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11.06.1982 - 

Moderne Warenwirtschaftssysteme kommen ohne Hintergrund-CPU aus:

POS-Terminals für Manager noch in Pilotphase

Nicht nur die großen Handelsunternehmen rüsten sich mit Computerkassen aus. Selbst den Tante-Emma-Läden bringt ein solches Gerät den notwendigen Überblick, um am (Einzelhandels-)Markt bestehen zu können. Klaus Rosenthal* beschreibt, wie es um den Kassenmarkt steht.

Kassen gibt es für alle Größen von Einzelhandels-, Fach- und Verbrauchermärkten. Die Gruppe der kleinen Stand-alone-Kassen für den Einzelhandel reicht von etwa zwei bis sechs Speicherwerken. Die Kaufpreise liegen zwischen 800 und 2500 Mark.

Im mittleren Bereich sind elektronische Einzelkassen auf dem Markt, die bis zu 40 Speicherwerke enthalten. Sie sind für bestimmte Einsätze beschränkt programmierbar und können auch im Verbund eingesetzt werden. Die Kosten liegen zwischen 2000 und 5500 Mark.

Im oberen Produktbereich werden POS- oder Computerterminals angeboten. Sie sind frei progammierbar und können bis auf 512 KB Arbeitsspeicher ausgebaut werden. Die Preise liegen zwischen 7900 und etwa 25 000 Mark.

Recepteur-Programm minimiert Zutaten

Darüber hinaus werden Spezialmärkte bedient. Sogenannte "Fast-Food"-Kassen eignen sich besonders für Imbiß-Einrichtungen von Restaurantketten oder Kaufhäusern. Solche Kassen enthalten unter anderem ein Recepteur-Programm. Es minimiert bei jeder verkauften Einheit die dafür notwendigen Speisezutaten. Damit kann permanent abgelesen werden, welche Mengen an Zutaten eingekauft werden müssen.

Mit dem Angebot von Hotelabrechnungsmaschinen wenden sich die Hersteller an kleinere Hotels und Pensionen ab etwa 50 bis 500 Betten. Sie kosten ab 18 000 Mark aufwärts.

Scan-Mobil spielt Feuerwehr

Ohne Konkurrenz ist zumindest nach Angaben des Herstellers Data Terminal Systems (DTS), einer 100-prozentigen Olivetti-Tochter, das "Scan-Mobil". Es wird innerhalb von Point-of-Sale-Scannerinstallationen eingesetzt. Die fahrbare Elektronikeinheit besitzt eine 40stellige alphanumerische Anzeige, numerische Tastatur und Funktionstasten sowie einen EAN/UPS-Lesestift. Wahlweise können weitere Erfassungs- beziehungsweise Ausgabemedien angeschlossen werden, wie Zeilendrucker, OCR-Leser, Regaletikettendrucker und Floppy-Disk-Station.

Durch seine Beweglichkeit kann das "Scan-Mobil" sowohl bei der Warenverprobung, als auch bei Inventur und Warenbestellung, bei der Wareneingangserfassung und für den Regaletikettendruck eingesetzt werden. Normalerweise benutzen die Märkte heute noch tragbare Datenerfassungsgeräte, wenn mit Artikelnummer und Menge die Regalbestandserfassung durchgeführt wird.

Diese Geräte liefern bisher keine Hardcopies. Das "Scan-Mobil" gibt dagegen einen Inventur- oder Dispositionsbeleg für den Marktleiter aus Mit einer angeschlossenen Floppy Disk kann die Warenwirtschafts-"Feuerwehr" auch als Wareneingangsterminal, einschließlich DÜ-Transfer der Abverkaufsdaten benutzt werden.

Kein DV-Hintergrund

Intelligente Scanner-Kassen, die bis zu 20 000 Artikel führen und verwalten können, benötigen keine Hintergrund-CPU mehr. Innerhalb eines POS-Terminal-Verbundes sieht dann der computerlose Checkout noch günstiger aus: So können mehrere Kassen mit angeschlossenem Scanner ohne DV-Hintergrund gekoppelt werden. Dabei enthält eine Kasse das gesamte Programm und wird von einer zweiten als Backup-System gesichert. Die anderen Kassen verfügen über dieselben Programme und arbeiten als Slaves innerhalb dieses Verbundes.

Untersucht man Warenwirtschaftssysteme, so dominieren die dort im Hintergrund vorgesehenen Computer mit angeschlossenen Hardplatten und Bildschirmen. Einige Unternehmen dagegen konzentrieren viele dieser Aufgaben in den POS-Kassen am Checkout und überlassen bei größeren Installationen dem Kunden die Wahl seines Background-Rechners.

