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28.09.2001 - 

Wiedererwachtes Interesse an der Windows-CE-Plattform

Pocket PC 2002: Die neue Wintel-Allianz

MÜNCHEN (wm) - Frischer Wind im PDA-Markt: Nachdem Microsoft mit seiner Pocket-PC-Plattform überraschend erfolgreich ist, schieben die Redmonder mit "Pocket PC 2002" nun eine neue Version des Betriebssystems nach. Auch eine Reihe von Hardwareherstellern trumpft zeitgleich mit neuen Handhelds auf.

Der Erfolg des Ipaq von Compaq hat die Branche offenbar wachgerüttelt. Nach der langen Durststrecke bis zur Version 2.11 hatte man den Markt bereits für tot erklärt, viele Firmen, darunter Philips und Sharp, zogen sich nach verlustreichen PDA-Abenteuern wieder zurück. Mit Windows CE 3.0 versprach die Gates-Company Anfang letzten Jahres, alles besser zu machen. Anfänglich mochten sich allerdings nur Casio, Hewlett-Packard und Compaq auf das Abenteuer einlassen, einen weiteren Anlauf im von Palm dominierten Markt zu versuchen.

Der Mut zum Risiko hat sich ausgezahlt - vor allem für Compaq. Insbesondere wegen seiner innovativen Technik konnte der Ipaq seine biederen Konkurrenten weit hinter sich lassen und schaffte es sogar, Palm nach Umsatzzahlen zu überholen. Besonders in Unternehmen kommen die Pocket PCs - so der offizielle Microsoft-Name für CE-3.0-gestützte PDAs - gut an. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Entwicklung von Anwendungen mit Microsofts Tools sehr einfach ist.

Die Vormachtstellung der Texaner dürfte den Mitstreitern seit längerem ein Dorn im Auge sein, deshalb haben einige Hersteller ambitionierte Geräte entwickelt, die dem Platzhirsch Compaq Marktanteile streitig machen sollen. Wenn Microsoft am 4. Oktober sein Pocket PC 2002 präsentiert, werden neben Compaq auch HP, Casio und Toshiba ihre neuen Geräte vorstellen. Für den Ipaq könnte es tatsächlich eng werden, da nun auch die anderen Anbieter vergleichbare und teils besser ausgestattete Handhelds vorweisen können.

Ipaq in Bedrängnis

Auffallendstes Merkmal aller neuen Windows-PDAs im Handflächenformat ist die gemeinsame Prozessorplattform "Strongarm" mit aktuell 206 Megahertz. Microsoft setzt mit dem neuen System nun ausschließlich auf diese CPU, die derzeit überwiegend von Intel produziert wird. Bisher kamen auch noch Mips- und SH3-Chips zum Einsatz, wobei das baukastenartig konzipierte Windows CE darüber hinaus sogar noch eine Reihe weiterer Architekturen bis hin zu x86 unterstützt.

Sowohl für Anwender als auch Hersteller hat diese Vereinheitlichung Vorteile. Für PDA-Nutzer, die sich Software kaufen oder aus dem Internet laden, entfällt die lästige Suche nach der speziellen Version für ihre CPU. Entwickler müssen nun nicht mehr verschiedene Varianten kompilieren, was weniger Tests und Fehlersuche bedeutet. Auch Microsoft dürfte sich über weniger Arbeit freuen, weil man sich nun auf einen Compiler konzentrieren kann. Vor allem mit der Mips-Variante, die von einem Drittanbieter kam, waren die Redmonder unzufrieden, weil sie langsamen und überladenen Code produzierte.

Bleibt nur zu hoffen, dass aus dieser Entwicklung keine Monokultur entsteht, wie sie bei den PCs mit der Allianz Microsoft/ Intel (Wintel) existiert. Auch Palm wird ab nächstem Jahr von Motorolas "Dragonball" auf Strongarm umsteigen. Immerhin ist Intel in diesem Segment nur Lizenznehmer der ARM-Architektur, so dass auch andere Chiphersteller in Zukunft eigene ARM-Varianten anbieten werden.

HP hatte bisher mit seinen "Jornada"-Modellen "545/548" und "525" preisgünstige Modelle im Programm, die allerdings technisch nicht auf der Höhe der Zeit und mit 260 Gramm auch zu schwer für die Hemdtasche waren. Ganz anders der neue "Jornada 565/568". Mit 173 Gramm Gewicht und den Außenmaßen 132 x 76 x 17 mm ist er etwa mit dem Ipaq vergleichbar. Im Gegensatz zum Compaq-Gerät besitzt er wie seine Vorgänger einen eingebauten Compact-Flash-(CF-)Slot vom Typ I. Einziger Nachteil dabei: Einige Geräte wie etwa IBMs Minifestplatte Microdrive oder Xircoms Wireless-LAN-Karte passen wegen ihres etwas dickeren CF-II-Formats nicht in den Jornada.

Die Aufrüstung des Systems schlägt sich im Speicherbedarf nieder. Begnügte sich Pocket PC bisher mit 16 MB ROM und einem Minimum von 16 MB Arbeitsspeicher, so setzt das neue Mini-Windows nun 32 MB ROM voraus und braucht zum Arbeiten mindestens 32 MB RAM.

Höhere Hardwareanforderungen

Der Jornada 568 unterscheidet sich hier von seinem Bruder 565 mit 64 MB RAM. Immerhin ist nun, wie beim Ipaq, Flash-ROM vorgeschrieben. Damit können die Anwender nicht nur Updates einspielen, sondern auch andere Betriebssysteme wie Linux für Pocket PC installieren. Der Nachteil hier: Während Systeme mit nicht-flashbarem ROM vom Betriebssystem-Hersteller sorgfältigere Tests vor der Markteinführung erfordern, könnten den Anwendern mit Pocket PC 2002 nun ähnliche Update-Orgien mit Service-Packs blühen wie beim Desktop-Windows - frei nach dem Motto der Branche: Das Produkt reift beim Kunden. Saftig sind die Preise, die HP veranschlagt. So soll der 32-MB-Jornada 1499 Mark kosten, die 64-MB-Variante 1699 Mark.

