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25.11.1977 - 

Fegro-Großhandelsmärkte geben Tandem den Vorzug:

POS System im Eigenbau beendet Lochkartenzirkus

ESCHBORN - Die ausgefahrenen Wege herkömmlicher Lösungen umgeht das neue DV-Konzept der integrierten POS-Abrechnung in den drei Fegro-Großhandelsmärkten Eschborn, Rodgau und Mannheim: Es basiert auf Doppelrechnersystemen des Newcomers Tandem Computers sowie auf POS-Kassenterminals Marke "Eigenbau". Klaus Schewe, Geschäftsführender Gesellschafter und Leiter des DV-Projektes, hat einen Mut zum Risiko - immerhin war er der erste europäische Tandem-Anwender - bisher nicht bereut: "Die Tandem-Systeme waren für uns die totale Überraschung", freut sich Schewe, nicht danebengelangt zu haben. Auch die von einer Wiesbadener Firma nach Fegro-Wünschen entwickelten POS-Terminals haben sich so gut bewährt, "daß sie demnächst sogar auf dem Markt vertrieben werden sollen", so Schewe.

Vor der Umstellung wurde in den Fegro-Märkten ausschließlich mit Lochkarten gearbeitet. Vor jedem Artikel waren an den Regalen die entsprechenden Lochkarten angebracht. Der Kunde mußte nun für jeden Artikel, den er kaufen wollte, eine Lochkarte zur Endkontrolle mitnehmen, wo sie dann mit der Ware verglichen wurde. "Diese Kontrolle und das spätere Rücksortieren der Karten in die einzelnen Regale bedeutete für unsere Leute jedesmal einen Riesenaufwand", berichtet Schewe. Probleme gab's auch, wenn ein Kunde Lochkarten vergessen oder falsche gegriffen hatte: "Dann mußte handschriftlich eine Zwischenrechnung erstellt werden, die abgelocht und in das Lochkartenpaket des Kunden einsortiert wurde", erklärt der Fegro-Chefplaner und fügt hinzu: "Mit der Bearbeitung dieser Ausnahmefälle (Kunde hat keine oder falsche Lochkarte) verbrachte das Personal an den Endkontrollen rund 25 bis 30 Prozent der Arbeitszeit. "

Lochkartenkreislauf war zu aufwendig

Die Abrechnung selbst erfolgte in den drei Cash & Carry Märkten jeweils auf zwei "betagten" Gamma 55-Systemen von Bull General Electric ((...)eute Honeywell Bull), wobei ein System als Back-Up-Rechner fungierte. Pro Kunde erstellte die GE 55 dabei eine Summenkarte. Die Gesamtzahl der Summenkarten wurden jeweils täglich zur weiteren Verarbeitung auf einer Siemens 4004/45 in die Eschborner Fegro-Zentrale transportiert. Der Siemens-Rechner verglich die abgerechneten Lochkarten mit den Artikel-Grundinformationen in der Stammdatei und gab danach - bei Übereinstimmung - die Lochkarten zur Rücksortierung frei oder sortierte sie aus, wenn sie fehlerhaft waren.

Dieser Lochkarten-Kreislauf erwies sich nach Schewes Worten nicht nur als ungeheuer aufwendig, sondern hatte auch zur Folge, "daß der teure Zentralrechner zu 55 Prozent mit Lochkarten-Betrieb belegt war".

Herstellerunabhängigkeit bewahren

Bei der Entwicklung eines neuen DV-Konzeptes legten die Fegro-Planer größten Wert darauf, in jeder Stufe herstellerunabhängig zu bleiben. "Als Waren-Auszeichnungsverfahren kam für uns nur der OCR-A-Code in Frage, da OCR-A-Etiketten von nahezu allen gängigen Lesern erfaßt werden können und dieses Verfahren außerdem das mit Abstand preiswerteste ist", begründet Klaus Schewe. Bei den Lesegeräten entschied sich Schewe für Recognition Equipments Wand-Reader, "weil der das bewährteste und billigste System am Markt ist".

Als wesentlich schwieriger erwies sich die Auswahl eines intelligenten POS-Kassenterminals. Hierbei kollidierten der Fegro-Wunsch nach niedrigen Kosten und die Forderungen nach technischer Leistungsfähigkeit (freiprogrammierbare CPU mit großem Hauptspeicher, bewährtes Betriebssystem, V 24-Schnittstelle, Bildschirm). "Bei den bekannten POS-Anbietern suchten wir unsere Wunschkasse vergebens", berichtet Schewe. Die Fegro-Planer beschlossen daher, sich von der Entwicklungsfirma PIP in Wisper bei Wiesbaden ein maßgeschneidertes, aber trotzdem preisgünstiges POS-Terminal bauen zu lassen. Das Ergebnis: Ein System bestehend aus Motorola 6800-CPU, Bildschirm (normaler Schwarzweiß-Fernseher auf Drehachse), zwei verschiedenen Druckern (32stellig von Valvo und 132stellig von Mannesmann) und V 24-Schnittstelle, von dem die Fegro-Leute in jeder Hinsicht begeistert sind.

Angst vor Systemausfall entschied das Rennen

Die Endauswahlphase für die neuen Rechnersysteme erreichten drei Hersteller: IBM, Nixdorf und Tandem. Daß Tandem schließlich das Rennen machte, liegt nach Schewes Worten vor allem daran, daß ein Systemausfall bei den von IBM und Nixdorf angebotenen Kassensystemen in jedem Fall ein "Neustarten" aller (bei IBM) oder von wenigstens vier Terminals (bei Nixdorf) erforderlich mache. "Das können wir uns bei Kassenzonen mit 20 bis 30 Geräten nicht leisten", argumentiert Schewe. Die Softwareentwicklung für die insgesamt drei Tandem-Systeme (Programmiersprache: TAL) übernahm das Ingenieurbüro Weigl in Bad Hersfeld. Für die Abnahme der Programme war jedoch Tandem selbst verantwortlich.

In jedem der drei Fegro-Märkte wurde ein Tandem-Doppelprozessorsystem installiert. Sie werden dort eingesetzt für die Kundenneuaufnahme, die Eingangskontrolle der Kunden (die Kundenausweise werden dabei optisch gelesen), die Erfassung von zurückgegebenem Leergut, die Check-Out-Abwicklung mit Rechnungsschreibung, ferner für die gesamte abendliche Kassenabrechnung, die Erstellung von Banklastschriften für Kunden (Kunden können entweder bar, mit Scheck oder per Bankeinzugsverfahren bezahlen) sowie für den Dialog mit dem zentralen Siemens-Rechner. In einer späteren Ausbaustufe (Anfang 79) soll die 4004 durch die Erweiterung der Tandem-Systeme um jeweils einen weiteren Prozessor ersetzt werden.