NOEMS x=D800-D8FF

DEVICEHIGH=C:

DOS

MOUSE.SYS

STACKS=9,256

LASTDRIVE=Z

FCBS=4,0

Wer diese drei fuer sich genommen optimalen Konfigurationen unter Kontrolle halten will, sollte zumindest die Treiber vor dem Laden ueberpruefen, indem mit "?" nachgefragt wird, ob der Treiber geladen werden soll. Die "interaktive" Startsitzung ist immer noch weniger Zeitaufwendig als die Troedelei eines Laptops auf der Suche nach der nicht vorhandenen Maus. Die Einstellung DEVICEHIGH?=C:

DOS

MOUSE.SYS fuehrt in den neuesten DOS-Versionen von MS-DOS 6.2, PC-DOS 6.3 und Novell-DOS 7 beim naechsten Start zur Frage: DEVICEHIGH=C:

DOS

MOUSE.SYS [J/N]. Auf diese Weise kann man Zeilen mehrfach aufnehmen und mit der idealen Konfiguration der Config.sys starten.

Eleganter ist die menueorientierte Verarbeitung, wie sie von den neuen DOS-Versionen angeboten wird. Ueber den Befehl MENUEITEM und den blockweise zusammengefassten Config.sys-Befehlen laesst sich dann beim Start die richtige Konfiguration im ganzen waehlen.

Sind die Grundzuege der Config.sys festgelegt, die Treiber eingebunden, geht es ans Optimieren der Speicherbelegung. Im wesentlichen geht es um den Upper Memory Block (UMB) zwischen 640 und 1024 KB sowie um die Extended Memories, die sich unter DOS fuer das Hochladen von Treibern und DOS selbst ausnutzen lassen. Frueher galt es, mit "Pruefe" und "Boote" die freien Bereiche im erweiterten Systemspeicher in Kleinarbeit herauszufinden, heute erledigen das die DOS-Installationen selbst, sowie Optimierungsprogramme fuer die Memory-Manager wie "Memmaker" von Microsoft oder "Ramboost" von IBM (Novell-DOS optimiert den Speicher nicht, sondern sucht nur den besten Platz fuer sein Protected Mode Interface). Sollten sich diese Optimierer einmal fuerchterlich verfransen, muessen sie mit dem Parameter /UNDO gestartet werden. Passend zur optimalen Mehrfach-Config.sys ist uebrigens nur IBMs Ramboost (aus den PC-Tools von Central Point) in der Lage, fuer mehrere "Konfigurationen" die besten Werte zu suchen.

Zu den eingebauten Loesungen gibt es Alternativen: die Optimierer und Memory-Manager der Dritthersteller wie "QEMM-386" (Quarterdeck), "386Max" (Qualitas) oder "Netroom" (Helix, auch Produzent von Memmaker). Diese Programme gehen ueber mehrere automatische Installationsphasen hinweg ausgesprochen aggressiv vor und holen Speicherbytes selbst aus den unteren BIOS-Regionen heraus.

Tips fuer die Konfiguration

Speziell fuer Windows-PCs werden "Winsense" von Softlogic Solutions und die beiden grossen Windows-Utilities "Norton Desktop" und "PC Tools 2.0 for Windows" angeboten. Letztere enthalten Tips zur optimalen Konfiguration, waehrend sich Winsense mit allen Startdateien (auch den Windows-Inis) auseinandersetzt. Noch besser geht es nur, wenn die technischen Handbuecher des Rechners informativ sind. Ein solcher Speicherbereich, der sich mitunter manuell verbessern laesst, ist F000-FFFF fuer das ROM-BIOS, das nach dem Start des Rechners verwaist liegt.

