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04.03.1994

Plaut steuert betriebswirtschaftliches Know-how bei AS/400-Software von IBM Neue Konkurrenz fuer SAP

04.03.1994

MUENCHEN (hv) - Die IBM hat ihre Entwicklungs- und Vertriebsstrategie fuer die AS/400-Anwendungssoftware "MAS90" grundsaetzlich ueberarbeitet. Unterstuetzt von der Plaut-Gruppe, die auch SAP beraet, legt Big Blue das Nachfolgekonzept "MAS2000" auf.

Trotz starker Konkurrenz aus dem PC- und Workstation-Lager erweist sich die proprietaere AS/400-Maschine in mittelstaendischen Anwenderkreisen als Dauerbrenner. Rund 25000 Systeme hat die IBM bis heute abgesetzt, die Erfolgskurve neigt sich nur langsam. Bisher hat es Big Blue jedoch nicht verstanden, aus dieser Marktsituation auch im Softwaregeschaeft Kapital zu schlagen. Rund 3000mal ist die betriebswirtschaftliche und logistische Standardsoftware MAS90, eine vom Ettlinger Softwarehaus Command GmbH uebernommene und modifizierte Loesung, installiert - allerdings meistens nur modulweise. Diese Bilanz moechte die IBM aufbessern.

Zu den Schwachstellen der AS/400-Software zaehlt das Rechnungswesen. Um hier den neuesten Stand zu erreichen, hat sich IBM das Kostenrechnungs-Know-how sowie einige Produkte der Plaut Controlling Systems AG, Lugano, gesichert. Bis Mitte dieses Jahres sollen die Module Kosten-, Leistungs- und Ergebnisrechnung der Standardsoftware "M120" von Plaut in MAS90 integriert werden.

Das Schweizer Beratungs- und Softwarehaus, hierzulande in Muenchen ansaessig, wird auch bei der Gestaltung des Zukunftsproduktes MAS2000 mitreden. Plaut soll der IBM bei der Konzeption der Kostenrechnungs- beziehungsweise Controlling-Strategie langfristig zur Seite stehen.

Die Kooperation ist brisant, denn das mittelstaendische Softwarehaus steht seit zwoelf Jahren auch der Walldorfer SAP AG beratend zur Seite. "In den Systemen R/2 und R/3 steckt das gesamte Gedankengut und Know-how unseres Hauses", bilanziert Verwaltungsratsmitglied Heinrich Mueller. Auf SAP-Software passe der Werbeslogan "Plaut inside", meint der Vorstand mit einem Augenzwinkern.

In den gleichzeitigen Partnerschaften mit IBM und der SAP sieht Mueller aber keinen Widerspruch: "Die MAS2000-Strategie der IBM kommt sich nicht mit der R/3-Positionierung der SAP ins Gehege." Ausserdem verstehe man sich in erster Linie als betriebswirtschaftliches Beratungshaus, dessen Controlling- und Kostenrechnungskonzepte von Softwarehaeusern in Produkte umgesetzt wuerden.

Diese Beteuerungen stehen aber auf wackeligen Beinen, denn die IBM denkt sehr wohl daran, der SAP im Kampf um mittelstaendische Anwender Konkurrenz zu machen. Dieser Wunsch verstaerkt sich in dem Masse, in dem Grossunternehmen dazu uebergehen, ihr Geschaeft in kleinere Einheiten zu zerlegen. Stephan Rossius, Direktor des Bereichs nationale Anwendungen bei der IBM in Frankfurt, sieht denn auch in der "Vermittelstaendlichung" der deutschen Wirtschaft eine Chance fuer AS/400-Rechner und MAS2000-Software.

Anwendungssoftware nicht nur fuer AS/400-Rechner

Bei dem neuen Produkt handele es sich um eine Client-Server- basierte, mehrplattformfaehige, internationale Standardsoftware, die auf der aelteren Loesung MAS90 aufbaue und mit objekt-orientierten Entwicklungs-Tools ausgestattet werde. IBM werde nicht nur das proprietaere Betriebssystem OS/400, sondern auch AIX, OS/2 und Systeme anderer Anbieter unterstuetzen.

Inhaltlich legt Big Blue den Schwerpunkt der MAS2000-Konzeption auf den betriebswirtschaftlichen Teil. Im Logistikbereich werde man sich auf Basisfunktionen beschraenken. Dieses Segment sei fuer Kunden zu wettbewerbskritisch, als dass es sich auf breiter Ebene mit Standardprodukten abdecken lasse. IBM werde hier mit Branchenspezialisten kooperieren, die mit ihren vertikalen Loesungen auf der "cross-funktionalen" Software MAS2000 aufsetzen koennten. Diese Haeuser werden ebenso wie Plaut zu "MAS2000- Partnern" - offen ist allerdings noch, wer in diesen Kreis berufen wird.

Brancheninsider aus dem AS/400-Umfeld beurteilen die Strategie eher skeptisch. Noch kaum einem Softwarehaus sei es gelungen, mit Hilfe von Partnern, die an unterschiedlichen Standorten entwickelten, ein integriertes Produktpaket zu erstellen. Auch die IBM muesse mit Schwierigkeiten rechnen.