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09.08.1985 - 

Kompromiß zwischen technischer Leistungsfähigkeit und wirtschaftlichem Nutzen:

Portierung ist immer noch ein Abenteuer

MÜNCHEN - Ein Betriebssystem, das uneingeschränkt alle Bedürfnisse des Anwenders befriedigt, dabei aber portabel auf diversen Rechnern verfügbar ist, wird gegenwärtig noch nicht angeboten. Eine solche Entwicklung dürfte auch in absehbarer Zeit - wenn überhaupt jemals - nicht am Markt erscheinen.

Die Schwierigkeiten bei der Realisierung eines derartigen Vorhabens liegen in dem Kompromiß, der zwischen technischer Leistungsfähigkeit und wirtschaftlichem Nutzen zu finden ist. Also zwischen dem, was man theoretisch in ein Betriebssystem einbringen kann und dem, was davon auch praktisch genutzt wird.

Bei der Auswahl eines Betriebssystems für einen Mikrocomputer sollte man daher nach verschiedenen Kriterien vorgehen:

Einsatzbereich. Daraus ergeben sich die Anforderungen an Funktionalität und Benutzeroberfläche. Hier muß man sich entscheiden zwischen dem, was man dem Anwender an Bedienungsaufwand zumuten kann und dem, was man von ihm verlangen muß. So erfordert ein Mehrbenutzersystem sicher eine höhere Qualifikation vom Anwender als ein reines Einplatzsystem. Es dürfte aber auch sinnlos sein, ein aufwendigeres Betriebssystem mit künstlichen Restriktionen zu versehen, um dem Anwender Fehlermöglichkeiten zu nehmen.

Auch der Hardwareaufwand spielt in diesem Zusammenhang eine Rolle, da beispielsweise Mehrbenutzersysteme auch höhere Ansprüche an Peripherie und Hauptspeicherkapazität stellen. Der Kostenfaktor kann sich hier durchaus erheblich bemerkbar machen.

Gerade die Mikrocomputer werden, schon bedingt durch die meisten Einsatzorte, vorwiegend als Einzelplatzsystem verwendet. Das gilt auch, wenn der Computer zur Kommunikation mit Großrechnern als Terminal genutzt wird.

Wird ein solches System dann mit einem Mehrbenutzerbetriebssystem ausgestattet, bleiben erhebliche Ressourcen ungenutzt und senken darüberhinaus noch die Verarbeitungsgeschwindinkeit.

Anwendung. Nur die wenigsten Softwarelösungen werden unter verschiedenen Betriebssystemen angeboten. Unterschiedliche Implementationsoberflächen und Dialekte wie bei Unix und dessen Derivaten Xenix, Venix etc. lassen bereits die Portierung von einem Rechner zum anderen wenn nicht unmöglich, so doch zumindest zum Abenteuer werden. Das kann man sich aber bei einem System, das nicht als Hobbycomputer, sondern zur betrieblichen Unterstützung im Arbeitsablauf eingesetzt wird, nicht leisten.

Ähnliches gilt auch für Betriebssysteme wie CP/M und MS-DOS. Aus diesem Grund wird die Entscheidung für ein bestimmtes Betriebssystem oft von der Anwendung diktiert. Außerdem werden auch hier durch die Hardware Grenzen gesetzt, die aus den beschränkten Ausbaumöglichkeiten vieler Mikrocomputer resultieren.

Lösungsvielfalt. Aus dem oben Angeführten ergibt sich ein weiteres Kriterium. Die meisten Computer - das gilt nicht nur für Mikros - werden eingangs nur zur Lösung eines speziellen Problems beschafft. Im Laufe der Zeit wird es aber sinnvoll, sei es zur besseren Nutzung der Investition oder aber durch Erweiterung des Sachgebietes, weitere Software auf dem Rechner einzusetzen.

Auf keiner Computerart werden aber so viele Softwarepakete "von der Stange" eingesetzt wie gerade auf dem Mikrocomputer. Das bedeutet wiederum, daß das eingesetzte Computersystem über ein Betriebssystem verfügen sollte, für das eine reichhaltige Softwarepalette angeboten wird.

Für den Interessenten haben sich daher drei Betriebssysteme als wesentlich herauskristallisiert:

CP/M als überliefertes Betriebssystem der 8-Bit-Zeit, allerdings mit einem nicht zu unterschätzenden Softwarevorrat.

MS-DOS als das Betriebssystem der 16-Bit-Computer, auf dem 98 Prozent aller Entwicklungen der kommerziell eingesetzten Softwarepakete gemacht werden. Dies sicher nicht zuletzt dadurch, daß es durch IBM zu einem Quasi-Industriestandard gemacht wurde.

Unix als Mehrbenutzerbetriebssystem für anspruchsvollere und leistungsfähigere Mikrocomputer.

*Hans-Joachim Drude, Produkt Manager Software, Data General GmbH.