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14.10.2005

Portale: Open Source im Anmarsch

Fünf verbreitete Produkte haben sich als praxistauglich erwiesen, wenn auch mit teils erheblichen Abstrichen.

Das Portal bildet in vie- len Unternehmen die Schnittstelle, an der Informationen und Wissen sowie Anwendungen und Prozesse sich berühren. Entsprechend komplex und langwierig kann seine technische und organisatorische Einführung sein. Ausgangspunkt ist üblicherweise ein Portal-Framework plus Applikations-Server, mit denen sich die technische Infrastruktur entwickeln lässt. Zudem zählen vorgefertigte Anwendungsbausteine wie Portlets, Features für seine Administration sowie im begrenzten Umfang auch ein Content-Management zum heutigen Lieferumfang.

Die Projekte

Gridsphere

Das Portal stammt von dem von der Europäischen Kommission gegründeten Gridlab und wird derzeit vor allem vom Max-Planck- und Albert-Einstein-Institut betreut.

- Über das Gridlab sind wissenschaftliche Portlets verfügbar;

- Übereinstimmung mit dem IBM Websphere 4.2 Portlet API.

- Rudimentäre Funktionen für Content-Management.

Jetspeed 2:

Das Projekt wird von der Apache Group betreut und ist die Referenzimplementierung des Java-Portlet-Standards JSR 168 "Apache Pluto".

- Neben Java werden auch Perl und PHP unterstützt;

- XML-basierend;

- technisch ambitioniert.

- Dokumentation, Personalisierung, einsetzbare Portlets, keine Content-Management-Funktionen.

Jboss Portal:

Die aktuelle Version aus dem Jboss-Projekt basiert anders als ihr Vorgänger Jboss/Nukes auf JSR 168.

- Gute Integration in die Jboss-Produkt- familie;

- professioneller Support.

- Dokumentation, Rechte- verwaltung, Personali- sierung.

Liferay:

Quelloffene Portal-Software des gleichnamigen Anbieters.

- Professioneller Support, gute Dokumentation;

- umfassendste Portlet-Funktionen;

- integrierte Suchmaschine;

- gute Integration mit Verzeichnisdiensten;

- leicht zu installieren, anzupassen und zu warten.

- geringer Bedienkomfort der Admin-Tools

Exo Platform:

Portalsoftware, die vom Anbieter Exo Platform SARL betreut wird. Sie ist nur für den Privatgebrauch kostenlos.

- Eclipse-Plugin für Portlet-Entwicklung;

- professioneller Support;

- gute Administrations- funktionen.

- nur wenige einsatzbereite Portlets

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de/go/

*81083: Vergleich Portale für den Mittelstand;

*80159: Ratgeber Portaleinführung;

*77000: Umfrage zum Einsatz von Portalen;

Weitere Links

Studie: "Vergleich Open Source Portale", Bezug unter: http://www.softwareinitiative-deutschland.de/.

Gridlab: www.gridsphere.org;

Apache Software Foundation: http://portals.apache.org;

Jboss : www.jboss.org;

Liferay: www.liferay.com;

Exo Platform SARL:

www.exoplatform.com

Hier lesen Sie …

• was Open-Source-Portale heute bieten;

• wo sie ihre Stärken und Schwächen haben;

• worauf bei der Auswahl zu achten ist.

Neben kommerziellen Produkten von Bea Systems, IBM, Oracle, SAP oder Microsoft unterhält auch die Open- Source-Gemeinde Projekte, die sich in erster Linie mit Java- basierenden Portal-Frameworks beschäftigen. Welch unterschiedlichen Reifegrad diese quelloffenen Konkurrenten besitzen, hat jetzt eine im Auftrag der "Software-Initiative Deutschland" erarbeitete Studie des Münchner IT-Dienstleisters Pentasys gezeigt. Verglichen wurden die prominentesten Open-Source-Lösungen in den aktuellen Versionen (Stand April 2005) "Gridsphere 2.0.2", "Jetspeed 2 , Milestone 1", "Jboss Portal 2.0 Beta 1", "Liferay 3.2.0" sowie "Exo Platform 1.0". Die Tester bewerteten Funk- tionen für Administration, Sicherheit, Personalisierung, Content-Verwaltung sowie die Portlet-Unterstützung, ferner den verfügbaren Support und weitere technische Details.

