Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

30.07.1976 - 

Ausleihdatenerfassung in der Stadtbücherei Augsburg:

POS im Bücherbus

"Prima Organisation für Stadtbibliothek" konnte man in Abwandlung der geläufigen Abkürzung "POS" die Verbuchung der Ausleihdaten mit Pointof-Sales-Terminals des Typs Nixdorf 710 bei der Stadtbibliothek Augsburg bezeichnen. Kernstück dieses neuen Verfahrens ist ein 8stelliges Strichcode-Etikett, das in jedem Buch und auf allen Leserausweisen angebracht ist. Ein kurzer Wischer mit dem elektronischen Lesestift über das Etikett des Leserausweises und die Etiketten der ausgesuchten Bücher genügt, um einen Ausleihevorgang maschinell auf einer Magnetbandkassette zu registrieren. Gleichzeitig wird für den Leser ein Bon erstellt, auf dem der Lesestoff mit dem jeweiligen Rückgabedatum vermerkt ist. Werden die Bücher wieder zurückgegeben, so muß lediglich das Buchetikett gestrichen werden, um den Leser automatisch zu "entlasten".

10 000 Leser und eine 720

Allerdings waren von der Augsburger Bücherei umfangreiche Vorarbeiten zu leisten, bis im März dieses Jahres mit dem Probebetrieb in einer Zweigstelle begonnen werden konnte. Über ein Terminal Nixdorf 720 mußten die Daten von 10 000 Lesern und 110 000 Büchern erfaßt und auf den Magnetplatten der städtischen IBM/370-145 EDV-Anlage gespeichert werden. Quasi als Nebenprodukt fielen mit dem Erfassungsvorgang die Leserausweise und die Magnetbandkassetten an, die zum maschinellen Drucken der Leser- und Buchetiketten dienten. Das Bücherpersonal stöhnte auch, unter der zusätzlichen Belastung, die mit dem Kleben der Strichcode-Etiketten verbunden war. Da im Gegensatz zum Einzelhandel die Leser- und Buchetiketten mehrfach verwendet werden, müssen sie vor Beschädigung geschützt werden. Die Leserausweise wurden deshalb- ähnlich wie die Euroscheckkarten- maschinell plastifiziert und die Buchetiketten mit einer dünnen Plastikfolie überklebt.

Bibliothekar "Computer"

Daß sich die Mühen gelohnt haben, zeigen die bisher gewonnenen Erfahrungen mit dem elektronischen "Bibliothekar". Er versieht seit 4 Monaten ohne Beanstandung seinen Dienst und registriert schnell und zuverlässig den gesamten Leihverkehr.

Auch die Buchungs- und Mahnprogramme laufen auf der zentralen EDV-Anlage zur vollsten Zufriedenheit. Sie drucken die Mahnschreiben für säumige Leser und wertvolle Statistiken, die bisher, - wenn überhaupt - nur mit erheblichem Aufwand gewonnen werden konnten. Beispielsweise liefern "Bestseller"- bzw. "Ladenhüter"-Listen über die Ausleihhäufigkeit bestimmter Bücher gezielte Hinweise für die Bestandspflege. Die Wochen- und Monatsstatistik, die je Zweigstelle die Anzahl der Leser, der entliehenen und der zurückgegebenen Bücher aufschlüsselt, dient zur Steuerung des Personaleinsatzes ebenso wie die Jahresstatistik über die Lesefreudigkeit verschiedener Lesergruppen.

Good-bye Ziehkartei

Durch den Online-Anschluß des Nixdorf-720-Terminals an die IBM/370-145-Anlage wurde eine sofortige Auskunftsbereitschaft über die zentral geführten Leser- und Buchbestände geschaffen. In Sekundenschnelle können über diese Direktverbindung Fragen beantwortet werden wie: "Welche Bücher hat ein bestimmter Leser entliehen" oder "welcher Leser hat ein bestimmtes Buch entnommen". Da die Stadt Augsburg für das Melde-, Finanz- und Krankenhauswesen ganztägig einen TP-Monitur vorhält, ließ sich die DFÜ-Verbindung für die Bücherei ohne großen Aufwand realisieren.

Durch die positiven Erfahrungen ermutigt, wird die Hauptstelle der Augsburger Bücherei im Juli dieses Jahres die manuellen Ziehkarteien mit den Klappkarten in die Ecke stellen und das Ausleihverfahren elektronisch abwickeln. Anschließend wird eine weitere Zweigstelle umgestellt, und letztlich soll der Büchereibus, der die Außenbezirke mit Lesestoff versorgt, mit einem POS-Terminal ausgestattet werden. Etwas ungewöhnlich wird bei dieser Autobus-Datenstation die Stromversorgung sein: Über einen Wechselrichter aus der Autobatterie.

Die monatlichen Miet- und Wartungskosten von rund 5000 Mark werden dadurch kompensiert, daß zwei frei werdende Stellen nicht mehr besetzt und eingezogen werden. Ferner werden die Ausleihzeiten verlängert und somit der "Dienst am Kunden" verbessert. Noch nicht übersehen lassen sich die Auswirkungen der maschinellen, termingerechten Mahnungen. Doch der Bibliotheksdirektor hofft, daß eine Steigerung des Buchumsatzes und damit eine effektivere Auslastung der Bücherei zu erzielen ist.

Heinz Sailer ist Leiter der Programmierung im Organisationsamt der Stadtverwaltung Augsburg