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Experten messen Software an neuen Maßstäben:


17.07.1987 - 

Portabilität wird Kriterium für Qualität

BAD GODESBERG (CW) - User-Transparenz, Wiederverwendbarkeit und Portabilität sind Forderungen, die künftig an ein Softwareprodukt gestellt werden. Sie ergänzen die etablierten Qualitätsmerkmale Modularität und Strukturiertheit - so das Fazit der Tagung "SoftwareTechnologie", die die AFCEA Bonn kürzlich in Bad Godesberg veranstaltete.

"Es ist sehr schwierig, schlechte portable Software zu schreiben", formulierte Reinhold Thurner, Geschäftsführer der Delta Software Technologie AG im schweizerischen Schwerzenbach. Er ließ keinen Zweifel daran, daß die Übertragbarkeit von Anwendungen zwischen Maschinen verschiedener Hersteller ein unabdingbares Gütekriterium moderner Software sei. Mit Seitenblick auf das SAA-Konzept von Big Blue merkte Thurner an: "Portabilität ist nicht, wenn das Programm auf allen IBM-Maschinen läuft."

Für eine bewußte Ausgrenzung des individuellen Erfahrungshintergrunds plädierte der Schweizer mit seiner Feststellung: "Engineering ist, sich vor Erfindungen zu hüten wie vor der Pest." Er riet den Softwareentwicklern, sich zumindest anfangs auf das Wesentliche zu beschränken. Da der Entwicklungsprozeß mit der ersten Version keineswegs abgeschlossen sei, könne man das "Nice-to-have" schon für das Release 2 vormerken.

Erst nach Abschluß der Entwicklung beginne der größere Teil der Arbeit- die Softwarewartung. Dazu Thurner: "Die meisten Softwerker wollen nur die Schlacht gewinnen, nicht den Krieg." Er habe gute Erfahrungen damit gemacht, seine Entwickler die ersten zwei Installationen eigenhändig warten zu lassen; damit verfolge er denselben Zweck wie die Wettkampfläufer, die sich ihr Ziel immer ein kleines Stück hinter dem Band suchen.

Unter dem Motto "Software-Recycling" stand der Vortrag von Harry Sneed, dem Geschäftsführer der Software Engineering Service GmbH, Neubiberg bei München. Um zu verdeutlichen, was darunter zu verstehen sei, führte er den Vergleich mit einer "Jungfrauenmühle" ins Feld: Sneeds Reorganisationsmethode soll aus alten unstrukturierten, monolithischen Programmen neue modulare und nach ingenieurmäßigen Grundsätzen aufgebaute Software machen.

Diese mehrere Jahrzehnte alten Grundsätze legte Michael Jackson, in Fachkreisen oft als Vater des Software Engineering tituliert, dar: "Die Beschreibung ist bereits das Produkt", lautete seine Ausgangsthese; die Codierung, nämlich das, was gemeinhin unter Programmieren verstanden wird, spiele also nur eine sekundäre Rolle. Wesentlich sei ein detailliertes Datenmodell, das alle im Programm relevanten Beziehungen bereits enthalte.

Die Systemtransparenz für Endanwender brachte Max Vetter, Dozent an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich und bei der Schweizer IBM, zur Sprache. Die Balance zwischen zentraler Datenverwaltung und dezentraler Speicherung wird in seinem Modell durch eine gegenläufige Entwicklung von zwei Seiten der Unternehmensstruktur her erreicht: top-down von der Datenadministration aus, bottom-up von den Fachabteilungen her.

Das Know-how der ausgefuchsten Entwickler in Expertensystemen zu implementieren und für ihre weniger erfahrenen Kollegen abrufbereit zu halten, schlug Horst Strunz, Geschäftsführer der ExperTeam GmbH, Köln, und Honorarprofessor an der Kölner Hochschule, vor. Gute Zukunftschancen gab auch Ian Macdonald, Technischer Direktor bei der James Martin Associates (JMA), London, dem Einsatz wissensbasierter Systeme innerhalb der von der JMA

propagierten Methode. "In spätestens drei Jahren wird Information Engineering intelligent sein."