Schwierige Verwaltung

Frappante Unterschiede zeigen sich bei den Funktionen für die Benutzer-, Rollen- und Rechteverwaltung (siehe Grafik "Administration"). So verfügt Jboss Portal 2.0 über keine ausgeprägte Rechteverwaltung und fiel ebenso wie Jetspeed durch eine schlecht dokumentierte und nur manuell machbare Installation auf. Die Portlet-Verwaltung und deren Deployment sind hingegen in allen Projekten vorhanden, wobei Liferay insgesamt den besten Eindruck hinterließ. Der Bedienkomfort der Administrations-Tools lässt bei allen Portalen noch zu wünschen übrig.

Erfreulicher waren die Ergebnisse bei den gebotenen Sicherheitsfunktionen. So haben alle Portale ein Single-Sign-on-Verfahren mit Hilfe des "Java Authentication and Authorization Service" implementiert. Dadurch gehört eine separate manuelle Anmeldung des Anwenders der Vergangenheit an. Ferner ermöglichen alle Produkte eine sichere Datenübertragung über eine SSL-Verbindung (Secure Sockets Layer) sowie die Einbindung bestehender Verzeichnisdienste per Lightweight Directory Access Protocol (LDAP). Liferay bietet zusätzlich eine Integration mit dem Active Directory von Microsoft.

Eine Zwei-Klassen-Gesellschaft offenbart sich bei den Funktionen zur Personalisierung von Portalinhalten (siehe Grafik "Personalisierung"). Sie sollen helfen, Informationsangebote (Content und Portlets) und Funktionen individuell auswählen, zusammenstellen oder anpassen zu können. Hierzu zählen auch die Internationalisierung der Inhalte (Sprachanpassung), die individuelle Anpassung von Profilen und des Layouts sowie die Einrichtung einer eigenen Homepage. Liferay konnte hier vor Exo Platform und Gridsphere mit einer komfortablen Portlet- und Content-Anpassung punkten und gestattet eine einfache Modifikation der benutzen Sprachen. Jetspeed und Jboss besitzen hingegen keine Funktionen zur Portlet- und Content-Auswahl sowie zur Profilverwaltung.

Portlet-Standardisierung

Wichtige Bausteine einer Portallösung sind Portlets, mit denen Entwickler einen Portal-Server um Anwendungen und Funktionen erweitern können. Sie lassen sich in die Browser-Oberfläche als Fenster einbinden. Da es hier bislang keine ausreichende Standardisierung gab, verabschiedete die Java-Gemeinde Ende 2003 den Standard "Java Specification Request 168" (JSR 168). Dieser soll helfen, die Interoperabilität und Portierbarkeit von Portlets zu gewährleisten. Ihm zur Seite steht die Spezifikation "Web Services Remote Portlets" (WSRP) des Internet-Gremiums Oasis, die sich vor allem mit dem entfernten Zugriff auf Portlets beschäftigt. Alle getesteten Portale verwenden heute JSR 168, WSRP findet -abgesehen von Jboss Portal - ebenfalls breite Anwendung (siehe Grafik "Portlet-Unterstützung").

Portlets haben den Charme, dass sie schnell den Nutzen und Funktionsumfang und damit auch die Akzeptanz einer Portallösung erhöhen. So entstehen beispielsweise durch die Einbindung von Instant Messaging, Mail, Kalender, Directory oder Team Rooms neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Die mit den Open-Source-Produkten erhältliche Auswahl an mitgelieferten, einsatzbereiten Portlets ist indes sehr verschieden.

Schnelle Erfolge

So kann Liferay mit 84 Portlets nicht nur das breiteste, sondern auch funktional umfassendste Angebot vorweisen, inklusive Groupware-Features und eigener Shop-Lösung. Mit deutlichem Abstand folgen Exo Platform, Gridsphere und Jetspeed. Jboss Portal stellt fast keine direkt verwendbaren Portlets zur Verfügung. Als Besonderheit bietet Jetspeed Portlets zum Testen, darunter auch solche, die in Perl und PHP geschrieben sind.

Neben Anwendungen, Portlets und Funktionen lassen sich über ein Portal auch Inhalte als Texte, Grafiken und Multimedia-Dateien verwalten und mit anderen Benutzern teilen. Ein ausgereiftes Content-Management-System (CMS) ist jedoch in keinem der verglichenen Produkte enthalten (siehe Grafik "Content-Verwaltung"). Dennoch verfügen alle Portale über gewisse Möglichkeiten, Inhalte zu bearbeiten. So kann mit Hilfe von WebDAV (WWW Distributed Authoring and Versioning) das HTTP-Protokoll editiert werden.