Flash-ROM und Einheits-CPU

Noch keine Details über ihre neuen Handhelds wollen Casio, Compaq und Toshiba herausgeben. Da Neueinsteiger Toshiba seinen PDA aber in Japan bereits eingeführt hat, sind auf der dortigen Konzern-Website die Spezifikationen einzusehen. Der "Genio e550" getaufte Pocket PC ähnelt in den Maßen und dem Gewicht dem Jornada. Hervorstechendes Merkmal des Genio sind die zwei eingebauten Erweiterungs-Schnittstellen für Compact Flash Typ II und die vom neuen "Palm m500" her bekannte Secure Digital (SD) Card. Da sich alle neuen Pocket PCs nach technischen Eckdaten nur marginal unterscheiden, könnte dieses Feature dem Toshiba-Produkt zu einer Spitzenposition im Markt verhelfen. In Japan wird die Version e550/MD sogar mit IBMs Microdrive mit dem für PDA-Verhältnisse riesigen Speicherplatz von 1 GB angeboten.

Casio, das beim letztjährigen Wechsel auf Pocket PC offenbar noch das Risiko gescheut hatte und mit dem damals bereits als CE-2.1-Gerät etablierten "Cassiopeia E-1xx" gestartet war, wird beim aktuellen Systemwechsel ebenfalls einen völlig neuen PDA vorstellen. Details hierzu sind allerdings noch nicht bekannt.

Marktführer Compaq schließlich wird einen überarbeiteten Ipaq bringen. Neben dem Modell "3700" wird die Highend-Variante "3800" nun über einen integrierten SD-Card-Slot verfügen. Bisher war für Erweiterungs-Schnittstellen ein zusätzliches Aufsteckgehäuse (Jacket) notwendig.

Geheimniskrämerei betreibt auch NEC. Das Unternehmen wird beim Stapellauf von Pocket PC 2002 nicht dabei sein, in Asien hatte das Unternehmen aber vor kurzem einen Windows-basierten PDA gezeigt. Der Handheld ähnelt in seinem eleganten Design mit schlichter Metalloptik dem "Visor Edge" von Handspring. NEC Deutschland weiß zwar von den Aktivitäten, konnte aber bisher keine näheren Angaben über das Produkt machen.

Neben den genannten Unternehmen gibt es noch einige Anbieter von CE-3.0-PDAs die bisher nicht in Deutschland in Erscheinung getreten sind, so beispielsweise U R There mit dem "@miga" sowie Palmax und FIC. Monitorspezialist Iiyama hat wie unlängst Casio einen neuen Handheld präsentiert, der auf Windows CE 3.0 basiert, allerdings anstelle der Pocket-PC-Benutzeroberfläche über ein selbst gestricktes Interface verfügt.

Für Microsoft stellt das Update auf Pocket PC 2002 lediglich eine Überarbeitung auf der Basis von CE 3.0 dar, die vor allem durch optische Neuerungen ins Auge sticht. Das Layout ähnelt dem von Windows XP, die Benutzer können nun mit Skins auch individuelle Änderungen von Farben und Hintergrundbildern vornehmen. Zwei neue Eingabemethoden sind hinzugekommen. Die Handschrifterkennung "Transscriber" war bereits als Download erhältlich und ist nun fest installiert. Umsteigern aus dem Palm-Lager will man die Plattform offenbar mit einer Zeichenerkennung à la Graffiti schmackhaft machen.

Connectivity für Profis

Der Erfolg von Pocket PC beruht vor allem auf der großen Nachfrage in Unternehmen. Dem tragen die Redmonder mit einigen besonderen Funktionen im Connectivity-Bereich Rechnung. Mit Hilfe des integrierten Cifs-Clients kann nun beispielsweise der Datei-Explorer auf freigegebene Netzwerkordner zugreifen, sofern eine Netzverbindung besteht. Neben dem gesicherten Zugang zu Unternehmensdaten via VPN können Administratoren mit dem Terminal-Service-Client Windows NT/2000/XP-Rechner fernsteuern. Zur Verbesserung der Sicherheit stellt Pocket PC 2002 entweder den Zugangsschutz über eine vierstellige persönliche Identifikationsnummer (PIN) oder eine starke Passwortunterstützung bereit. Auch die zunehmende Virengefahr im Mobile-Bereich haben die Redmonder mit einer Programmier-Schnittstelle berücksichtigt. Drittanbieter können darauf Antivirensoftware zum Schutz der PDA und der entsprechenden Netzwerke aufsetzen.

Die ISP- und Proxy-Autokonfiguration soll die Einrichtung von Netz- und Mail-Konfigurationen erleichtern. Der "Internet Explorer" kennt neben HTML 3.2 nun auch WAP (1.2.1), XML/XSL, cHTML und Active X.

Während die Palm-Fraktion noch auf den überfälligen und für Anfang 2002 angekündigten Plattformwechsel wartet, könnte Pocket PC 2002 mit den neuen Geräten weiter Marktanteile gewinnen. Allerdings stoßen Compaq, HP und Konsorten nun auch in gehobene Preisregionen vor. Falls der Markt nicht insgesamt deutlich wächst, wird sich Compaq die derzeit satten Gewinne mit mehreren ebenbürtigen Konkurrenten teilen müsssen.