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26.05.1995

Podiumsdiskussion zur Situation der Informatiker Ueberzogene Gehaltswuensche senken Chancen auf einen Job

26.05.1995

MUENCHEN (CW) - Informatiker sind falsch ausgebildet, zu unflexibel und zu teuer. So lauteten einige Kritikpunkte von Industrie- und Arbeitnehmervertretern auf einer Podiumsdiskussion der Gesellschaft fuer Informatik in Muenchen.

Zumindest von der Statistik her duerften die Informatiker keinen Grund zur Klage haben: Die Zahl der Stellenangebote ist im ersten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum selben Zeitraum 1994 um 70 Prozent gestiegen. Auch die Arbeitsaemter melden, dass die durchschnittliche Arbeitslosigkeit leicht zurueckgegangen sei.

Fuer die Praktiker gibt es deshalb noch lange keinen Grund zur Entwar-nung. Noch immer stapeln sich bei den Personalchefs wasch- korbweise Bewerbungen von Kandidaten, deren Chancen auf eine Einstellung als mittelmaessig bis schlecht einzustufen sind. Digital-Betriebsratschef Wolfgang Mueller spricht von einer schwierigen Situation auf dem Arbeitsmarkt, da Angebot und Nachfrage ueberhaupt nicht zusammenpassen wuerden. Die Unternehmen suchten Mitarbeiter in den Bereichen SAP, Netze und Projekt- Management, "viele Arbeitssuchende sind aber Programmierer".

Die Ursachen der Arbeitslosigkeit sieht Johann Klopcic von der Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG, Muenchen, im Strukturwandel. Das Zeitalter des Grossrechners naehere sich dem Ende, und aus der klassischen Datenverarbeitung werde schon sehr bald ein elektroni-scher Consumer-Markt. Weiteres Problem sieht Roland Duerre in den hohen Gehaeltern der DV-Experten. "Warum muss man jedes Jahr mehr verdienen?" fragt der Geschaeftsfuehrer des Muenchner Softwarehauses Interface Connection. Die Konsequenz sei, dass die Aelteren immer teurer und bei einer Krise als erste entlassen werden.

Sissi Closs, Geschaeftsfuehrerin von Comet Computer, Muenchen, und Preistraegerin als Chefin des familienfreundlichsten Unternehmens in Bayern im letzten Jahr, setzt noch eins drauf: "Informatiker sind nicht flexibel genug im Denken", sie haetten oft Anpassungsprobleme, und deshalb komme es dann dazu, dass sich Betriebe von ihren aelteren Beschaeftigten trennten.

Nach Auffassung von BMW-Mitarbeiter Ruediger Gawron wird der Informa-tiker als Know-how-Traeger gar nicht mehr benoetigt, "jeder kann doch die Plug-and-play-Geraete bedienen". Klopcic sieht die Chancen deut-scher DV-Profis im Customizing, im Service und im Entwickeln von Systemloesungen. Er zitiert seinen neuen Chef Gerhard Schulmeyer, der die Beschaeftigten aufgefordert habe, besser auf die Kundenwuensche einzugehen. In Deutschland solle vor allem die Systemstrukturierung bleiben, die Programmierung dagegen in Billiglohnlaender wie etwa Indien vergeben werden, da sie hierzulande nicht mehr bezahlbar sei.

Kritisiert wurde auch die Hochschulausbildung. "Noch immmer lernen die Studenten Compilerbau statt Projekt-Management", beschwert sich Interface-Chef Duerre. Er wuenscht sich eine bessere Zusammenarbeit mit den Universitaeten, dass diese auch die kleinen Betriebe mehr zur Kenntnis nehmen, denn "wir bekommen kaum mal eine Diplomarbeit".