Dieser kann aufgrund der hohen dezentralen Intelligenz meistens eine Nummer kleiner ausfallen, weil er nicht durch zu viele Daten überlastet wird. Nach den Erfahrungen von POS-Fachmann Robert B. Tindall ist der Kunde geneigt, seine Installationen stufenweise aufzubauen: "Vordringlich ist die Reorganisation und Verbesserung am Checkout. Hier kann er mit intelligenten Kassen schon eine Menge tun. Später wird er dann eventuell an eine oder mehrere Kassen einen Scanner anschließen und sich somit schrittweise einem Warenwirtschaftssystem nähern".

Nach seiner Meinung betreiben einige DV-Hersteller zu viel Investitionsaufwand, wenn als erste Installationsstufe ein oder zwei Hintergrundrechner offeriert werden.

Renner von Leichen unterscheiden

Je größer ein Verbrauchermarkt ist, desto häufigere und gezieltere Informationen werden benötigt. Dafür existiert eine ganze Serie von Standard- und Sonderprogrammen, sowohl für die Kassierer oder Käufer, als auch für die Managementseite. Unerläßlich für Märkte ist deshalb eine komplette, kurzfristige Erfolgsrechnung, nach der ein Marktleiter sieht, wie er mit seinem Umsatz im Trend liegt.

Von den einzelnen POS-Kassen können daher zu jeder beliebigen Zeit wichtige Marktleiterinformationen abgerufen werden. Dazu gehören neben Warengruppen-Statistiken auch Vergleiche zwischen mehreren Warenarten. Auf diese Weise kann man "Renner" von "Lagerleichen" trennen und seinen Einkauf optimieren.

Eine weitere Erfassung und Protokollierung übernehmen die Kassen in Form eines Zeitberichtes. Er gibt zum Beispiel an, welcher Umsatz innerhalb bestimmter Geschäftszeiten über jede Kasse getätigt worden ist. Diese Informationen geben nicht nur Aufschluß über die Arbeitsleistung an der Kasse, sondern zeigen an, wie sich das Käuferverhalten und die Kundenfrequenzen innerhalb der Spitzenzeiten entwickeln.

Balkencode nicht lesbar

Für den Kunden gibt der ausgegebene Bon alle notwendigen Informationen. Neben einer 12stelligen Artikelnummer wird in Alphatext der Preis, der Artikelname sowie der Einzel- und Mengenpreis angegeben. Das ist besonders wichtig bei der Regelauszeichnung. Hier geht die Preistransparenz verloren, wenn der Kunde den Artikel aus dem Regal genommen hat. Den Balkencode kann er nicht lesen. Nach dem Checkout gibt ihm der Kassenbon wieder einen Überblick, einschließlich Artikelbezeichnung, über seinen Einkauf.

Beim Tagesabschluß kann der Marktleiter über seinen Manager-Code von jeder Kasse alle Informationen abrufen und sie für den kommenden Tag auf Null stellen. Alle Informationen werden auf dem normalen Kassenbon ausgedruckt. Innerhalb eines Kassenverbundes kann durch das File-Sharing wirtschaftlich gearbeitet werden, zum Beispiel dann, wenn Preisänderungen in alle Kassen abzuspeichern sind. Die neuen Price-look-ups (PLUs) müssen nur in einem oder zwei Kassenplätzen abgestellt werden.

Durchbruch für 1982

In Deutschland sieht Tindall für 1982 den endgültigen Durchbruch, nachdem bisher das Scanning-Verfahren zögernd akzeptiert wurde. Doch auch der kleine "Tante-Emma-Laden" bietet ein interessantes Marktpotential: Immerhin warten noch rund 45 000 mechanische Kassen in Deutschland auf ihre Ablösung durch modernere Geräte. Für diesen Kundenstamm werden Kassen mit bis zu acht Speicherwerken angeboten, die nur rund 1000 Mark kosten.

Für den mittleren Anwendungsbereich gibt es Kassen, die bis zu 768 automatisch abrufbare Artikel (PLUs) und bis zu vier Währungsrechnungsarten beherrschen. Ein Belegdrucker kann auf Wunsch angeschlossen werden.

Am oberen POS-Segment sind Manager-Terminals noch in der Pilotphase. Das Terminal soll als Auskunftsplatz im Hintergrund stehen und mit Floppy-Drives beziehungsweise einem Minidisk ausgerüstet werden. Von dort aus kann der Marktleiter durch ständig möglichen Abruf noch bessere Detailkenntnisse seines Betriebes erfahren.

*Klaus Rosenthal ist freier Fachjournalist.