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29.11.2002 - 

Anwender des Jahres/Start Amadeus

Portal zum Traumstrand

Start Amadeus aus Bad Homburg hat mit dem "Portevo"-Portal einen Internet-Zugang zum Buchungssystem geschaffen und kam damit in die Finalrunde. Zudem bietet die Site den Reisebüros Zusatzdienste wie etwa einen Online-Helpdesk sowie beratungsunterstützende Web-Inhalte.

Die Dienste von Start Amadeus hat schon so ziemlich jeder in Anspruch genommen, der eine Urlaubsreise unternommen hat, doch ist die Firma außerhalb der Reisebranche kaum bekannt. Das in Bad Homburg ansässige Unternehmen betreibt ein Buchungssystem, das Reisebüros sowie die Reiseabteilungen großer Firmen verwenden, um Flüge, Bahnreisen, Pauschalreisen, Veranstaltungstickets, Mietwagen und Reiseversicherungen zu buchen. Insgesamt sind 18400 Büros mit 74000 Endgeräten mit dem System verknüpft.

Host-Masken ablösen

Bis vor kurzem bedienten die Reiseberater ausschließlich Host-Masken, wobei sie per X.25-Verbindung mit dem Zentralrechner verbunden waren. Im April 2001 begann Start Amadeus, ein Portal zu errichten, um den Kunden, sprich Reisebüros, einen bequemeren Zugriff auf den Host sowie Zusatzdienste, etwa Bilder von Reisezielen, Klimadaten sowie Preisvergleichsfunktionen, zur Verfügung zu stellen. "Die Endkunden kommen heute gut informiert ins Reisebüro, die Berater müssen daher immer auf dem Laufenden sein", erläutert Wolfgang Klein, Leiter Business Unit Reisemittlerprodukte und Mitglied der Geschäftsleitung bei Start Amadeus. Somit standen nicht etwa die möglichen Einsparpotenziale im Vordergrund. Vielmehr reagierte das Unternehmen auf den Trend in der Touristikbranche. "Fast alle Reisebüros haben einen Internet-Anschluss, um auf Informationen zugreifen zu können", ergänzt Martin Kosel, Senior Project Manager von Portevo. "Der Berater muss heute noch zwischen Host-Oberfläche und dem Internet hin- und herwechseln. Mit Portevo erhält er ein einheitliches Interface für Transaktionen und Informationen."

Das Portal soll nicht nur Zusatzinformationen liefern, sondern den Reiseexperten das Leben erleichtern: Über einen Online-Helpdesk können sie dem Betreiber Probleme mit dem Buchungssystem melden, zudem informiert sie die Web-Seite aktiv über Störungen, beispielsweise in einem angeschlossenen Rechnersystem. Der Anwender hat die Möglichkeit, den Status seiner Störungsmeldung ("Trouble Ticket") nachzuverfolgen.

Es galt bei dem Projekt, die zentrale BS2000-Infrastruktur für den Internet-Zugriff freizuschalten, und zwar mit der gleichen Servicequalität, wie sie die bisherige Umgebung bieten konnte. Einige Anwender nutzten bereits das Internet für ihre Buchungen: Die von Siemens geschriebene Software "Start Web Client" stellt die Host-Masken im Web-Browser dar, indem sie die Bildschirminhalte für das HTML-Frontend aufbereitet. Doch erst mit dem "Start Web Basic" für kleine Reisebüros beziehungsweise die der für große Agenturen konzipierten "Vista"-Lösung stehen wirkliche Internet-Anwendungen auf der Website zur Verfügung. Neben den Host-Applikationen bindet Portevo Inhalte externer Content-Lieferanten ein, etwa Klimadaten oder Bildmaterial von Reisezielen.

Start Amadeus implementierte das Portal auf der Grundlage der Java 2 Enterprise Edition (J2EE). Die Host-Daten werden dem Portevo-Server in XML bereitgestellt. Zur Präsentation im Browser erfolgt die Umwandlung in HTML mittels Style Sheets. Die Softwareplattform bildet der "Weblogic Application Server" von Bea Systems, und zwar unter dem Betriebssystem Solaris sowie Server-Systemen von Sun Microsystems. Zur Host-Integration dient eine auf einem separaten Server-System laufende Corba-Lösung, die ebenfalls von Bea Systems stammt. Dieses Middleware-System ist so auszulegen, dass alle Buchungstransaktionen über das Portal abgewickelt werden können. Start Amadeus gewältigt bis 650 Requests pro Sekunde im Zentralsystem. Die Last vermehrt sich noch, wenn Start Amadeus weitere externe Applikationen anbindet, so zum Beispiel die IT-Systeme des alternativen Bahnbetreibers Connex.

Single-Login in Arbeit

Geplant, aber noch nicht realisiert sind Statistikfunktionen. Damit lassen sich zum einen Web-Seitenzugriffe analysieren und damit auch Rückschlüsse auf die Verfügbarkeit des Systems ziehen. Anderseits erlaubt dieses Feature, die Akzeptanz von Reiseangeboten zu erforschen. So sollen die Veranstalter beispielsweise in Erfahrung bringen können, warum ihre Angebote zwar in die Beratung einbezogen werden, es aber nur selten zu einer Buchung kommt.

Noch im Entstehen ist ferner ein Single-Login, bei dem sich der Benutzer durch einmaliges Eingeben von Benutzername und Passwort sowohl am Portal als auch an den für ihn zugänglichen Applikationen anmeldet. Zurzeit sind noch mehrere Anmeldevorgänge erforderlich. Zu den Online-Anwendungen neben den bereits erwähnten Vista und Start Web Basic zählen mit Portevo eingeführte Zusatzprodukte wie die "Touristische Beratungsunterstützung" (TBU) für kleine beziehungsweise "Leisure Travel Solution" (LTS) für große Reisebüros. LTS erlaubt unter anderem eine Vergleichssuche über unterschiedliche Veranstalter hinweg.

In der Pilotphase wurden 3300 Anwender in 2700 Betriebsstellen angebunden. Insgesamt sind 47000 weltweit Rechner mit dem Start-System verbunden, die nach dem Willen des Unternehmens alle in Portevo integriert werden sollen. Die Portalnutzung ist für die Reisevermittler kostenlos, gezahlt wird nur für die jeweils freigeschalteten Anwendungen. Bis Mitte 2003 will Start Amadeus die Siemens-Lösung Start Web Client durch die Internet-Applikation Start Web Basic ablösen.

Firma in der Firma

Zur Realisierung von Portevo wurde innerhalb des Unternehmens eine "Projektfirma" gebildet, besetzt mit Experten aus Fachabteilungen sowie IT-Spezialisten. Die beteiligten Mitarbeiter wurden hierzu von ihren Abteilungsaufgaben entbunden und für die Dauer des Vorhabens in eine neue Organisation eingegliedert. Die "Firma in der Firma" trug auch die Verantwortung für das Budget. "Bei der Entwicklung innerhalb eines eigenständigen Teams muss die Verankerung des neuen Produkts in das Unternehmen rechtzeitig vorbereitet werden", gibt Kosel IT-Managern auf den Weg, die eine ähnliche Vorgehensweise anstreben.

Die bisherige Projektphase beinhaltet die Erstellung einer Pilotversion, die im September 2001 eingeführt wurde. Das erste Produkt-Release wurde dem Markt im September diesen Jahres zugänglich gemacht. (fn)