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19.04.2005

Pocket-PC hört aufs Wort

Eric Tierling, Master in Information Systems Security Management (Professional), blickt auf über 25 Jahre Erfahrung im IT-Bereich zurück. Neben Hunderten an Fachbeiträgen hat er über 50 Bücher veröffentlicht. Er ist Spezialist für Themen rund um die Informationssicherheit sowie einer der bekanntesten Experten Deutschland für Windows Server und Microsoft-basierte Infrastrukturen.
Mit dem Add-on "Voice Command 1.5" verspricht Microsoft, dass Anwender Pocket-PCs und Kleinstrechner mit integrierter Handy-Funktion bequem durch gesprochene Sprache steuern können.

Nachdem die PDA-Sprachsteuerungs-Software Voice Command in den USA schon seit rund eineinhalb Jahren erhältlich ist, hat Microsoft sein Produkt jetzt auf die deutsche Sprache abgestimmt und hierzulande auf den Markt gebracht. Das speziell auf Pocket-PCs zugeschnittene Voice Command entstand unter Mitwirkung der Automotive Business Unit, die auch für die Windows-Automotive-Embedded-Plattform verantwortlich zeichnet. So eignet sich die Software auch gut dazu, einen PDA im Auto per Stimme zu steuern.

Konkret werden dabei PDAs unterstützt, die mit Windows Mobile 2003 und höher sowie der um Handy-Funktionen erweiterten Phone Edition arbeiten. Eine Variante für Windows-Mobile-basierende Smartphones soll im Sommer folgen. Von den vollwertigen Sprachsteuerungs-Lösungen à la "Dragon Naturally Speaking" unterscheidet sich Voice Command in mehrfacher Hinsicht. So ist das Microsoft-Produkt nicht dazu geeignet, Texte oder E-Mails zu diktieren - was in Anbetracht der begrenzten Ressourcen der Kleinstrechner auch keinen Sinn geben würde. Ebenso wenig geht es darum, Menüeinträge oder Einstellungen per Sprache auszuwählen.

Dafür bietet Voice Command aber etwas, bei dem Dragon & Co. bislang passen müssen: die sprecherunabhängige Spracherkennung, die ohne vorheriges Stimmentraining auskommt. Anweisungen oder Namen erkennt das Programm auf Anhieb. Das vorbereitende Vorlesen längerer Texte wie bei Dragon, um dem Programm die eigene Stimme erst einmal beizubringen, entfällt komplett. Die von Microsoft verwendete Technik der phonetischen Spracherkennung erlaubt es, die Software gleich nach ihrer Installation zu benutzen und mit dem PDA per gesprochene Sprache zu interagieren.

Hierzu besitzt Voice Command einen festen Satz an Sprachkommandos, über den sich die einzelnen Funktionen steuern lassen. Diese Anweisungen erlauben es beispielsweise, Kontakte aus dem Adressbuch anzeigen zu lassen oder eine Telefonnummer zu wählen (im Falle eines mit Pocket PC Phone Edition versehenen Telefon-PDA). Dabei versteht die Software Sprachkommandos in natürlicher Sprechweise, also in der Art "Max Mustermann anzeigen" oder "Max Mustermann zu Hause anrufen". Auf die gleiche Weise lassen sich die im Startmenü von Windows Mobile verankerten Programme sprachgesteuert aufrufen.

Eine übersichtliche Auflistung aller von Voice Command unterstützten Sprachkommandos enthält die mitgelieferte Hilfedatei, was eine langwierige Suche nach dem passenden Befehl erspart. Eine Erweiterung um zusätzliche Befehle ist in der aktuellen Version 1.5 allerdings nicht vorgesehen, so dass man mit den von Microsoft definierten Anweisungen vorlieb nehmen muss.

Des Weiteren lassen sich dem PDA Fragen stellen, die Voice Command dann gesprochen beantwortet. Auf "Welche Termine habe ich morgen" liest das Programm die für den nächsten Tag im Kalender eingetragenen Elemente vor. Ebenso ist es möglich, sich Statusinformationen wie den aktuellen Akkustand oder verpasste Anrufe ansagen zu lassen. Mittels Sprachausgabe moniert die Software auch nicht erkannte Anweisungen und bittet um Wiederholung. Als praktisch erweist sich die Kombination mit der Hilfefunktion: Auf Befehl liest Voice Command die zur Verfügung stehenden Optionen vor.

Im Test hinterlässt Voice Command einen sehr guten Eindruck. Im Anschluss an die Installation über Activesync und das Einrichten der zur Aktivierung der Spracherkennung vorgesehenen Taste ist das Programm sofort einsatzbereit. Nach dem Drücken der Starttaste erscheint in der Titelleiste des Pocket-PC-Bildschirms ein Mikrofonssymbol, und Voice Command nimmt Befehle entgegen. Die sprachgesteuerte Anzeige von Kontakten oder die Anwahl von Telefonummern klappte während des Tests einwandfrei. Dabei verstand die Software selbst kompliziertere Namen aus dem Adressbuch souverän und identifizierte die jeweiligen Kontakte korrekt. Mit dem limitierten PDA-Arbeitsspeicher geht der Proband schonend um: Für rund 250 Kontakte im Adressbuch genehmigt sich die Software etwa 2 MB RAM. Ferner überraschte das Programm durch ein flottes Erkennungstempo: Keine Sekunde nach dem Aussprechen eines Kommandos initiierte Voice Command bereits die entsprechende Reaktion.

Bei der Sprachausgabe hat sich Microsoft für eine Frauenstimme entschieden. Diese spricht zwar mit deutlich vernehmbarem Computerakzent, doch Gesprochenes ist trotzdem gut verständlich. Positiv macht sich die Verknüpfung von Sprachsteuerung und Sprachausgabe bemerkbar: Bestimmte Anweisungen werden zur Bestätigung akustisch quittiert. Komfortabel lässt sich auf diese Weise auch der Media Player nutzen: Auf das Sprachkommando "Musik wiedergeben" reagiert Voice Command mit der Bitte, Album, Genre oder Künstler zu nennen, um daraufhin die passenden Musikstücke abzuspielen.

Microsoft unterstreicht, dass Voice Command vor allem für Anwender interessant sei, die viel im Auto unterwegs sind und für die unter Sicherheitsaspekten im Straßenverkehr eine Freisprecheinrichtung besonders wichtig ist. Im rollenden Fahrzeug kommt es jedoch darauf an, Umgebungsgeräusche möglichst gut herauszufiltern, um die Sprachkommandos richtig zu erkennen. Bei mehreren Testfahrten ließ sich Voice Command weder von Fahrgeräuschen noch dem parallel eingeschalteten Radio aus dem Tritt bringen und meisterte auch solche Situationen. Je lauter es allerdings im Auto wird, desto schwieriger ist es, die von Voice Command generierte Sprachausgabe zu verstehen. Hier setzt schlicht der Lautsprecher des PDA eine natürliche Grenze. Schade ist zudem, dass Voice Command immer auf einen Tastendruck besteht: Mittels Sprachkommando alleine lässt sich die Spracherkennung nicht aktivieren. (hi)