Unterschiede im Detail

Es gibt Verzeichnis- und Dateifunktionen und solche für die Vorschau und das Veröffentlichen von Inhalten. Der Anwender kann außerdem Workflows einrichten und eine Versionierung vornehmen. Insgesamt schneiden Exo Platform, Liferay und Jboss Portal gleich gut ab, wenn sich auch im Detail Unterschiede zeigen. Gridsphere bietet hingegen lediglich rudimentäre CMS-Funktionen, bei Jetspeed fehlen sie völlig.

Ein vermeintlich fehlender oder wenig organisierter Support ist ein Punkt, den kommerzielle Softwarehersteller immer wieder gegen Open Source ins Feld führen (siehe Grafik "Support"). Professionelle Hilfe ist aber gerade bei komplexen Systemen wie Portalen von großer Bedeutung. Diesbezüglich können Anwender zumindest für Jboss Portal, Liferay und Exo Platform einen kostenpflichtigen Support erhalten, der sich nach unterschiedlichen Modellen berechnet. So zahlen Kunden bei Liferay und Jboss pro Anwendung, während der Betrag bei Exo Platform sich nach den Lizenzkosten richtet. Gridsphere und Jetspeed setzen darauf, dass sich der Anwender mit Hilfe der vorhandenen Dokumentation und der Community zurechtfindet. Mailing-Listen und Entwicklerforen existieren im Web für alle Portale, jedoch in unterschiedlicher Qualität, wobei Liferay laut Studie am besten abschneidet.

Hilfreich bei der Portalauswahl kann auch ein Blick auf die gebotenen Suchfunktionen, die Dokumentenverwaltung, die Unterstützung von Entwicklungswerkzeugen für Portlets, die Framework-Architektur sowie die Anbindung mobiler Clients sein. Schon bei der Dokumentation zeigte sich im Test, dass zumindest Jetspeed und Jboss Portal zu wenig bieten. Klarer Sieger bei Entwicklungs-Tools ist Exo Platform, da es ein Plugin für das "Eclipse"-Framework bietet, über das sich externe Tools für die Portlet-Entwicklung nutzen lassen. Beim Sprachumfang führt Jetspeed das Quintett an, weil neben Java und Java Server Pages (JSP) auch PHP und Perl verwendbar sind. Gridsphere und Exo Platform unterstützen auch die Entwicklung von Portlets mit Java Server Faces.

Open Source, ja, aber

Insgesamt kommt die Studie zu dem Schluss, dass zumindest die geprüften Versionen von Jboss Portal und Jetspeed nicht für Portalprojekte zu empfehlen sind. Zu groß ist der Lernaufwand, zu gering sind die gebotenen Basisfunktionen, vor allem zur Verwaltung und Personalisierung einer Portallösung. Klarer Sieger ist hingegen Liferay, während Gridsphere und Exo Platform sich als guter Durchschnitt empfehlen. Zu beachten ist, dass Exo Platform nur für den nichtkommerziellen Einsatz kostenlos ist. Ansonsten erhebt dessen Betreiber rund 3000 Dollar Gebühr pro CPU. Ebenso sollten sich Anwender aufgrund der heutigen Vielfalt die Lizenzbestimmungen der anderen Portale genau anschauen.

Grundsätzlich sollten Unternehmen die verglichenen Open-Source-Portale auch dann beim Auswahlverfahren einbeziehen, wenn hohe Anforderungen an die beschriebenen Funktionen, die Portlet-Unterstützung und Content-Verwaltung bestehen. Ist hingegen zugleich eine komplexe Anwendungsintegration geplant, raten die Verfasser der Studie dazu, auf kommerzielle Produkte zu setzen, da diese mehr vorgefertigte Funktionen und Schnittstellen mitliefern. Hinzu kommt als Kriterium die Macht des Faktischen: Ist ein Anbieter mit seinen Infrastrukturprodukten im Unternehmen bereits dominant vertreten, hat es eventuell Sinn, auch dessen Portalsoftware zu nutzen. Allerdings lassen sich Open-Source-Produkte dank neuer Portalstandards mittlerweile auch mit kommerziellen Angeboten kombinieren. Wer also etwas mutiger ist, kann hier einiges an Lizenzkosten sparen.