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11.05.2001 - 

Neupositionierung trägt erste Früchte

Plenum wappnet sich fürs E-Business

FRANKFURT/M. - Fieberhaft arbeitet die deutsche Beraterzunft daran, sich fit für das lukrative E-Business-Geschäft zu machen. Keine leichte Aufgabe, bedeutet dies doch jede Menge Um- und Aufbau. Auch die Wiesbadener Plenum AG durchschreitet gerade diesen Transformationsprozess. Mit Erfolg, wie es scheint. Von Beate Kneuse*

"Ertragskraft trotz Wachstumsoffensive". Auf diese kurze Formel bringt Plenum-Chef Hartmut Skubch die Ergebnisse des zurückliegenden Geschäftsjahrs. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um rund 84 Prozent von 25,7 auf 47,2 Millionen Euro, wovon 52 Prozent organisches Wachstum waren. "Mit diesem Umsatz", so applaudiert sich Finanzvorstand Thomas Reuther selbst, "haben wir unsere Planzahlen weit übertroffen." Tatsächlich waren die Wiesbadener ursprünglich von Einnahmen in Höhe von 36,7 Millionen Euro ausgegangen. Dabei hätte das Umsatzpolster noch üppiger sein können, wäre nicht die geplante Akquisition der Multimedia-Agentur F1 wieder rückgängig gemacht worden.

Der Grund für den Rückzug: Das Unternehmen konnte weder die von Plenum geforderten Umsatz- noch die Ertragsziele erreichen. In Sachen Profit sehen sich die Plenum-Lenker ebenfalls auf Kurs. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kletterte von 3,9 auf 4,6 Millionen Euro. Die Mitarbeiterzahl erhöhte sich von 170 auf 319. Die ansehnlichen Eckdaten des Geschäftsjahrs 2000 bereiten Finanzchef Reuther um so mehr Vergnügen, als sich Plenum - wie viele andere nationale und internationale Consultants - noch mitten in der Umbauphase befindet.

Längst ist die "E-Thematik" zum dominierenden Aspekt des Beratungsgeschäfts geworden. Dies erzwingt vor allem den Aufbau vielfältigen Know-hows, um das von den Kunden geforderte integrative Leistungsspektrum, sprich: Strategie- und Organisationskompetenz sowie Web- und IT-Systemintegrations-Expertise, bieten zu können. Die Wiesbadener, seit ihrer Gründung 1986 als Beratungshaus für IT-Strategien unterwegs, beschlossen vor gut drei Jahren - nicht zuletzt getrieben vom E-Business-Boom - eine Neuausrichtung zum Lösungsspezialisten.

Plenum wurde fit für den Börsengang gemacht, um das nötige Geld für die geplante Wachstumsstrategie heranzuschaffen. Dies hieß, die alten Partnerstrukturen einzudampfen, was für eine Beratungsgesellschaft, wie Gründer Skubch betont, schon ein Kraftakt an sich ist. Unter dem Dach der "neuen" Plenum AG wurde 1998 im Vorfeld des IPO das Systemhaus Plenum Systems gegründet, das sich seither auf die technische Umsetzung von Lösungen konzentriert und neuerdings als Plenum New Technologies in Erscheinung tritt. Im vergangenen Jahr folgte die Gründung der Plenum New Media mit dem Ziel, künftig auch in puncto multimediale Lösungen mitmischen zu können.

So erstaunt nicht, dass sich Plenum heute gerne als "Architekt des New Business" bezeichnet - zumal der Bereich New Media nach Auskunft des Vorstandsduos Skubch und Reuther einen guten Start hingelegt hat. Erweitert um die übernommen Digital Online Media GmbH und mtw GmbH, verzeichnete dieses neu geschaffene Kernsegment im zurückliegenden Geschäftsjahr Einnahmen in Höhe von 5,9 Millionen Euro. In Sachen Belegschaft lag es in der internen Rangliste mit 101 Mitarbeitern bereits an zweiter Stelle hinter der Systemhaussparte mit 177 Beschäftigten. Diese fuhr mit 16,4 Millionen Euro im Jahr 2000 den meisten Umsatz ein, wobei die Akquisition der IBL GmbH Schützenhilfe leistete.

Dass in Sachen New Media das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht ist, stellte Plenum gerade nachdrücklich unter Beweis. Vor zwei Wochen erwarb man die Stoll + Fischbach-Gruppe. Mit einem Umsatz von 12,1 Millionen Euro und 120 Mitarbeitern war der Neuerwerb im Jahr 2000 immerhin unter den Top 20 der Multimedia-Agenturen in Deutschland und beschert Plenum Kompetenz in Sachen Cross Media Communication, sprich: Integration von On- und Offline-Kommunikation, sowie E-Branding und E-CRM.

Wie ernst es den Hessen mit der Fokussierung auf die drei Säulen New Media, Management-Consulting und Systemhaus ist, beweist auch, dass die restlichen Bereiche Plenum Institut (Weiterbildungsaktivitäten) und Plenum New Venture (Beteiligungen) strategisch anders positioniert beziehungsweise drastisch zurückgefahren werden. Während das Institut in das Systemhaus integriert wird, liebäugeln die Plenum-Lenker langfristig mit einem kompletten Rückzug aus dem Startup-Finanzierungsgeschäft. Reuther betont: "Zum einen reißen wir uns derzeit aus verständlichen Gründen nicht um diese Unternehmen, zum anderen hat das Venture-Capital-Geschäft keine Relevanz für die Old Economy." Die noch vorhandenen Beteiligungen, dazu gehören unter anderem die wie Plenum am Neuen Markt notierten Unternehmen Datadesign, Prodacta und Digital Advertising, sollen im laufenden Jahr schrittweise abgestoßen werden.

Keine ausländischen StandorteAllen Fortschritten zum Trotz, die das Plenum-Vorstandsduo derzeit dazu verleitet, sich in Sachen Aufstellung und ganzheitliche Lösungen für das New Business als einzigartig zu bezeichnen, haben die Wiesbadener erst einen Teil des Weges zurückgelegt. Größter Schwachpunkt im Wettbewerb mit den großen internationalen Consulting-Spezialisten ist die bisher weitgehende Beschränkung auf den deutschen Markt. Zwar betont Unternehmensgründer Skubch, dass man bereits "eine Reihe internationale Projekte" bewerkstelligt habe, Standorte im Ausland gibt es aber noch nicht. Thema, so Finanzchef Reuther, sei die Internationalisierung zwar durchaus, doch bestehe dazu kein Grund zur Eile. "Zum einen sind wir kein Produkthersteller, zum anderen sind wir froh, wenn wir erst einmal hierzulande vernünftig und profitabel vorankommen."

So ist denn auch nicht zu erwarten, dass die Wiesbadener in diesem oder im nächsten Jahr Schritte über die Landesgrenzen hinaus unternehmen. Auch nicht über Akquisitionen. Denn mit Firmenübernahmen will man sich vor allem inhaltlich verstärken. So sucht Plenum derzeit nach einem Übernahmekandidaten zur weiteren Verstärkung des Systemhaussektors.

*Beate Kneuse ist freie Journalistin in München.