Richtige Speicheroptimierer vergreifen sich nicht nur an der Config.sys, sondern auch an den Treibern, die ueber die Autoexec.bat geladen werden. Dabei wird analog zum gefundenen freien Systemspeicher das Laden von Treibern und Programmen in passenden Haeppchen ueber die verschiedenen Bereiche verteilt. Die Autoexec.bat kennt aehnlich wie die Config.sys das Problem mehrerer Konfigurationen, wenn etwa der Rechner am Netz oder als Einzelplatz arbeiten soll. Allerdings lassen sich Stapeldateien ueber den Batch-Befehl CALL und die Verzweigung CHOICE wesentlich einfacher anpassen.

Eine der wichtigsten, vielfach unterschaetzten Optimierungen liegt im DOS-Bereich im Austausch des Befehlsprozessors durch eine erweiterte Variante wie 4DOS (JP International, auch als 4OS2 erhaeltlich) oder NDOS (Norton). Auf diese Weise kann die Arbeit am nackten Systemprompt erheblich beschleunigt werden.

Die Beschleunigung des optimalen PCs bestimmt hauptsaechlich der Cache, der den Festplattenzugriffen Beine macht. Er kann als Hard- oder Software-Cache aufgesetzt sein, wobei der Hardware-Cache (ueber den Platten-Controller) die bessere, aber auch teurere Variante darstellt, die zudem beim Wechsel der Betriebssysteme Kopfzerbrechen bereiten kann. Bleibt der Software-Cache mit ueppig ausgebautem Systemspeicher (4 MB sollten es schon sein), wie er von allen Betriebssystemen unterstuetzt wird, die in der Regel auch die richtigen Werte fuer die Cache-Einstellung selbst finden.

Cache macht den Festplatten Beine

Auf dem DOS-Markt ist es schwer, ein Cache-Programm zu finden, das ueber die System-Tools wie "Smartdrive" (MS-DOS, PC-DOS) oder "Nwcache" (Novell DOS) in puncto Geschwindigkeit hinausgeht. Der Unterschied liegt eher im Angebot zusaetzlicher Utilities wie Virenprogramme ("PC Cache" von Central Point) oder Drucker-Spooler ("PC-Kwik" von PC-Kwik). Was die DOS-Angebote anbelangt, sollte man auf die jeweils letzten Versionen des Betriebssystems umsteigen, in denen Microsoft und IBM Sicherheitsprobleme beim Ausschalten des Rechners sowie die CD-ROM-Unterstuetzung mit Cache verbessert haben. Zum richtigen Cache unter DOS sollte die Festplatte quartalsmaessig mit einem Plattenoptimierer auf Vordermann gebracht werden.

In dem Masse, in dem der Einsatz eines Cache-Programms fuer den optimalen PC wichtig ist, ist er bei der Arbeit mit komprimierten Plattenbereichen ueberfluessig. Der Leistungsvorteil eines Caches wird durch die Kompression aufgehoben. Mit "Doublespace", "Stacker" oder "Superstore" komprimierte Partitionen entstehen aus dem eventuellen Platzmangel, der durch die ins System eingeschleifte Kompression gemildert wird.

Eine bessere Alternative ist immer noch das Komprimieren einzelner Dateien. Einen leichten Leistungseinbruch, aber erheblichen Sicherheitsgewinn erreicht man mit dem Einsatz von Viren-Scannern.

Tips & Tricks

Versteckte Dateien auflisten

Um alle versteckten Dateien Ihrer Festplatte anzuzeigen, nutzen Sie folgende DIR-Parameter: DIR

/s/a:hDer Schalter /S erweitert die Liste auf alle Unterverzeichnisse, und der Schalter /A:H beschraenkt die Suche auf versteckte Dateien. Dieser Befehl gibt also alle versteckten Dateien des Laufwerks auf den Bildschirm aus. Wenn Sie grundsaetzlich alle Dateien sehen wollen, definieren Sie am besten die DIRCMD-Variable in der AUTOEXEC.BAT mit dem Schalter /A ohne Zusatz. Aus der CW-Schwesterpublikation "PC WELT", Ausgabe 4/94.

Detlef Borchers ist freier Journalist in Westerkappeln-Metten.